Altenpflege? Nein, danke

Sieht leichter aus als es ist. Für die beiden Mädchen war der Rollstuhlparcours trotzdem kein Problem. Sie meisterten den Hütchenslalom mit Bravour. Bild: spz

Jedes Jahr stellen sich viele Schulabgänger die Frage "Was will ich werden?" Um sich ein Bild vom Beruf des Altenpflegers zu machen, schauten sich Mittel- und Realschüler einen ganzen Vormittag lang im Caritas-Seniorenheim um. Die Bilanz des Schnuppertags war jedoch ernüchternd.

Mit dem demografischen Wandel nimmt auch die Anzahl der Pflegebedürftigen zu. Bereits jetzt sind Fachkräfte rar. Um den Anforderungen der Gesellschaft auf Dauer gerecht zu werden und einem absoluten Pflegenotstand rechtzeitig vorzubeugen, werben derzeit Träger von Altenheimen, Altenpflegeschulen, Arbeitsagenturen und Jobcenter gemeinsam in "Projektwoche Altenpflege".

Im Rahmen der Berufsfindung schauten sich 19 Schüler der 9 g der Mittelschule mit Lehrerin Karin Fenzl sowie 14 Schüler der achten Jahrgangsstufe und 15 der zehnten Klasse mit der Konrektorin der Lobkowitz-Realschule, Irene Sebald, in der Einrichtung in der Johann-Dietl-Straße um. Mit verschiedenen Checkpoints gewährten Heimleiterin Stefanie Schricker, Pflegedienstleiterin Romana Podschun, Palliativfachkraft Anika Reiter, Wohnbereichsleiterinnen und Betreuungskräfte einen Einblick. "Pflege ist mehr als Essen reichen und Wickeln". Der Beruf sei in alle Richtungen interessant, sagte Podschun. In drei Gruppen aufgeteilt, und immer begleitet von Heim-Hund "Timmi", gingen die Jugendlichen zunächst euphorisch an die Arbeit. "Ist das ein komisches Gefühl", waren die ersten Aussprüche bei der Slalomfahrt mit dem Rollstuhl. Nächste Station war das Bad, wo Palliativfachkraft Reiter die neue, mit allen Schikanen ausgestattete Bade-Liege vorstellte. Die Erfahrung, wie sich das für einen alten, gebrechlichen, seh- und hörgeschädigten Menschen anfühlt, das sollten die Teenies dann am eigenen Leib ausprobieren. Durch die Simulations-Brille auf der Nase fast blind, stellte sich Max ganz vorsichtig als Versuchskaninchen zur Verfügung. Seine Empfindung: "Ist ein bisschen wacklig, aber man hat ein sicheres Gefühl."

Wie fühlt es sich an, alt und gebrechlich zu sein, mit unbeweglichen Gelenken, fast blind und schwerhörig und noch etlichen Kilos zuviel auf den Rippen? Zur Beantwortung dieser Frage schlüpften die Jugendlichen in den Alterssimulator. Mit einer derart enormen Einschränkung der Lebensqualität hatte jedoch keiner gerechnet. Mit dem 30 Kilogramm schweren gerontologischem Test-Anzug am Körper, den durch dicke Klett-Bandagen steifen Gliedmaßen, mit Starbrille und Kopfhörern ausgerüstet, waren Schritte und Armbewegungen ungemein anstrengend. Sich strecken und bücken war kaum möglich. "Voll krass", kommentierte Franz. Im Snoezelen-Raum und in der Bastelwerkstatt von Heimbeirat Rudi Schneck gab es dann Entspannung.

Am Ende des Schnuppertags stellte sich aber die Frage, ob die Probe-Pflege die Jugendlichen inspirieren konnte, eine Ausbildung als Altenpfleger zu machen. Die Antwort war ernüchternd. Von 15 Befragten war gerade ein einziges Mädchen bereit. Zwei weitere überlegen noch. Alle anderen jungen Damen und Herren votierten mit "Nein".
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