Dritter Verhandlungstag im Prozess gegen 21-jährige Kindsmutter
"Mach das Kind weg"

Bild: Huber
Viel Zeit nahm am dritten Verhandlungstag die Erörterung des Whats-App-Verkehrs zwischen der wegen fahrlässiger Tötung angeklagten Steffi D. und dem Kindsvater in Anspruch. Der 21-Jährigen wird vorgeworfen, ihr Neugeborenes in der Kundentoilette eines Neustädter Supermarktes erstickt zu haben.

Die Whats-App-Auswertung war für die Kripo offenbar sehr mühsam. Beide, die Angeklagte wie der Vater des toten Mädchens, hatten alle Mitteilungen auf ihrem Handy gelöscht. Ein 57-jähriger Kriminalhauptkommissar berichtete, dass er aber sämtliche Nachrichten wiederherstellen konnte. Einen Tag vor dem Heiligen Abend 2014 schrieb der Freund der Angeklagten: "Schau auf, dass du net schwanger bist vom letzten Mal, wo wir ham." Antwort: "Brauchst keine Angst haben, will eh kein Kind mehr." Zu diesem Zeitpunkt war es nicht einmal ein Jahr her, dass sie in Nürnberg schon ein Kind von ihm hatte abtreiben lassen.

Keinen Alkohol

Nun war die Flosserin wieder schwanger. In den folgenden Monaten ging es ständig darum, dass das Kind nicht zur Welt kommen darf. Die verzweifelte Mutter machte deutlich, dass sie auf keinen Fall ein drittes Baby haben möchte. "Im Mai ist Scheiß-Entbindungstermin. Ich brauch' kein Kind", tippte Steffi in ihr Handy. Immer wieder kam die gleiche Antwort: "Weg mit dem Kind" oder "Mach das Kind weg" oder "Wenn es da ist, weg damit."

Nachdem alle Versuche, "das wegzumachen", gescheitert waren, sah Steffi D. schließlich die Möglichkeit, ihrer Umgebung die Geburt des Säuglings mit Hilfe eines Kaiserschnitts und anonymer Adoption verheimlichen zu können.

Weil der angehende Vater immer wieder zur Abtreibung drängte, tauschte sich das Paar über diverse Methoden wie exzessiven Alkoholgenuss oder Rizinusöl aus. "Gemacht habe ich das aber nicht", hatte die Frau am ersten Prozesstag versichert.

Das deckt sich mit dem toxikologischen Gutachten eines Rechtsmediziners aus Erlangen. Demnach wurde in der Haarprobe der Angeklagten "gar nichts" gefunden: weder Alkohol- noch Medikamenten- oder Drogenkonsum in den letzten drei Monaten vor der Geburt. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Walter Leupold erklärte der Rechtsmediziner, dass eine Haarprobe schon "die tägliche Halbe Bier" abbilden würde.

Ein Freund des Kindsvaters (26) machte große Erinnerungslücken geltend. Auf Nachbohren der Richter räumte er ein, dass ihn sein Kumpel aufgefordert habe, er solle bei der Polizei aussagen, dass er um Silvester mit ihm auf die bevorstehende Vaterschaft angestoßen habe. Er hatte große Angst, dass er wegen der Sache in den Knast müsse.

Seltsame Liebe

Ruhig wurde es im wieder fast vollen großen Schwurgerichtssaal, als schließlich der Kindsvater in den Zeugenstand gerufen wurde. Er wusste wohl, was ihn erwartet, denn in der Pause vorher hatte er auf dem Gang geweint. Die Aussagen des Reinigungsmannes passten so gar nicht zu dem zuvor gehörten Whats-App-Verkehr. Zunächst wollte er sich an nahezu nichts mehr erinnern: Weder wann er Steffi kennengelernt und wann er von der Schwangerschaft erfahren hatte oder wann er das letzte Mal bei ihr war. Erst als Landgerichts-Präsident Leupold ihn lautstark auf die Sprünge geholfen hatte, wurde er etwas gesprächiger.

Auf die Frage des psychiatrischen Sachverständigen Professor Dr. Michael Osterheider von der Uni Regensburg erzählte der Weidener, dass sie sich auf Facebook kennengelernt hatten. Bei ihr daheim in Floß sei es bald zum ersten Intimverkehr gekommen: "Es war Liebe." Allerdings gab der 35-Jährige - Steffi wusste nicht einmal, wo er wohnt und hatte nur seine Handynummer - unumwunden zu, dass er parallel zu ihr noch eine zweite Freundin hatte. Die Beziehung mit der Angeklagten sei mit dem Tod seines Kindes am 25. April zu Ende gewesen.
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