Im Schrebergarten an der Waldnaab
Grünes Paradies mit Entennest

 

41 Schrebergärten liegen am Ufer der Waldnaab auf der Seite der alten Schießstätte, weitere 33 sind es jenseits der Brücke beim Feuerwehrhaus. Einst dienten sie der Versorgung der Stadtplatzbewohner mit Obst und Gemüse. Heute steht die Erholung im Vordergrund - jedenfalls bis das Wasser kommt.

Auf einem ausrangierten Küchenstuhl sitzt ein bunter Pinocchio. In den Händen hält er eine Kaffeekanne aus Keramik, in der ein kleines Pflänzchen wächst. In den Hochbeeten gedeihen Fenchel, kräftiger Rosenkohl sowie Stangen- und Buschbohnen. "Wie in der Arche Noah, halt von jedem ein bisschen was", lacht Otto Kelnhofer.

Seit 43 Jahren bewirtschaftet er mit Ehefrau Ella eine rund 150 Quadratmeter große Parzelle am Ufer der Waldnaab. Schon seine Eltern, die einst am Stadtplatz wohnten, hatten dort ein "Pflanzstückl". Die heutigen Gärten reichen mit 25 Quadratmetern von der Größe eines Wohnzimmers bis hin zum kleinen Bauplatz mit 450 Quadratmetern.

"Früher waren das die Nutzgärten für die Bewohner der Stadt", erklärt der 69-Jährige. Zwar bauen die Kelnhofers noch immer jede Menge Gemüse und Obst an, angewiesen sind sie darauf aber nicht mehr. "Mal kommt mehr, mal weniger, und dann ärgert man sich ein bisschen, aber naja, es ist halt ein Ausgleich", lacht der Rentner. "Ein bisschen was kommt immer, und für eine Suppe reicht's wieder", bleibt auch Ella gelassen. "Heuer hatten wir wahnsinnig viel Johannisbeeren", freut sich die 63-Jährige, die aus Pirk stammt. Auch die Brombeeren, an den sattgrünen Ranken schwarz und süß bescheren eine reiche Ernte.

Dabei hat das Ehepaar keineswegs nur Nutzpflanzen angebaut. Ein Schmetterlingsflieder lockt bunte Falter an. Ranunkel, Petunien und Geranien erfreuen Insekten. "Die Blumen gehören sich einfach dazu für die Bienen. Sonst wächst das Gemüse ja auch nicht", weiß die Hobbygärtnerin über die Bedeutung der schwarz-gelben Brummer.

So oft wie möglich sind die Kelnhofers in ihrem Garten. Die Enkel haben Platz zum Spielen, Gartenhaus und Terrasse bieten Raum, um mit Freunden Geburtstage zu feiern. Selbst im Winter kommt das Ehepaar regelmäßig. Dann schmücken sie einen Christbaum im Häuschen und genießen die Ruhe der Adventszeit.

Gärtnern mit Hochwasser


Nur an einigen Tagen im Jahr können sie ihren Garten nicht nutzen. Meist irgendwann von Januar bis März, wenn der Schnee schmilzt oder viel Regen vom Himmel fällt und die Naab über die Ufer tritt, ist das Gelände überflutet. Mal stehe das Wasser 5, mal 50 Zentimeter hoch. "Einmal war es auch schon einen Meter hoch", erinnert sich Otto. Dann erreicht der Fluss auch das etwas erhöht auf einem Fundament stehende Gartenhäuschen. Auf Polstermöbel verzichten die Kelnhofers daher.

Jeden Herbst bereiten sie sich auf die Überschwemmung vor und stellen nach Möglichkeit Einrichtungsgegenstände aufeinander - Hauptsache weg vom Boden. Meist ist das Wasser nach zwei, drei Tagen wieder abgeflossen. Dann gilt es schnell zu sein und den zurückbleibenden Schlamm zu beseitigen, bevor er antrocknet. Die meisten Pflanzen überstehen die regelmäßigen Fluten gut. Nur manchmal gehe etwas kaputt.

Strom- und Wasseranschluss gibt es in den Schrebergärten nicht. Ein Aggregat liefert Energie für elektrische Werkzeuge. Soweit möglich verzichtet das Hobbygärtnerpaar aber auf motorbetriebene Gerätschaften. Auch Kunstdünger ist bei Kelnhofers tabu. Sie wollen ihr Grundstück möglichst naturnah und umweltfreundlich bewirtschaften. Im Frühjahr setzt Ella eine Brennnesselbrühe an: "Das ist der einzige Dünger fürs ganze Jahr."

Leben mit der Bahn


Der achtsame Umgang mit der Natur scheint auch den Tieren zu gefallen. "Heuer haben wir fünf Vogelnester im Garten gehabt", erzählt Otto Kelnhofer. "Im Hochbeet brüteten Enten", ergänzt Ella. Auch die nahen Bahngleise scheinen die Federtiere nicht zu stören. "Die Güterwaggons sind zwar manchmal etwas laut, aber wir hören es gar nicht mehr", schildert Ella. Otto sieht es ähnlich pragmatisch: "Wir leben schon immer mit der Bahn. Das gehört dazu."
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