200 Fans der harten Klänge auf dreizehntem Firehouse
"Metal ist Liebe"

Die letzte Band des Abends, "GrooVenoM", bringt mit "Modern-Death-Pop" das Feuerwehrhaus zum Beben. Bilder: Konrad (2)
Kultur
Neustadt an der Waldnaab
10.10.2016
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"The Styx Shipping Society" überzeugt mit treibenden rhythmisch-harten Black-Metal-Riffs.

Metal ist ein Mysterium, das sich nicht jedem erschließt. 200 Freunde der harten Musik feiern beim dreizehnten "Firehouse". Schnelle Gitarrenläufe, wummernder Bass und lautes Geschrei bringen die Fahrzeughalle zum Beben. Wo die Begeisterung herkommt, erklären die Fans.

Die Gäste fühlen die hämmernden Bässe, hören die Gitarrenriffs und das typische "Screamen" und "Growlen", also das kontrollierte Brüllen und Schreien dieser Musikrichtung. Zur ohrenbetäubenden Soundkulisse bietet die Feuerwehr Getränke, Essen und einen Heimfahrservice. Um 18.30 Uhr beginnt "Travesty" aus Kastl. Darauf folgt die "Styx Shipping Society".

Die Kunst der Band aus dem Fichtelgebirge erinnert an eine musikalische Bootsfahrt über den Styx in die Unterwelt. Mit der Ausnahme, dass der Fährmann verrückt ist und schreit und brüllt, und der Unterwelt-Fluss brennt und sich auf und ab bewegt wie im Sturm. Zum dunklen Gewummer von Bass und Schlagzeug spielen die Musiker Gitarrenriff für -riff ihre Zuhörer dem Untergang entgegen. Sie kippen das Boot um und lassen die Körper des Publikums metaphorisch durch die heißen Flammen gleiten, um sie danach wieder aufzurichten und den Song mit einem dumpfen Schrei von Leadsänger Patrick Gottfried zum Ende kommen zu lassen.


Metal ein Mysterium


Die dunkel gekleideten Fans genießen die Musik meist regungslos. In den Pausen zwischen den Bands gehen sie nach draußen, um sich abzukühlen und zu rauchen. "Metal ist für viele ein Mysterium", sagt Philipp Gaßner. Er und seine Clique gönnen sich etwas frische Luft, nachdem sie zusammen bei den Auftritten der ersten Bands vorne mit dabei waren.

"Einer der nur Rap hört und Metal das erste Mal über Kopfhörer, der denkt vielleicht, die Band ist total scheiße", erklärt Eric Jahn. "Und irgendwann nimmt ihn ein Kumpel auf ein Konzert mit und dann versteht er's." Gaßner zeigt sich beeindruckt von der Band "The Styx Shipping Society": "Wenn man die hört: Du merkst, da sind Emotionen dabei, er singt von Hass und Schuld. Da kann man seine Aggressionen loswerden." Man müsse Metal einfach selbst erlebt haben, sagt Julia Ehinger. Das sei eine Lebensart. "Metal ist Liebe und die sind alle superfreundlich."

Der Band Respekt zollen


Im Anschluss an die "Styx Shipping Society" spielt "eXcage", die sanfteste Band des Abends. Die melodiösen Klangkaskaden der Leadsängerin Maike Albrecht könnten aus Popsongs stammen. Doch die harten Riffs der Gitarristen machen schnell klar, dass diese Band zwischen Rock und Metal einzuordnen ist.

Während des Auftritts sind Ehinger, Gaßner, Jahn und Philipp Hecht ganz vorne, schütteln ihre Haare im Takt. "Es bildet sich immer nur ein ,U' um die Band", erklärt Hecht danach. Das habe er nicht so gut gefunden. "Ich bin ja zum Feiern hier." Gaßner ergänzt: "Hinten sieht man es nur. Vorne spürt man's, wenn zum Beispiel der Bassist die Seite anschlägt. Man ist eins mit der Band. Man muss ihr auch seinen Respekt zollen." Die Band sei eigentlich unterschätzt, meint Ehinger. "Eigentlich spielen ,eXcage' ziemlich gut. Die treten nur zu selten auf." Für die Clique geht es danach wieder zurück vor die Bühne.

Der Rest des Abends gehört den verbliebenen beiden Bands: Zunächst spielen die Saalfelder Death-Metaller "Path of Destiny" rund um den exzentrischen Leadsänger Sebastian Schaffert. Mit atemberaubender Geschwindigkeit hauen sie den Saal in Stücke. Schaffert zeigt durch hohes Screamen und tiefes Growlen die Bandbreite seiner Stimme.

Death-Pop mit Scratching


Fans des progressiven Stils freuen sich auf den Headliner: "GrooVenoM". Die Band die nach eigener Aussage "Modern-Death-Pop" spielt, ist im Ausdruck kaum weniger stark als ihre Vorgänger. Besonders Leadsänger "Mr. Sanz" bringt den Saal mit ausgeprägtem Growlen zum Beben und animiert das Publikum zum mitmachen. Doch die gelegentlich in die Songs eingefügten "Scratches" des mitgebrachten DJs und der lila Hintergrund waren wohl zu extravagant für die Metalfans. Der Saal begann sich nach und nach zu leeren.

"Die Veranstaltung ist friedlich zu Ende gegangen", sagt Organisator Helmut Staratschek. Das sei jedes Jahr so. Doch hätte er sich ein wenig mehr Gäste gewünscht.
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