Organist Hans-Martin Limberg präsentiert in der Kirche St. Georg eigene Werke
Union von Komponist und Interpret

Der Münsteraner Organist Hans-Martin Limberg spielte am Sonntag an der Jann-Orgel in der St.-Georgskirche in Neustadt an der Waldnaab. Bild: Donhauser
Hans-Martin Limberg spielte am Sonntagabend ein nicht alltägliches Orgelkonzert mit "Gregorianischen Impressionen". Die 2007 reorganisierte und erweiterte Orgel zeigte dabei einige ihrer vielfältigen Klang-Facetten. Neuerdings können elektronische Klänge dazu geschaltet werden. Noch vor Jahren wäre dies ein Anlass gewesen, Platinen, Schaltkreise und Lautsprecher mit Feuer und Schwert aus dem Tempel zu exorzieren. Heute zeigen sich selbst namhafte Orgelbauer wie Klais durchaus aufgeschlossen. In St. Georg hat Thomas Jann mit sensiblem Stilgefühl einige digitale Asylbewerber integriert, ein Ansatz, den man andernorts im Bistum Regensburg kaum findet. Grundcharakter und Spielgefühl definieren nach wie vor die mechanische Traktur und die profiliert intonierten Pfeifenregister.

Ihr klar sprechender substanzieller Klang füllt die Kirche mühelos. Klarinette und Glockenspiel entspringen der digitalen Blackbox. Hans-Martin Limberg genoss es sichtlich, mit diesen seltenen Klangmöglichkeiten zu jonglieren.

Zu Hause im Jazz

Auch das Programm "Gregorianische Impressionen" stellte eine Besonderheit dar: Die knapp 60 Minuten Musik stammten aus der Feder des Organisten. Ein Schwerpunkt lag auf dem Thema "Maria". Allgegenwärtig der "Heilige Geist", das ewige "Licht vom Lichte" leuchtete. Das "Gloria" aus dem Ordinarium Missae wurde angestimmt, auch die vierteilige "Suite concertante". Themen der aktuellen Kirchenjahreszeit (Allerheiligen, Totensonntag bevorstehender Advent) blieben leider ausgesperrt.

Limberg ist musikalisch in der traditionellen Kirchenmusik wie auch im Jazz zu Hause wie der Fisch im Waldnaabwasser. Das spiegelt auch seine Orgelmusik wider: Sie hat einen improvisatorisch wirkenden Duktus und lässt hin und wieder dezent einige Blue Notes aufblitzen. Gern greift der Autor zu synkopierten rhythmischen Ostinato-Wendungen, die wir besser "Riffs" taufen. Viele Akkorde gehören zur großen Jazz-Verwandtschaft.

Überzeugend vermittelt

Nach emotionaler Einstimmung mit schwebender Vox-coelestis zitiert der Organist zügig die jeweiligen gregorianischen Sequenzen. Sie haben ihn zu Variationen inspiriert, die er bausteinartig aneinander reiht. Das hilft beim Hören, wohl kaum verliert man den tönenden Faden: Die Melodie mit Akkordbegleitung, variiert im Sopran, im Pedal, in akkordischem Satz, als polyphones Fugato. Dieses sich wiederholende kleinräumige Strickmuster verliert dann an Reiz. Wenig genutzt wird die Möglichkeit, die Tiefe der liturgischen Texte musikalisch auszudeuten. Selten erlebt man Komponist und Interpret in einer Person. Limberg ist anders als Reger ein virtuoser Organist, der seine eigenen Werke authentisch spielt. Er hat sie überzeugend vermittelt.
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