5300 Läufer erobern die Kreisstadt

Bild: Götz

Rekord! Die Berge und die heftigen Anstiege der 6,6 Kilometer langen Strecke halten die Teilnehmer nicht davon ab, am Mittwochabend beim Nofi-Lauf an den Start zu gehen. Knapp 5300 Läufer überqueren die Ziellinie. Es ist ein Volkslauf mit vielen Geschichten.

Eine handelt von Erich Forster (48) und Josef Most (52). Forster ist blind, Most sein Begleitläufer. Letzterer übernimmt eine gewaltige Aufgabe. Tausende Teilnehmer, Hindernisse, Kurven, Steigungen - da muss schon ein enormes Vertrauen zwischen den beiden herrschen. Die 6,6 Kilometer verlaufen unfallfrei. Im Ziel sind die zwei glücklich. Most sagt: "Wir sind am Start gut rausgekommen."

Für Forster, ein gebürtiger Neustädter, ist der Lauf ein "super Erlebnis". Wegen einer Erbkrankheit verschlechterte sich sein Sehvermögen im Alter von 35 Jahren massiv. Die Bilder von Neustadt trägt er aber noch heute im Kopf. Die vielen Menschen, die anfeuern, sorgen für eine Gänsehaut-Atmosphäre. Weil sich Forster aber auf seinen Partner und seine Ohren verlassen muss, ist die Akustik auch störend. Dennoch sausen die beiden nach 32 Minuten und 27 Sekunden ins Ziel. Eine sensationelle Zeit.

Dudelsack und Paula Print

Die zwei sind sogar schneller als Heike Drechsler (38:02). Die Olympiasiegerin heizt den Teilnehmern vor dem Start mit einem Warm-up-Programm ein. Nach den Lockerungsübungen und den letzten motivierenden Sprüchen reiht sich die ehemalige Spitzenathletin ziemlich weit vorne ein. Dass es die Strecke in sich hat, stellt die 50-Jährige recht schnell fest. Am Kulturhügel habe sie kurzzeitig das Gefühl gehabt, sterben zu müssen. Drechsler kämpft sich den Anstieg hinauf. Auch die letzten paar Meter haben es in sich - wieder ein Anstieg. Kein Wunder, dass Drechsler die Strecke als abwechslungsreich bezeichnet. Den Oberpfälzern attestiert die 50-Jährige eine "gute Fitness": "Wer hier zu Hause ist, hat den Berg in den Beinen."

Landrat Andreas Meier läuft zwar nicht selbst mit, ist vom Flair allerdings "wahnsinnig beeindruckt". Den Moment, als Tausende dem Start entgegenfiebern, hält er mit dem Smartphone fest. Auch Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß knipst einige Bilder.

Dass es trotz der anspruchsvollen Strecke und der immerhin 6,6 Kilometer knapp 5300 Läufer ins Ziel schaffen, liegt sicher auch an den fantastischen Menschen, die dafür sorgen, dass die Sportler durchhalten. Zeitungsente Paula Print und eine hübsche Helferin verteilen Traubenzucker und Bonbons. Auf der Strecke gibt ein Dudelsack-Spieler alles, was seine Lungenflügel hergeben. Auch einige hübsche Cheerleader sorgen für Motivation. Viele Männer strecken beim Anblick der süßen Mädels die Brust raus und ziehen nochmal kräftig an. Dass so viele die Ziellinie überqueren, ist angesichts der vielen Grillstationen auf der Strecke wohl umso höher einzuschätzen. Während sich der Bankangestellte und die Verkäuferin von Kilometer zu Kilometer quälen, bruzzeln Anwohner Würstchen und Steaks auf dem Rost.

Für alle, die dieser Verlockung widerstehen, gibt es die Belohnung nach 6,6 Kilometern. Für die ausgepumpten Läufer stehen Iso-Getränke, alkoholfreies Weißbier, Chili und Nudelsalat bereit. Jeder Teilnehmer erhält ein T-Shirt. Es dauert nicht lange, bis die Männer, Frauen und Kinder vor der Stadthalle ein wundervolles Fest feiern. Hot Jalapeños Percussion heizt vor der Siegerehrung nochmal richtig ein. Bis 23 Uhr rockt anschließend die Band Intermezzo auf der Bühne.

"Disziplinierte Teilnehmer"

Gegen Mitternacht fällt Organisator Martin Neuhaus von den Kliniken Nordoberpfalz AG "geschafft und voller Adrenalin" ins Bett. Am nächsten Tag zeigt er sich glücklich, dass alles gut geklappt hat. "Der Dank gilt den disziplinierten Teilnehmern. Sie haben ihre Leistungsfähigkeit gut eingeschätzt." Deshalb habe es auch keine übermäßigen Ausfälle gegeben (siehe Zahlen und Fakten). Über das Rote Kreuz, die Polizei und die Feuerwehr sagt er: "Sie haben alles derartig gelassen durchgezogen." Sein Kollege Norbert Tannhäuser ist vor allem froh, dass das Wetter mitgespielt hat. Er sei glücklich, dass die Teilnehmer den Rat befolgt hätten, es nicht zu verbissen und schnell anzugehen. Nach all der mühevollen Vorbereitung sei der Nofi-Lauf "in einem Wisch" vorbeigegangen.

Vergangenes Jahr gingen in Tirschenreuth laut den Organisatoren "Der neue Tag" und der Kliniken Nordoberpfalz AG rund 4500 Läufer an den Start. Vor drei Jahren in Neustadt seien es 2000 Menschen weniger gewesen als heuer. Der Reinerlös geht an den Förderverein für Schwerkranke, die Aktion "Lichtblicke", den Arbeitskreis Asyl und an den Bunten Kreis Nordoberpfalz. Eine Beilage mit allen Ergebnissen des Nofi-Laufs erscheint in der Samstagsausgabe.
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