Kindstötung in Neustadt/WN: Mutter schweigt weiter [Aktualisierung: Zeugensuche]
Ermittler setzen auf Kameras

Von Tag zu Tag mehr werden die Kerzen, Blumen und Kuscheltiere, die vor dem Neustädter Supermarkt für das nach der Geburt getötete und in einem Abfall-Container geworfene Mädchen abgelegt werden. Bild: Götz

Die Mutter schweigt eisern. Die 21-Jährige aus dem Landkreis Neustadt, die in dringendem Verdacht steht, ihr Töchterchen gleich nach der Geburt in einem Neustädter Supermarkt getötet zu haben, macht laut Leitendem Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer weiter keinerlei Angaben. Sie sitzt in Regensburg in Untersuchungshaft.

Fest steht inzwischen der Tathergang: Die Mutter von zwei Buben kommt am Samstag, 25. April, gegen Mittag in das Geschäft, in dem sie beschäftigt ist. Begleitet wird sie von einigen Personen aus ihrer Familie, darunter auch ein Sohn. Während die Verwandten einkaufen, begibt sich die 21-Jährige in die Kundentoilette. Hier hält sie sich rund 40 Minuten auf. In dieser Zeit kommt das Kind auf die Welt.

Baby im Müllbeutel

Das WC war nach Zeugenaussagen blutverschmiert, die Kleidung der Beschuldigten verschmutzt. Zwei Tage später begab sich die Frau wegen starker Blutungen ins Klinikum Weiden. Der Gynäkologe schöpfte Verdacht und schaltete die Polizei ein. Am Nachmittag fand die Kripo den Leichnam des Mädchens in einem Beutel in einem Abfall-Container an der Lieferzufahrt des Geschäfts.

Große Hoffnungen setzt die Kripo in die Auswertung der zahlreichen Videokameras in dem Geschäft. "Das ist eine mühsame Aufgabe", meint Schäfer. Das Material zu sichten nehme Stunden in Anspruch. Eine Kamera nimmt jeden auf, der die Toilette betritt und verlässt. Eine Kundin wollte zur Tatzeit in das verschlossene WC des Marktes. Als dieses in der Folgezeit zugesperrt blieb, bat sie eine Kassiererin vergeblich, sie möge nachschauen.

Motiv noch unklar

Wie kommt das Kind von der Toilette in den Container? Das ist für Schäfer die zentrale Frage für die Ermittler. Dazu werden auch Kollegen der 21-Jährigen, die ihre Schwangerschaft geheim gehalten hat, befragt. Die Polizei geht derzeit davon aus, dass die Frau alleine gehandelt hat. Schäfer: "Wir ermitteln nicht gezielt in Richtung Mittäterschaft."

Zum Motiv will sich der Anklagevertreter nicht äußern. Es sei einiges denkbar, aber das seien Spekulationen. Geld spiele aber keine Rolle. In der Familie habe es außerdem genügend Bezugspersonen gegeben, die sich um die Söhne im Alter von zwei und drei Jahren gekümmert hätten. Ein psychiatrisches Gutachten soll weitere Erkenntnisse bringen.

Die Beschuldigte wird von der Weidener Anwaltskanzlei Dr. Burkhard Schulze & Kollegen vertreten. Rechtsanwalt Christoph Scharf, der die Frau verteidigt, hat einen ganzen Fragenkatalog an die Staatsanwaltschaft geschickt. Die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang. Es seien noch viele Fragen offen, auch beim Tatablauf. Die besondere psychische Situation der Mutter müsse berücksichtigt werden. Wenn eine Mutter ihr Kind bei oder nach der Geburt umbringe, dann könne man dies nicht mit einem anderen Tötungsdelikt vergleichen.
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