Ungewöhnliche Darstellung auch in Oberpfälzer Kirchen: Der Hund im Kreuzweg
Symbol für den Glauben

Die Dreifaltigkeitskirche Kappl in der Nähe von Waldsassen (Kreis Tirschenreuth), eingeweiht 1685, zählt zu den eigenartigsten Kirchenschöpfungen Deutschlands. Im Rundgang der Kirche befindet sich ein Kreuzweg, in dessen dritter Station ein Hund auftaucht. Der schwarze Mischlingshund hat nichts von der Demut des Hundes von Führich. Der unbekannte Maler zeigt ihn, wie er Jesus verteidigen will, fletschend zeigt er seine Zähne. Es ist jedoch ein eindeutiger Hinweis auf eine Führich-Kopie.
 
Nach dem Original in der Nepomukkirche Wien taucht ein Hund in der dritten Station des Kreuzweges vom Laurenziberg zum Prager Strahov-Kloster auf.

In der Bibel tauchen viele Tiere auf, nach einem Hund sucht man vergebens. Die Legende erzählt, dass sich der Heilige Rochus mit der Pest infizierte und von niemandem gepflegt wurde. So "empfahl er sich Gott". In einer einsamen Waldhütte wurde er von einem Engel behütet, und der Hund eines Junkers brachte ihm solange Brot und leckte seine Wunden bis er wieder genesen war.

Von Rainer Christoph

Das Alte Testament bietet eine weitere Option: "Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Gebeine haben sich zertrennt; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs. Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub. Denn die Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben", so steht es im Psalm 22, 14-16, der zu den Davidpsalmen gezählt wird. Der Psalm ist nicht nur im Judentum von Bedeutung. Im Christentum besitzt er großes Gewicht, weil sein Anfangsvers "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen" in der Passion zitiert wird.

Ob diese Bibelstelle den deutsch-böhmischen Maler Joseph Ritter von Führich so inspiriert hat, dass er im Auftrag von Metternich in der Nepomukkirche am Wiener Praterring einen Kreuzweg malen sollte und in der dritten Station einen Hund hinein schmuggelte, wissen wir nicht. In den Sommermonaten 1844 bis 1846 malte Führich die Kreuzwegbilder, unterstützt von seinem Schüler Adam Vogler. Der Kreuzwegzyklus besteht aus vierzehn 240 mal 185 Zentimeter großen Freskobildern.

Auch in unserer Region


Überraschenderweise finden wir den Hund auch in unserer Region in den Kreuzwegen kleiner Orte. Dabei kann es passieren, dass die zuständigen Pfarrer oder gar eifrige Kirchbesucher auf Nachfrage keine Kenntnis von dem Vierbeiner in ihrer Kirche haben. Noch problematischer wird es bei Antworten auf die Fragestellung: "Was macht eigentlich der Hund im Kreuzweg?" Der 2015 verstorbene Pfarrer Klaus Stock aus Friedenfels meinte: "Eigentlich ist es ganz einfach. Der Hund ist auch nur ein Mensch. Er kann nur nicht sprechen. Sein reiches Seelenleben zeigt sich jedoch nicht allein in seinen treuen Augen, im Bellen, Schniefen und Wimmern, sondern auch in der vielfältigen Körpersprache, die alles kennt - zwischen Drohgebärde und Unterwerfungsgeste."

Auskunft gibt auch der emeritierte Trierer Domkapitular Prälat Prof. Dr. Franz Ronig: "Seit dem Neolithikum ist der Hund Begleiter des Menschen in Europa, in Mesopotamien bereits schon ab 4000 v. Chr. Der Hund wittert, was Menschen nicht sehen. Im alten Ägypten ist das Tier Symbol des Sirius und bedeutet Leidensfähigkeit - daher kommt auch der Begriff Hundstage. In der Kunst ist der Hund häufig Begleiter von Gottheiten: Pan, Apollo als Symbol der Treue, Klugheit aber auch der Kriecherei (hündisch!). Der Hund gilt als Symbol für rückhaltlose Glaubensbereitschaft. So auf einem griechischen Grabstein aus dem 4. Jahr v. Chr. zu finden." Zum Hund in der Bibel sagt er: "Außer in Szenen der Verkündigung der Engel an die Hirten ist der Hund in der Ikonographie des Mittelalters seltener als andere Tiere. Selten ist die Darstellung des Propheten Tobias mit einem Hund oder dem Schutzheiligen für die Pest, St. Rochus".

Inspiriert von Tiepolo?


Vielleicht steckte Führich aber gar nicht so viel Theologie in den Hund seiner dritten Station. Aufgewachsen in Böhmen, erlebte er, dass es ein Land der Hunde ist. Nur höhere Schichten konnten sich früher einen Hund leisten und schmückten sich mit ihnen auch auf Gemälden. Die Vorliebe für die Vierbeiner geht im Nachbarland zurück ins 14. Jahrhundert, der Zeit Kaiser Karl IV.

Außerdem sind die Tiere prominent in der Literatur vertreten: Schon Schwejk war schließlich Hundehändler. Seinem Oberleutnant Lukasch verriet der brave Soldat: "Ich hab am liebsten Hunde, weil das für einen, der sie verkaufen kann, ein einträgliches Geschäft is". Wir können in der Tat bis in die Zeit von Karl IV. zurückgehen: Damals gab es bereits eine große Tradition der Jagd und auch der Zucht von Jagdhunden. Das sind eigentlich die Ursprünge. Eine dritte Option für die Abbildung eines Hundes wäre die Tatsache, dass der Maler Führich in Rom Studien betrieb und ihm vielleicht das Kreuzwegbild des berühmten Malers Tiepolo begegnete. Auch hier befindet sich ein Hund bei einer Station in der Jesus unter der Last des Kreuzes stürzt.

Zur Person: Josef Ritter von FührichJosef Ritter von Führich (geboren 9. Februar 1800 in Kratzau/ Böhmen; gestorben 13. März 1876 in Wien) zählt zu den bedeutendsten Kirchenmalern des 19. Jahrhunderts in Österreich. 1818 besucht er die Prager Akademie, anschließend 1820 Studium in Dresden. 1827 geht er auf Wunsch von Kanzler Metternich nach Rom und schließt sich der Nazarener Schule an. 1834 kehrt er nach Wien zurück und wird Professor an der Akademie.

Er schafft zahlreiche religiöse Zyklen, Holzschnitte und Radierungen. Sein Wiener Kreuzweg ist Vorbild für viele Kirchen in Mitteleuropa. Die internationale Verbreitung dieser Kreuzweg-Motive erklärt sich dadurch, dass von ihnen Kupferstiche angefertigt werden und unzählige Maler diese als Vorlage für von ihnen gefertigte Kreuzwegtafeln benutzen. Die Künstler dieser Kopien sind meist unbekannt.

Bereits 1847 wird dere Kreuzwegzyklus das erste Mal gedruckt und seither gilt der Führich-Kreuzweg als der meistkopierte. Die Qualität der Kopie lässt sich daran ablesen, ob der auf der dritten Station im Original vorhandene Hund in der Kopie vorkommt. Der Hund ist oft ein Hinweis auf die Datierung, denn ab einem gewissen kunsthistorischen Zeitpunkt verschwindet der als unwichtig angesehene Hund völlig aus der dritten Station.
Weitere Beiträge zu den Themen: Kirche (286)Hunde (148)Bibel (21)Kreuzweg (31)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.