Zum Jubiläum eine Serenade
„Sängerbund“ in Neustadt/WN besteht 110 Jahre

Mit einer Serenade in der Freizeitanlage feiert der Männergesangverein den 110. Geburtstag. Bild: prh

Wenn ein Gesangverein 110 Jahre alt wird, dann hat sich in seiner Geschichte viel ereignet. Generationen von Bässen und Tenören erfreuen mit ihrem Singen die Neustädter und sind Kulturträger der Stadt.

Am 29. September 1906 hoben zwölf Freunde des Gesangs den Arbeitergesangverein "Sängerbund" in der damaligen "Hackl-Gaststätte" am Felixbahnhof aus der Taufe. Gründungschorleiter war ein Altenstädter, nämlich der Lehrer Josef Pöll, Gründungsvorsitzender Xaver Werner. 1913 wurde eine Fahne geweiht, und 1928 wurde neben den Männerstimmen nach längeren Debatten zusätzlich ein gemischter Chor gegründet. Damals wurden für Operettenaufführungen auch Frauenstimmen benötigt. Zehn Damen zählten zu den Gründungsmitgliedern.

Das schwärzeste Kapitel folgte mit der Auflösung des Vereins am 12. April 1933 durch die Nationalsozialisten. Hans Bogner und Hans Färber stellten nach Kriegsende 1947 bei der amerikanischen Militärregierung den Antrag, die Vereinstätigkeit wieder aufnehmen zu können. Nach der Genehmigung erfolgte 1947 im Hotel "Kronprinz" die Wiedergründung. Junge begeisterte Sänger, aber auch fast alle Ehemaligen, die den Krieg überlebt hatten, schlossen sich an.

Noch 18 Aktive


"Junge begeisterte Sänger könnten wir auch heute dringend brauchen", wirft Vorsitzender Karl Frisch ein, der die Geschicke des Chors seit 1998 leitet. Derzeit singen 18 Aktive, die bei Auftritten durch 5 Sänger vom "Schloderlclub" verstärkt werden. "Wir werden leider immer älter. Es ist abzusehen, dass Sänger altersbedingt ausscheiden. Nachwuchs gibt es nicht. Was wird dann?", fragt sich Frisch.

Als Anekdote sei noch vermerkt, dass die beiden Sänger Josef Eichinger und Josef Kappert die Vereinsfahne nach Kriegsende retteten. Die Besatzungsmacht hatten sich die Fahne als Kriegstrophäe ausgesucht. Kurz vor Zugriff gelang es den beiden, die Fahne zu verstecken.

Auch in gesellschaftlicher Hinsicht macht der Chor immer wieder von sich reden durch perfekt organisierte Ausflüge in Deutschland und den Nachbarländern. Ein Garant dafür ist der Vorsitzende selbst, der die Fahrten bis ins Kleinste vorbereitet. Die Ausflüge zu Advents- und Weihnachtssingen sowie Opernbesuchen werden auch von Nichtmitgliedern gerne gebucht.

Große Konzerte mit teilweise 35 Sängern und befreundeten Chören, Auftritte in der gesamten Region und 9 Studioaufnahmen des Bayerischen Rundfunks von 1962 bis 1974 zeugen von der musikalischen Qualität des Ensembles. Unvergessen sind auch die Auftritte als "Lobkowitzer Hofsänger" im Neustädter Fasching.

Gäste eingeladen


Peter Brenner lenkt seit 1997 die Geschicke als achter Chorleiter. So groß feiern wie zum 100-Jährigen vor zehn Jahren wollen die Sänger nicht. Für die Jubiläumsserenade am Donnerstag, 4. August, um 19 Uhr in der Freizeitanlage haben sie sich wieder etwas Besonderes einfallen lassen. Weiter mitwirken werden der Männergesangverein Flossenbürg, die Turmbläser sowie die Musiker Alfons Kistenpfennig und Gerhard Reber. Durchs Programm führt Fred Fröhlich.
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