Reisetipps für Tunesien und Griechenland
Ferien ohne Furcht?

(esc) Sommer, Sonne, Strand und Meer. Füße hoch und die Freizeit genießen. Viele haben ihren Urlaub bereits Anfang des Jahres gebucht. Und sind jetzt verunsichert: Kann ich noch beruhigt nach Tunesien fliegen? Wie ist die Stimmung in Griechenland? Nach dem Anschlag in Tunesien am Mittwochabend mit 23 Toten, darunter vielen Touristen, überlegen sich etliche ihre Reise nach Nordafrika.

In Griechenland sorgt die Krise beim Urlauber für Zweifel - muss der deutsche Tourist Angst haben, dass ihm ein Kellner in die Suppe spuckt? "Anfang des Jahres haben wir gut gebucht nach Griechenland", erzählt Stella Berlinski von der Reisewelt Grafenwöhr. In Fachzeitschriften sei angekündigt worden, dass das Land wieder im Kommen sei und heuer wieder boomen werde. "Noch hatten wir keine Stornierungen", sagt Berlinski. "Griechenland ist ein sehr gastfreundliches Land. Aber wenn man so beschimpft wird auf politischer Ebene", könne man verstehen, dass die Leute verunsichert seien.

Lage in Tunesien "dramatisch"

Die Lage in Tunesien bezeichnet die Inhaberin des Reisebüros als "ganz dramatisch". "Das ist fatal und sehr traurig." Das Land sei wie Ägypten von der Touristikbranche geprägt und abhängig. "Das ist schon ein Schlag." Sie selbst hat für sich und ihre Familie ein Angebot für die Ferieninsel Djerba entdeckt. "Das ist jetzt natürlich vom Tisch." Von den Ängsten der Urlauber werden klar die Balearen und Kanaren profitieren. "Noch sind die Preise stabil, die werden aber sicher noch hochgehen", ist sich Berlinski sicher. Eventuelle Umbuchungen müssen in Absprache mit den Kunden vonstatten gehen. Ausweichziele sind ihrer Erfahrung nach seit 2014 die skandinavischen Länder, England und Schottland. Schiffsreisen ans Nordkap und Kreuzfahrten seien ebenfalls im Trend.

"Bauchweh" mit Tunesien

Sandra Weismeier vom Reisebüro "Nix wie weg" in Parkstein weiß, dass "trotz der momentanen Angelegenheiten" Griechenland dennoch gefragt ist. Zwar hätten Kunden vereinzelt Bedenken geäußert, der Großteil sei aber nicht verunsichert. "Die Kunden sind trotzdem an Griechenland interessiert", weiß die Urlaubsberaterin. Im Rennen seien immer Kreta, Rhodos und Korfu. Nur ein Kunde habe bisher seine Griechenlandreise storniert. "Mit Tunesien habe ich da mehr Bauchweh", gesteht Weismeier. Für die Baderegionen seien noch keine Reisewarnungen rausgegangen. "Generell gibt es ja schon seit letztem Jahr Warnungen." Wenn Anrufe eingehen, "beruhigen wir die Kunden und nehmen ihnen die Angst". Im Falle eines Falles "buchen wir natürlich um, damit sich der Kunde auch wieder zurücklehnen kann".

"Zwiespältige Sache"

Das Ganze sei "eine zwiespältige Sache": "Die einen sagen, das ist weit entfernt vom Urlaubsort, das ist kein Problem. Andere dagegen: Nein, da will ich nicht hin." Storniert habe bisher keiner. Bei Umbuchungen seien die Türkei oder Spanien mit seinen Inseln gefragt. Weismeier rät: "Nichts überstürzen, im Reisebüro nachfragen, ruhig bleiben." Klaus Koller vom Reiseland Koller in Vohenstrauß hat wegen Griechenland Bedenken: "Seit der neuen Regierung haben wir keine Nachfragen mehr." "Die Leute haben Angst, dass sie vor Ort schlecht behandelt und schlecht bedient werden." Er könne durchaus verstehen, dass Erholungssuchende hin und her überlegen. "Sie haben Angst, am Automaten kein Geld mehr zu bekommen, wie es schon vor vier Jahren der Fall war."

Griechenland schlimmer als Tunesien

Die Lage in Griechenland sieht er schlimmer als die in Tunesien. "Der Anschlag ist in zwei Wochen vergessen - das in Griechenland dauert noch, das wird sich hinziehen", vermutet Koller. Seiner Erfahrung nach sagen die Kunden, dass ein Anschlag eben passieren könne. Erst am Mittwoch hatte er Kunden, die explizit in das nordafrikanische Land wollten. Dass die Kanaren von der Lage in Griechenland und Tunesien profitieren, "das war schon immer so". Das habe man auch gesehen, als es in Ägypten "rund ging". Koller ist sich sicher: Die Griechen sind vor Ort anders als sie die Deutschen wahrnehmen. "Der Deutsche glaubt, der Grieche sei faul. Das ist aber nicht so. Die Deutschen sind auch nicht so, wie sie von anderen gesehen werden." Nichtsdestotrotz seien die Buchungen für Griechenland-Urlaube im Vergleich zu den letzten Jahren um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen.

Ruhige Telefone

Im Reisebüro "Five Point" in Weiherhammer "ist die Nachfrage nicht so groß" nach Griechenlandurlauben, sagt Astrid Knab. In Fachzeitschriften habe es geheißen, die Krise wirkt sich nicht so aus. "Seit den Protesten geht es wieder", sagt sie. Noch seien keine Reisewarnungen für Griechenland rausgegeben worden. "Bisher hat sich das immer wieder beruhigt." So auch für Tunesien: "Bisher gab es noch keine Rückfragen von Kunden", sagt Knab, "die Telefone blieben ruhig." Das Reisebüro orientiert sich an den Veranstaltern. "Da halten wir Rücksprache. Ich glaube aber, dass es ruhig bleibt", zeigt sich Knab zuversichtlich. "Die Veranstalter sehen ja, wie groß die ,Panik' ist." Sie sieht heuer den Trend zu Kreuzfahrten und Fernreisen nach Thailand und Asien.
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