Elend gute Stimmen
Franz-Grothe-Schule präsentiert Szenen aus "Les Misérables"

Revolutionsromantik auf Französisch: Das ganze Ensemble singt das "Lied des Volkes". Bilder: gag (2)
Kultur
Neustadt an der Waldnaab
11.06.2016
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Das arme Volk lebt hoffnungslos in den Straßen von Paris. Cathrina Wagner, Agnes Sperlich, Linda de Wilde, Lilli Biersack und Christine Winter (von links) besingen ihr hartes Los.

Das Gesangsensemble der Franz-Grothe-Schule Weiden hat sich schweren Stoff vorgenommen. Im Kuppelsaal des Klinikums Wöllershof präsentiert es Ausschnitte aus dem Musical "Les Misérables". Eine traurige Geschichte, die Sänger konzentrieren sich aber eher auf die weniger schwermütigen Nummern.

Wöllershof. Die Handlung spielt in Paris auf drei Zeitebenen zwischen 1815 und 1832. Es geht um die Niederschlagung des Pariser Juniaufstands. Arm, hoffnungslos, gnadenlos ausgenutzt und ohne Zukunft leben die kleinen Leute. "Und am Ende vom Tag bin ich einen Tag älter" singen die Darsteller.

Dieses Lied beschreibt ihre Perspektivlosigkeit. Das sparsame Bühnenbild und die Kostüme unterstreichen die Wirkung. Ein alter Kinderwagen, die Mutter schaukelt das Kind. Eine Frau schält und kocht Kartoffeln. Ein Mädchen fegt den Fußboden, ein anderes kehrt die Straße. Der Schuster geht lustlos seiner Arbeit nach.

Kontrolliert werden sie von strengen Gendarmen. Und da ist Marius (Thomas Scharlo). Er hat seine Freunde im Krieg verloren und möchte ebenfalls sterben. Doch er trifft Cosette (Linda de Wilde) und verliebt sich in sie, ohne zu ahnen, dass Eponine ebenfalls auf ihn steht. Catharina Wagner singt mit klarem Mezzosopran sowohl das melancholische Lied der Fantine, der Mutter Cosettes ("Ich hab geträumt vor langer Zeit") als auch die ausdrucksstarke Ballade "Nur für mich" der Eponine über ihre unglückliche Liebe zu Marius ("Ich lieb ihn, doch nur für mich allein").

Linda de Wilde interpretierte gefühlvoll das Lied der kleinen Cosette, die sich aus dem Elend wegträumt. "Nachts baut der Schlaf ein Schloss für mich, das fegt ein Zauberbesen blank. Keiner ist müde oder krank, in meinem Schloss gibt's so was nicht." Ihren ersten Auftritt hatte Lilli Biersack, die mit Blumenstrauß die schüchterne Freundin der Cosette spielte. Mit zarter, klarer Sopranstimme sang sie "Les Choristes" auf Französisch.

Marius hat nur noch Augen für dieses hübsche Mädchen. Im Duett himmeln sie sich an, bis die Gendarmen sie grob trennen. Den Abschluss des ersten Aktes bestimmt das "Lied des Volkes". Die Unterdrückten haben es satt, wollen aufstehen und kämpfen. Sie rufen "Vive la France" nach der Revolution.

Den zweiten Akt kündigte Erzählerin Cordula Schön als Gegenpol zu den armen, verzweifelten Tagen an: Damals war die Glanzzeit des "Moulin Rouge". Madame Glamour (Karin Schön) und ihre beiden Musen (Agnes Sperlich, Christine Winter) sangen mit kräftig-runden Sopranstimmen vom "Plaisir d'Amour".

Viel Bein


Karin Schön alias Madame Glamour überzeugte nochmals mit dem nachträglich für dieses Musical geschriebenen "Suddenly" von Hugh Jackman. Wie es sich für das Moulin Rouge gehört, waren Tänzerinnen auf der Bühne, die zur Narrhalla Weiden gehören und den berühmten "Can Can" von Jacques Offenbach mit viel Bein und Koketterie zum besten gaben. Das gefiel besonders einigen Herren im Publikum, die erfreut mitsangen.

"Trink mit mir" lud Cordula Schön die Gäste in dem Etablissement zu einem Glas Sekt ein. Und nochmals stellte sich das Volk auf, in diesem Fall alle Mitwirkenden. Trotzig und kämpferisch sangen sie wieder das "Lied des Volkes" und schwenkten die Trikolore. Die Darbietung begleitete Franz Nestler am Klavier, große Musikstücke wurden elektronisch eingespielt. Veneta Radoeva zeichnete verantwortlich für die Inszenierung. "Die Aufgabe von Kunst und Musik ist, den Leuten Hoffnung zu geben" erklärte Radoeva auf die Frage, weshalb dieses Stück einstudiert wurde. Das Publikum spendete regen Applaus und bekam als Zugabe noch etwas Besonderes, das mit dem Musical nichts zu tun hat. Thomas Scharlo spielt am Piano und singt dazu "Gone too soon" von Michael Jackson - ausdrucksvoll und ergreifend.
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