Ärger über "Nachdreher"

Eine halbe Stunde dürfen Autofahrer auf dieser Seite des Stadtplatzes stehen bleiben. Geschäftsleute haben aber Probleme damit, dass manch einer viel länger bleibt und ständig die Parkuhr nachstellt. Bild: Hartl

Vor einem halben Jahr krempelte die Stadt die Parksituation am Stadtplatz komplett um. Sie setzte auf einer Seite die Parkdauer auf eine halbe Stunde fest und eröffnete die neue Tiefgarage. Damit sind nicht alle zufrieden.

Franz Sedlmayr, hatte sich im Frühjahr 2014 dafür stark gemacht, vor der Häuserzeile, wo er die Löwen-Apotheke betreibt, die Parkzeit von 60 Minuten auf eine Viertelstunde herunterzuschrauben. Zu jenem Zeitpunkt galt bereits im unteren Bereich des Stadtplatzes die Viertelstunden-Regelung.

Der Stadtrat rang sich dazu durch, die gesamte Seite bis runter zur Freyung für eine halbe Stunde freizugeben. Der Hauptgrund: Parkscheiben sind für 15 Minuten schlecht einzustellen. Zugleich legten die Stadträte allen Autofahrern die benachbarte Tiefgarage ans Herz, die seit Ende Juli zur Verfügung steht. Dort sind zwei Stunden Parken frei.

Sedlmayr kann nach den Erfahrungen der ersten sechs Monate ganz gut damit leben. "Ich merke schon, dass es auf den Parkplätzen zu einem häufigeren Umschlag kommt. Das ist positiv fürs Geschäft." Am Spätnachmittag, wenn Beschäftigte des Landratsamtes nach Hause fahren, entspanne sich die Situation noch einmal. Nicht zuletzt wegen der Tiefgarage.

Andere, die in Stadtplatz-Geschäften ihr Geld verdienen, sind dagegen weniger begeistert oder sogar so sauer, dass sie nur ohne Namen erwähnt werden wollen. Eine Frau schildert die Lage so: "Leute aus dem Landratsamt oder Verkäuferinnen, die um halb sieben in der Früh kommen, parken auf den Kundenplätzen und stellen alle halbe Stunde die Parkuhr nach. Eine einzige Misere, diese Nachdreher."

Eine andere hat beobachtet, dass gerade ältere Kunden meckern. "Viele sagen auch, dass sie gleich nach Altenstadt oder Weiden weiterfahren." Die Dame räumt indes ein, dass manche einfach verwöhnt seien. "Die finden, dass die Tiefgarage zu weit weg ist. Aber in Weiden müssen sie viel mehr laufen." Zudem komme es beim Ein- und Ausparken vor ihrem Laden häufig zu Unfällen beim Rangieren. Damit hätten vor allem Senioren Probleme. Das sieht auch Stadtplatzrebell Ludwig Fritsch so. Der Fahrradhändler berichtet, dass es beinahe wöchentlich zu kleineren Blechschäden komme. "Leicht übertrieben", sagt Helmut Franz von der Polizeiinspektion dazu. "Aber es stimmt schon, dass wir dort immer wieder Parkunfälle aufnehmen."

Für Fritsch eine Folge davon, dass er als Stadtrat und einige Anwohner sich nicht damit haben durchsetzen können, dort schräge Parkflächen anzulegen. Mit der 30-Minuten-Regel hat Fritsch dagegen seinen Frieden gemacht, auch wenn sich dadurch nichts wesentlich verändert habe. Besser wäre "Parkuhr statt Parkscheibe" gewesen. Aber auch dafür habe er im Stadtrat keine Mehrheit gefunden.

Schild hilft nicht

HNO-Arzt Dr. Stefan Böhm hört kaum Kritik von Patienten. Sie nähmen die Tiefgarage gut an und suchten sich für die Sprechstunde gleich andere Plätze als die Kurzparkzone. "Allerdings bekomme ich mit, dass viele nicht bemerken, dass sie eine Parkscheibe brauchen, weil sie das Schild in Höhe des Rathauses übersehen und weiter oben kein Hinweis mehr kommt."
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