Vorsichtige Reparatur für Faustpfand von Kaiser Karl IV. vor Landesausstellung
Handschuh geht auf Reisen

Textilrestauratorin Janna Knejfl (links) will den Handschuh von Karl IV., der lange Jahre in einer blauen Schatulle mit Glasdeckel gezeigt wurde, zur Landesausstellung vorsichtig restaurieren. Ursula Wiechert will das Prachtstück in einem neuen gläsernen Kästchen dann auch im Neustädter Museum präsentieren. Bilder: Schönberger (2)
Kultur
Neustadt an der Waldnaab
18.02.2016
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Sorgfältig packt Janna Knejfl den Handschuh für den Transport in mehrere Lagen Tücher und eine Plastikkiste ein.

Gut verpackt in säurefreiem Papier, einem schwarzen Stoff gegen Lichteinfall sowie einem Moltontuch zur Stabilisierung, machte sich der Handschuh von Kaiser Karl IV. in einer Plastikbox auf die Fahrt nach Prag. Dort soll dem edlen Teil Gutes widerfahren.

Textilrestauratorin Janna Knejfl holte das wertvolle Stück im Auftrag des Hauses der Bayerischen Geschichte im Neustädter Museum ab. Anfassen sollte man das Leder mit der blanken Hand nicht. "Man kann es sich wie trockenes, löchriges Fensterleder vorstellen", beschreibt Museumschefin Ursula Wichert den Schatz.

Die Restauratorin trug deshalb weiße Stoffhandschuhe, als sie den blauen Pappkarton mit dem Faustpfand des Kaisers verpackte. Mit dem Geschenk hatte Karl IV. 1354 den Neustädtern das Recht zur Nutzung des Waldes rechtswirksam verliehen.

Zeichen der Macht


"Herr Bürgermeister Johann Mähner übergibt Herrn Bgm Eißmann, die Schlüssel, Insiegel und Handschuch", heißt es in einem Ratsprotokoll von 1687. Diese bis ins 18. Jahrhundert beibehaltene Praxis belegt zum einen, dass der Handschuh der Stadt gehörte. Auch die Urkunde über die Waldstiftung belegt eine Schenkung an die Stadt. Dessen Nutzung aber stand und steht den Bürgern zu.

Außerdem war das Faustpfand von alters her Bestandteil der Herrschaftsinsignien von Bürgermeister und Magistrat. Er verlieh ihnen die nötige Autorität und war unabhängig vom jeweiligen Inhaber der Herrschaft. Seit dem 18 Jahrhundert wird der Handschuh bei den Amtsübergaben, die früher vierteljährlich erfolgte, nicht mehr mit weitergegeben. 1721 wandert er ins Archiv der Stadt.

Letztes Faustpfand


Obwohl es für Karl IV. typisch gewesen sein soll, dass er Handschuhe als Faustpfand hinterließ, ist kein anderer bekannt, der die Zeiten überdauert hat. Bevor das historische Leder in Prag als Teil der grenzüberschreitenden Landesausstellung zu sehen ist, bekommt es von Knejfl eine Auffrischungskur.

Die Restaurierung erfolge im Rahmen des Machbaren, dämpft Wiechert allzu große Hoffnungen oder zugleich Befürchtungen um die historische Substanz. Das Leder werde erhalten, Bei den Nähten wolle die Expertin eine vorsichtige Reparatur versuchen. Wiechert: "Das größte Problem ist, dass der Handschuh aufgeklebt ist." Knejfl wolle versuchen, ihn vom Untergrund zu lösen. Ziel sei es, den Handschuh künftig aufrecht in einem Glaskasten zu zeigen. Dazu wird er leicht ausgepolstert. Die Kosten übernimmt das Haus der Bayerischen Geschichte.

Wiechert bekräftigt das Versprechen der Ausbildungsmacher, den Handschuh während des Umzugs von Prag nach Nürnberg in Neustadt vorbeizubringen. Hier soll er ebenso wie nach der Sonderschau im Germanischen Nationalmuseum in neuer Pracht im Museum zu bewundern sein.

Leiterin Wiechert freut sich über die Aufmerksamkeit, die das Kleinod erfährt. "Es ist schön, wenn andere es auch sehen und man bei so einer großen Veranstaltung dabei ist." Bereits 1978 zum 600. Todestag von Karl IV. hatte die Kreisstadt ihr Faustpfand samt Urkunde als Leihgabe für eine Ausstellung auf der Kaiserburg in Nürnberg zur Verfügung gestellt.

LandesausstellungAnlässlich des 700. Geburtstags von Kaiser Karl IV. veranstalten Bayern und Tschechien eine gemeinsame Landesausstellung. In Prag ist sie vom 14. Mai bis 25. September in der Wallenstein-Reithalle zu sehen. Dann wandert die Schau nach Nürnberg ins Germanische Nationalmuseum, wo sie vom 20. Oktober bis 5. März zum Besuch einlädt.
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