Schwarzer Kater auf der Roten Liste
Erscheinen der Faschingszeitung erneut auf der Kippe

Ein schwarzer Kater faucht torkelnde Zecher an. Allegorisch hat Künstler Stefan Schadeck hier den Neustädter Fasching umgesetzt. Wer ähnliche Anekdoten augenzwinkernd in Textform formulieren will, ist als Zuarbeiter der Faschingszeitung herzlich willkommen. Bild: Götz

So was heißt dann wohl publizistischer Super-GAU: Ein Produkt, das einem Leser vor Jahren noch aus den Händen rissen, interessiert plötzlich nicht mehr. Das droht schon zum zweiten Mal dem Faschingsverein als Verleger des "Schwarzen Katers".

Das Zentralorgan der Neustädter Narren erschien 2015 erstmals seit zig Jahren gar nicht. Es fehlte an Artikeln. Dieses Jahr droht dasselbe Schicksal. Bis 31. Januar kann jeder im Briefkasten des Faschingsvereins bei der Buchhandlung Richter am Stadtplatz lustige Beiträge einwerfen oder per E-Mail an die Adresse schwarzer-kater-new@web.de schicken. Bislang ist die Resonanz mau, räumt Sandro Schäffler ein.

Der Vorsitzende des Fördervereins rätselt über die Ursachen. "Vielleicht ist es die mediale Überfütterung." Er meint, dass humorige Schoten, die für Lacher im Fasching sorgen, schon weit vor der Saison bei Facebook hochkochen und dann für den Schwarzen Kater nur mehr kalter Kaffee sind.

Auf der anderen Seite könnte der Zeitschrift eine Tatsache schaden, die für den Verein eigentlich wunderbar ist. Scheffler: "Früher war der Neustädter Faschingszug eine reine Neustädter Angelegenheit. Dank unserer super Jugendarbeit haben wir nun viele Mitglieder aus Floß, Altenstadt oder anderen Orten. Die kennen sich natürlich mit dem Stadtgeschehen und der Lokalpolitik nicht so aus."

Doch oft ist das satirische Futter für den Schwarzen Kater schon ausgestreut. Es muss nur jemand hinschnuppern. So wie damals, als ein stadtbekannter Mitbürger durch den Kakao gezogen wurde, der seinen Christbaum an sein Wohnzimmer anpassen wollte und das Gewächs dabei so zerstückelt hat, dass er es in Einzelteilen wieder zusammenbasteln musste. Oder die Taufe des "Nachtwächtersteigs". Dieser offizielle Name geht eigentlich auf einen Schabernack der Faschingsfreunde zurück.

Keine Gemeinheiten


Schäffler verhehlt nicht, dass der Kater seine Krallen nicht immer angemessen eingesetzt hat. So witzelte er über die Leibesfülle eines Stadtrats, der das gar nicht so zum Lachen fand. "Das war jemand, der uns das ganze Jahr über kräftig unterstützt. Wir haben uns bei ihm dann auch im Neuen Tag entschuldigt."

Über die Hintermänner und -frauen sagt Schäffler wenig. Es gehört zur Tradition, dass die Redakteure des Schwarzen Katers anonym bleiben. Sie sollen als unabhängige Pressevertreter schließlich nicht ständig mit Betroffenen zu tun haben, die eigene Missgeschicke nicht lesen wollen, sondern immer nur die Peinlichkeiten der anderen. Die Zeitschrift kostet 1,50 Euro und hat 12 bis 16 Seiten. Sollte das Material dafür heuer wieder nicht reichen, würde das Heft trotzdem nicht dauerhaft eingestellt. "Die Redaktion will weitermachen." Sie träumt von Zeiten, als im "Bärensaal" noch regelmäßig der Weiberfasching stieg. Damals tauchte dort Karl-Heinz Bock in Postillon-Uniform auf und hat schon die ersten Dutzend Exemplare verkauft. Ende Januar entscheidet sich, ob der Kater so viel Fleisch angesetzt hat, dass der Faschingsverein der Druckerei Kollerer den Auftrag über rund 500 Exemplare geben kann.
Weitere Beiträge zu den Themen: Sandro Schäffler (2)Neuauflage (11)
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