Altenpflege als erfüllender Beruf

"Überlegst Du noch oder pflegst Du schon? Imagewende Altenpflege" lautet das Motto der Runde mit Iris Engelbrecht-Scherl (von links), Tanja Marschner, Uli Grötsch, Profi-Paralympics-Leichtathlet Daniel Scheil, Moderator Theo Bergauer, Lena Heyelmann, Simon Wittmann und BRK-Kreisgeschäftsführer Franz Rath. Bild: sbü

Die Gesellschaft altert. Schön für den, der sich auch im hohen Alter noch selbst versorgen kann. Aber nicht allen gelingt dies. Deshalb braucht unsere Gesellschaft dringend mehr Altenpfleger. Aber woher nehmen?

(sbü) Eine groß angelegte Projektwoche wirbt um Nachwuchs für die Altenpflege. In der Auftaktveranstaltung trugen die Diskussionsteilnehmer Ideen zusammen.

Experten diskutieren

Alle waren sich einig, dass die Bevölkerung von der Altenpflege oftmals ein völlig falsches Bild habe. Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, Pflegeheimen und Altenpflegeschulen sowie Berater und Vermittler aus Arbeitsagentur und Jobcenter und andere Fachexperten waren in die Neustädter Stadthalle gekommen, um für den Altenpflegeberuf zu werben. Als Marktplatz waren Informationsstände aufgebaut.

"Es gibt wenig andere Berufe, die so sinnstiftend sind" sagte Iris Engelbrecht-Scherl, Leiterin der Neustädter BRK-Berufsfachschule für Altenpflege. Sie machte diese Feststellung nicht nur aus eigener Überzeugung, sondern zitierte aus einer Umfrage. Die besage, dass 95 Prozent aller Altenpflegerinnen und Altenpfleger ihren Beruf wieder wählen würden.

Fachkräfte gesucht

Um die würdevolle Pflege alter Menschen auch in Zukunft sicherzustellen, seien aber erheblich mehr Fachkräfte erforderlich, ergänzte die Schulleiterin. Wie dies besser gelinge, dazu hatte die versammelte Expertenrunde viele Vorschläge und Ideen.

Vor allem müsse das Image des Altenpflegeberufs verbessert werden. Für Lena Heyelmann von der Katholischen Stiftungsfachhochschule München ist die Akademisierung der Altenpflegeausbildung in Form eines dualen Studiums ein empfehlenswerter Weg.

Sie warb für die praktische Ausbildung als Fachkraft und ein paralleles Studium. 16 Hochschulen in Deutschland böten diesen Ausbildungsgang schon an. In Bayern gebe es 65 Ausbildungsplätze. "Akademisch gebildete Pfleger wirken imageverbessernd."

Die Expertin forderte aber auch strukturelle Verbesserungen in den Pflegeeinrichtungen. "Ausbildungsabbrecher begründen ihren Schritt vor allem mit den Strukturen in der Praxis."

Mehr als satt und sauber

Unterstützung fand dieses Argument in der Expertenrunde auch bei Tanja Marschner, vom örtlichen Caritas Alten- und Pflegeheim St. Martin. Der Mensch bestehe nicht nur aus sauber und satt. "Altenpflege ist ein riesiges Aufgabengebiet, das Betreuung, Freundschaften, Beratung, Logopädie und Medizin beinhalten muss."

"Wir brauchen mehr Geld im System", forderte Landrat a. D. Simon Wittmann als Vorsitzender des BRK- Kreisverbandes. Die meisten Argumente, um Vorurteile gegen Pflegeberufe in der Öffentlichkeit zu korrigieren, lieferten am Nachmittag die Schüler der BRK-Berufsfachschule Neustadt.

In einen Sketch hatten sie alle wichtigen Informationen gepackt, die der Öffentlichkeit und vor allem auch den Eltern von Schulabsolventen bekannter sein müssten. Dass eine examinierte Kraft ohne Zulagen brutto 2500 Euro verdiene, während eine Arzthelferin oftmals rund 1000 Euro weniger bekomme, formten sie in eine Frage um. "Suche ich mir einen reichen Mann oder gehe ich in die Altenpflege?"

Sie gaben humoristische Hinweise zu den vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten, den technischen Hilfen als Argument gegen zu hohe körperliche Belastung und zu den Vorteilen der Arbeitszeitgestaltung in der Pflege. Der Satz "Sie brauchen uns" sollte die erforderliche Steigerung des Selbstbewusstseins fördern.

Organisiert wurde die Diskussionsrunde ebenso wie die ganze Auftaktveranstaltung durch Altenpflege-Schulleiterin Iris Engelbrecht-Scherl. Mit im Boot war die Zukunftscoachin der Stadt Weiden, Roswitha Ruidisch.
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