Ausstellungseröffnung in der kleinen Galerie
Die Dichterin und der Fotograf

Kuratorin Rita Kielhorn (Mitte) und Dichterin Maria Hammerich-Maier (rechts) bei der Eröffnung der Ausstellung. Bild: gag

Die meisten Texte hatte Maria Hammerich-Maier bereits verfasst, als sie Fotograf Stanislav Túma das erste Mal begegnet ist. Aus dem gemeinsamen Wirken der Künstler ging ein Buch hervor. Ihre Bilder, Texte und Lyrik stellt Rita Kielhorn in der kleinen Galerie aus.

Wurz. Maria Hammerich-Maier lebte von 1990 bis zum Jahr 2000 in Prag und suchte zu ihren Gedichten passende Bilder: In tschechischen Bibliotheken stieß sie auf die Schwarz-weiß-Fotografien von Stanislav Túma, den sie bis dahin nicht kannte. Die beiden Künstler trafen sich und brachten aus einer Auswahl ihrer Werke ein Buch heraus.

Die Idee, die Werke von Túma und Hammerich-Maier gemeinsam zu zeigen, hatte die Initiatorin der Wurzer Sommerkonzerte, Rita Kielhorn. In Anlehnung an die Landesausstellung zum 700. Geburtstag Kaiser Karls IV. suchte sie nach einer Möglichkeit, der kulturellen Bedeutung des Kaisers für Bayern und Böhmen gerecht zu werden. Bei dem oberfränkisch-böhmischen Künstlerduo wurde sie fündig: Hammerich-Maier und Túma präsentieren in der kleinen Galerie im Pfarrhof Bilder, Texte und Lyrik zu Prag und Böhmen.

Leben und Verfall in Prag


Der Fotograf Stanislav Túma wurde 1950 in Eger geboren. Bereits im Jahr 2005 starb er an einer Erbkrankheit. Er hinterließ Tausende Bilder, aus denen seine Witwe die Besten in hochwertigem Digitaldruck nacharbeiten ließ. Túma fotografierte ausschließlich analog und entwickelte selber. Sein Revier war die Prager Kleinseite am linken Moldau-Ufer, wo auch Hammerich-Maier die Inspiration für viele ihrer Gedichte fand. Das Leben der Menschen, die Spuren der Jahrhunderte und die Architektur und der Verfall prägen Túmas Arbeiten. Die Magie von Licht und Schatten zaubert Spannung und Tiefe in seine Werke. "Deutlich erkennt man in den Motiven die tiefe Liebe des Künstlers zu Prag", merkte Hammerich-Maier an. Ähnlich empfindet sie über das Entstehen ihrer Prager Lyrik. Die Gedichte reiften meist auf langen Spaziergängen durch Straßen und Winkel der Stadt. Die Oberfränkin arbeitete in dieser Zeit als Deutschlehrerin und ist stolz darauf, ihren Schülern in den 90er Jahren, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs "etwas von dem freien westlichen Geist" vermittelt zu haben.

Die Ausstellung in der kleinen Galerie, dem ehemaligen Schuppen des Pfarrhofs, ist jeweils zu den Konzertterminen geöffnet. Die Künstlerin freut sich auf den Dialog mit den Besuchern.

GedichtAuf Katzenpfoten streiche

ich nächstens durch die Straßen

und lauere wachsam überall

auf die verschlüsselten Gebärden

Der Reliefs, die schwer

aus Kupfer und aus Bronze

in den Fluten überschwänglich werden

und zieh'n in mein empfängliches Gemüt

Der Klänge von Harmonikas auf Booten

die wie gekühlte Schmelze von Kristall

kommen mit Vogelschreien angeflogen

und bringen alles Künstliche zu Fall

Und wenn zuletzt an einem Sims

mich Stuck betört, wie hingeblüht

ist es, wie wenn man heimlich spät

noch eine leckere Beute fängt
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