Alena Hönigová bringt historischen Broadwood-Hammerflügel aus Prag mit
Beethovens ziemlich beste Freunde

Munter plaudernd verwies Alena Hönigová nicht nur auf die Besonderheiten ihres Instruments, sondern auch auf die Werkgeschichte von Beethovens "Eroica"-Variationen. Bild: apl
Sie waren ziemlich beste Freunde: Ludwig van Beethoven und Fürst Joseph Maximilian von Lobkowitz, Jan Ladislav Dussek und Prinz Louis Ferdinand von Preußen. Vor gut 200 Jahren feierten die vier im kleinen, prominent besetzten Freundeskreis die Vorpremiere von Beethovens "Eroica".

Einen "kleinen, aber feinen" Kreis von Musikfreunden begrüßte auch Bernhard Knauer am Samstagabend im Foyer des Alten Schlosses. In der ehemaligen Lobkowitz-Residenz entführte die Pianistin Alena Hönigová - mittlerweile eine "gute Freundin" der Kulturfreunde Lobkowitz - in die Zeit um 1800. Programmatisch mit Werken der Komponisten Beethoven und Dussek, klanglich mit ihrem historischen Broadwood-Hammerflügel, den die tschechische Künstlerin aus Prag mitgebracht hatte.

Das Instrument reagierte etwas verschnupft und verstimmt, umso fitter zeigte sich die Besitzerin. Die Geschichte der "Eroica"-Variationen ist eng verbunden mit Beethovens dritter Sinfonie Es-Dur, der sogenannten Eroica. Ob der böhmische Komponist Dussek tatsächlich bei einer dieser privaten Vorpremieren zugegen war, konnte die Interpretin nicht sicher beantworten. Interessant war ihr Schlaglicht auf das damalige Freundschaftsnetzwerk allemal.

Quicklebendig zeigte sich ihr musikalischer Vortrag. Energisch meisterte sie Beethovens Variationen, zuvor ein klangvolles Schumann-"Intermezzo", lustvoll virtuos am Ende ihr Zugriff auf Dusseks Sonate D-Dur, op.69/3. Ein mitreißendes Werk, reich an Themen, brillantem Laufwerk und rumorenden Bässen. Und wer die schillernde Vita des trinkfesten und in Amouren verstrickten Böhmen kennt, der weiß, dass es auch hierzu allerhand zu erzählen gäbe.
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