3500 Kilometer pro Hilfstransport

Mit einem Ehrenabend für 25 Jahre Hilfe bedankten sich die Einwohner von Jimbor bei Erna und Michael Hauer (Vierter und Fünfter von rechts), Herrmann Schmid (Zweiter von links) sowie Maria Schmid und Alexandra Ernstberger (nicht im Bild). Bild: prh

Seit 25 Jahren setzen sich Erna und Michael Hauer für die Rumänienhilfe der Katholischen Kirchenstiftung St. Georg ein. Sie sammeln nicht nur Spenden, sondern verteilen sie auch vor Ort. Die Gemeinde Jimbor (Sommerburg) würdigte ihr Engagement für die gute Sache mit einem Ehrenabend.

Heuer war es vor allem die Hitze, die dem Ehepaar Hauer, Herrmann und Maria Schmid, Alexandra Ernstberger und Hans Wolf auf ihrer Reise ins Karpatenland zu schaffen machte. "Die Strapazen der 48 Stunden dauernden Fahrt sind heute dank Klimaanlage im Auto erträglich", berichtete die 76-jährige Neustädterin. 3500 Kilometer mehr zeigt der Tacho jedes Mal nach ihrer Rückkehr in der Oberpfalz an.

Katastrophale Zustände

Erna Hauer erinnert sich noch gut an die erste Reise am 8. April 1990. In Rumänien sei alles anders als in ihrer Heimat gewesen. "Die Not der Menschen auf dem Land war groß. Die hygienischen Zustände in dem Kinderheim in Ocland und im Seniorenheim in Jimbor katastrophal. Behinderte galten als Menschen dritter Klasse und wurden auch so behandelt."

Man merkt der Neustädterin an, dass diese Eindrücke auch heute noch, nach so vielen Jahren, bei ihr Spuren hinterlassen haben. Vielleicht waren sie auch dafür verantwortlich, dass sie sich seitdem unermüdlich für die gute Sache einsetzt und nun schon über 30 Mal die beschwerliche Reise ins Karpatenland auf sich genommen hat.

Bereits drei Monate später fuhren Ehemann Michael, Sohn Thomas und der unersetzlich gewordene Dolmetscher Karl Nagy mit einem gemieteten 7,5-Tonner, voll mit Hilfsgütern, ins Kinderheim nach Ocland. Früher waren sie meist mit dem Privatauto und ohne Übernachtung nonstop unterwegs. Heute sitzen die beiden Organisatoren als Beifahrer im gemieteten Kleinbus und gönnen sich auch eine Zwischenübernachtung in Ungarn.

"Die ersten Jahre waren die schwierigsten", berichtet Erna Hauer. Damals hätten nicht nur die Reisestrapazen den Neustädtern zu schaffen gemacht. Auch mit der Willkür der rumänischen Behörden hatten sie zu kämpfen. "1992 wollten die Zöllner an der rumänischen Grenze die Einfuhr von Lebensmitteln verweigern. Erst nachdem wir jedem 50 Mark bezahlt hatten, ließen sie uns einreisen", erinnert sich Michael Hauer.

Not auf dem Land

In den vergangenen Jahren habe sich vieles zum Positiven verändert in Jimbor. "Doch die Menschen auf dem Land, vor allem die alten Menschen, leiden immer noch große Not. Der angebliche Segen der EU kam bisher nur in den Städten an", berichtet Hauer.

Belohnt für ihren Einsatz wird sie jedes Mal mit der Dankbarkeit der Menschen, denen sie hilft. Auch haben sich im Laufe der Jahre viele Freundschaften mit den Bewohnern von Jimbor entwickelt. Das ist der Neustädterin wichtig. Sie braucht vor Ort zuverlässige Helfer, die die Maßnahmen begleiten. Als Helfer nennt sie Karl Nagy und Josef Balint, die nicht nur als Dolmetscher fungieren. "Die Menschen spüren, dass die nicht vergessen sind." Das bedeutet ihr ebenfalls viel.

Geholfen wird seit 1990 mit Lebensmitteln, Kleidern, Geld, das vor Ort sinnvoll eingesetzt wird, medizinischen Geräten, einem Feuerwehrauto sowie dem Kauf des Hauses Neustadt oder des St. Georg-Hauses, in denen Senioren und behinderte Kinder leben.

Hochwasser 2005

Mit Schrecken erinnert sich Erna Hauer an die Hochwasserkatastrophe 2005, die die sowieso nicht auf Rosen gebetteten Menschen heimsuchte. Unterstützt wird das Ehepaar Hauer von vielen Neustädtern. Stellvertretend für alle Spender und Helfer seien Anni Jakob erwähnt, die bereits 14 Mal mit in Rumänien war, die Familie Schmid, Alexandra Ernstberger und Hans Wolf, die die Hauers die letzten Jahre begleiteten. "So lange wir noch gesund sind, werden wir weitermachen", erklären Erna und Michael Hauer übereinstimmend.
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