"Erfindung von Neustädter Tobias Walbert: ""Einpackdaumen"" soll zum Verkaufsschlager werden"
Ein Finger - und fertig

Nicht den Nippel durch die Lasche, sondern das Band in den Klemm-Spalt ziehen. Und schon hat der "Einpackdaumen" seinen Zweck erfüllt. Die schlichte Form und die graue Farbe sollen die einfache Funktionsweise sozusagen untermalen. Bild: Hartung
Kultur
Neustadt an der Waldnaab
14.11.2014
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"Schaaaaaaatz, kannst du mal kommen?" Diese lautstarke Bitte ertönt künftig seltener, wenn der patentierte "Einpackdaumen" der erhoffte Verkaufsschlager wird. Damit kann man nämlich ganz alleine ein Bändchen ums Geschenk schnüren.

Wer zu festlichen Anlässen ein ansprechendes Päckchen übergeben will, muss zwei Hürden nehmen: buntes Papier an den Inhalt schmiegen und eine schöne Schleife binden. Hauptproblem beim zweiten Schritt ist die fehlende dritte Hand, die den ersten Knoten zentral fixiert. Aber was tun, wenn kein Helfer in Rufweite ist?

Prototyp im Keller geschnitzt

Vor diesem Problem stand der Neustädter Ingenieur Tobias Walbert (28) vor vier Jahren: "Ich bin in den Keller gegangen und habe mir einen Prototypen geschnitzt." Der Jungunternehmer hat daraus mit Einsatz von Geld und Hirnschmalz einen verblüffend zweckmäßigen Plastikfinger geschaffen, dessen Funktionsweise seit Mai 2012 beim Patentamt offiziell eingetragen ist. Und so geht es: Das Geschenkband unter dem Päckchen durchziehen, den "Daumen" obendrauf legen. Das Band an beiden Enden nehmen, über Kreuz legen, zum Knoten binden und im sogenannten Klemm-Spalt festziehen - und es hält ohne partnerschaftliche Unterstützung. Jetzt den zweiten Knoten in Ruhe festziehen, leicht auf den Fingernagel drücken, und an der Soll-Knickstelle teilt sich der kleine Kunststoff-Helfer. Beide Hälften werden nach rechts und links weggezogen. Übrig bleibt das fest geschnürte Band, das nach Belieben weiter gestaltet werden kann.

Im durchsichtigen Tütchen inklusive Gebrauchsanleitung soll das innovative Produkt nun ab sofort die Welt erobern. Walbert braucht Werbekonzepte und muss Vertriebswege aufbauen, denn was nützt die beste Erfindung, wenn sie niemand kennt. Und hier kommt ein zweiter kreativer Kopf hinzu: Norbert Weig, Gründer und Inhaber von "fotopuzzle.de".



Der 49-Jährige und sein junger Kollege pflegen schon seit längerem eine lose Kooperation. "Als ich von der Erfindung hörte, fand ich die Idee absolut cool", erinnert sich Weig, der Walbert nicht nur beratend zur Seite steht. Der geistige Vater von "Fotobuch.de" schwärmt von der simplen Mechanik des "Daumens" und freut sich fast wie ein Kind, "dass im Hightech-Zeitalter noch einfache und nützliche Dinge erfunden werden, die es noch nicht gibt". Weig hilft auch über seine Firma bei der Pilot-Vermarktung im Internet.

Vorbild: "Band-Splicer"

Doch vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Walbert war lange auf der Suche nach einer Spritzguss-Firma, die nach seinen Wünschen produzieren konnte. 1000 Stück liegen seit Anfang November auf Halde, 500 davon sind mit tatkräftiger Unterstützung der ganzen Familie inzwischen verpackt. Auf Youtube hat Walbert eine verfilmte Gebrauchsanleitung eingestellt, bei der die geschickten Hände von Freundin Stefanie eine tragende Rolle spielen.

Knüller oder Ladenhüter?

Knüller oder Ladenhüter? Zu haben ist das gute Stück zunächst bei Sonna in Weiden zum Preis von 7,90 Euro oder als "Dazubestellprodukt" bei "fotopuzzle.de". Auf dem Hobbykünstlermarkt in der Stadthalle hat Walbert am Samstag einen Stand aufgebaut. Ob der "Einpackdaumen" ähnlich einschlägt wie der "Band-Splicer" ist die spannende Frage. Die berühmte Klammer zum Auftrennen von Geschenkbändern hat sich mehrere Millionen Mal verkauft.

Tipps vom "Splicer"-Erfinder

Tobias Walbert denkt nicht in solchen Dimensionen, hat aber mit dem "Splicer"-Erfinder Kontakt aufgenommen, um sich den einen oder anderen Tipp abzuholen. Ob sich seine "Investition im kleinen fünfstelligen Bereich" rentieren wird, ist für Tobias Walbert kein existenzielles Problem. Zusammen mit seinem Schulfreund Alexander Hofmann aus Döltsch hat er im Januar die IT-Firma "Howado" gegründet. In ihrer "Ideenschmiede" kümmern sich die beiden um technische Beratung und Ingenieur-Dienstleistungen, betreiben Produkt- und Konzeptentwicklung sowie E-Commerce-Beratung und sind ständig auf der Suche nach Querdenkern - so wie Walbert einer ist.
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