Black Patti im Barockgarten
Nostalgische Reise zu den Blues-Wurzeln

Peter Crow C. (links) und Ferdinand "Jelly Roll" Kraemer haben sich dem "Pre-War-Blues" verschrieben. Als "Black Patti" mit National Steel Guitar, Mandoline und Bluesharp erwecken sie den archaischen Klang der alten Schellackplatten zu neuem Leben. Bild: Reitz

"Black Patti", so hieß ein Plattenlabel bei dem 1927 in Chicago eine Reihe von Schellackplatten erschien. Zwei Musiker aus dem Süden Bayerns bringen den Klang der alten Scheiben wieder auf die Konzertbühne.

Bis zum Jahre 1962 war der ländliche "Country Blues" in Europa völlig unbekannt. Erst die Konzertreihe der "American Folk Blues Festivals" stellte diese Musik einem staunenden Konzertpublikum vor, Bücher wie "Screening the Blues" von Paul Oliver oder "The Country Blues" von Samuel B. Charters weckten das Interesse für eine längst verloren geglaubte Ära, das Blues-Revival verhalf obskuren Gestalten wie Son House, Bukka White, Big Joe Williams und zahllosen anderen zu spätem Ruhm.

Das Münchner Duo "Black Patti" hat sich dieser Musik, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Rillen gepresst wurde, voll verschrieben. Authentisch, ohne jedoch die Originale sklavisch zu kopieren, präsentiert es eine Musik, meilenweit entfernt vom aktuellen Zeitgeist und den "Segnungen" des 21. Jahrhunderts. Mit Stahlgitarre, Mandoline und Bluesharp erlebt man handgemachte Musik ohne doppelten Boden, eine Musik rau und mit Ecken und Kanten, Musik die in ihrer mehr als hundertjährigen Geschichte nichts von ihrem Zauber verloren hat.

Heilige Lieder


Peter Crow C., das ist die amerikanisierte Version seines bürgerlichen Namens Peter Krause, verfügt über eine raue, heißere Stimme und ist ein Meister der Bottleneck-Gitarre und der Blues-Harp, der diatonisch gestimmten Mundharmonika. Sein Partner "Mr. Jelly Roll" heißt eigentlich Ferdinand Kraemer. Er hat sich seinen Spitznamen von dem Pianisten Jelly Roll Morton entliehen, der sich selbst gerne als "Erfinder" des Jazz bezeichnete und ebenfalls den Vornamen Ferdinand hatte. "Mr. Jelly Roll" spielt die Mandoline, ein im Blues fast ausgestorbenes Instrument, und erinnert in seiner Spielweise an den großen Yank Rachell.

Zwischen Blues und Gospel pendelt das Konzertprogramm, wobei der Unterschied meist nur in den Textaussagen besteht. Während die Blues-Strophen oft von anzüglichen und zweideutigen Texten geprägt sind, die sich meist nur Kennern des Slangs der schwarzen Unterschicht erschließen und früher auch gerne als "Devil's Music" tituliert wurden, zeugen die Gospels von einen tiefen Religiosität.

Da hört man die Engel singen, da fährt der Zug ins Jenseits, da macht man es sich im Himmel gemütlich. Heiß geht's her, wenn Peter Crew C. zur Mundharmonika und Mr. Jelly Roll zur Gitarre greift. Peter spielt die Bluesharp wie kein anderer: zupackend und kraftvoll, virtuos und mitreißend. Da werden auch Atemgeräusche und Zwischenrufe als Gestaltungsmittel einbezogen. Sonny Terry und Sonny Boy William (No.1) lassen grüßen!

Recycling the Blues


Das Programm wirkt wie eine Reise durch die Bluesgeschichte ohne die Songs nur zu kopieren. Die Texte sind Eigenschöpfungen, die sich allerdings aus traditionellen Phrasen und Textzeilen zusammensetzen, wie es in den meisten Volksmusik-Traditionen gebräuchlich ist. Da glaubt man eine Predigt im Sinn von Son House zu hören, dann kommt mit fragiler Kopfstimme Skip James in den Sinn, scheppernd und laut macht sich der Bottleneck im Stil von Bukka White bemerkbar, dann wieder zurückhaltend und sensibel wie bei Fred McDowell. Auch die traditionellen Song-Strukturen werden kreativ verwendet, erhalten durch den meist zweistimmigen Gesang und die solistischen Ausflüge der Mandoline aber eine durchaus eigene Note.

Das Publikum geht begeistert mit und muss auch mal mitsingen: Im "Denomination Blues" von Washington Phillips aus dem Jahre 1927 die Textzeile: "You better have Jesus, that's all", oder bei "Take a whiff on me" das Leadbelly für die Nachwelt erhalten hat und die Drogenszene der 30er Jahre karikiert. Dann werden auch mal die Verstärker ausgeschaltet und der Naturklang der "National Steel Guitar" kommt voll zur Geltung.

Abgerundet wird der nostalgische Ausflug in die Vergangenheit durch humorvolle und ironische Zwischenansagen und Geschichten die den Hintergrund zu den einzelnen Songs aufhellen. Ein vollauf gelungener Abend im stimmungsvollen Barockgarten. Diese Konzertreihe der Kulturfreunde Lobkowitz wird wohl auch im nächsten Jahr fortgeführt!
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.