Ausbildung oder weiter Schule?

Bei der Podiumsdiskussion standen (von links) Oberstudiendirektor Helmut Matejka, Martina Stangl (Agentur für Arbeits), Theo Zeitler ( Witron) sowie die ehemaligen Schüler Jamie Roberts, Isabel Feiler und Stefanie Ziegler Rede und Antwort. Bild: bgm

"Die Wahl des richtigen Berufs zählt zu einer der wichtigsten Entscheidungen des Lebens - wie die Partnerwahl oder die Wahl des Fußballklubs", sagte Realschuldirektor Johannes Koller pointiert und treffend zugleich. Hilfen dafür bot der Berufsinformationsabend.

"Mit dem Realschulabschluss in der Tasche haben die jungen Leute grundsätzlich drei Möglichkeiten", erläuterte Beratungslehrer Markus Zenger. Sie könnten sich einen Ausbildungsplatz suchen und direkt ins Berufsleben einsteigen oder weiterhin die Schulbank drücken - entweder an der Fachoberschule oder am Gymnasium.

Berufswünsche diskutieren

"Insgesamt gibt es 400 Ausbildungsberufe, davon 130 in der Region. Wenn man 20 oder 30 davon kennt, ist das schon sehr gut", sagte Berufsberaterin Martina Stangl von der Bundesagentur für Arbeit. Sie ist jeden Mittwoch an der Lobkowitz-Realschule und berät Schüler sowie Eltern. Letztere könnten ihre Zöglinge bei der Berufswahl unterstützen, indem sie öfter mit ihnen über Berufswünsche diskutierten, die Kinder zu freiwilligen Praktika ermutigten oder auch Berufe vorschlügen. Keinesfalls dürften Eltern ihren Kindern einen Beruf aufzwingen.

"Das klingt jetzt vielleicht lapidar, aber bitte schauen Sie sich die Bewerbung an", appellierte Stangl an die Erzieher. Oft seien es nur Kleinigkeiten, die eine Bewerbung katastrophal machten. "Trösten Sie Ihre Kinder bei Absagen und machen Sie ihnen Mut", riet die Berufsberaterin. Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz stünden aktuell gut. Seit Oktober 2011 gibt es mehr offene Stellen als Bewerber. Im Ausbildungsjahr 2013/14 kamen auf 1791 offene Stellen nur 1576 Bewerber. Einziges Problem: Die offenen Stellen seien nicht immer die beliebtesten. Hoch im Kurs bei den Ausbildungsberufen steht Bürokaufmann/-frau. Unter den ersten zehn Ausbildungsberufen mit den meisten offenen Stellen suche man Bürokaufleute aber vergebens.

Fleiß und Pünktlichkeit

Rebecca Riebl aus der zehnten Jahrgangsstufe moderierte die Podiumsdiskussion. "Welche Eigenschaften werden von Bewerbern erwartet?", fragte sie Theo Zeitler, Personalleiter bei Witron. Neben klassischen Tugenden wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Fleiß seien Praktikumserfahrungen gefragt. "Der Trend geht momentan zu mehreren Praktika. Das ist sehr gut", betonte Zeitler.

Vorteilhaft sei es, wenn bei der Wahl der Praktika ein gewisser Weg erkennbar sei. Eine Stelle nur zu wählen, weil sie vor Ort und zu Fuß erreichbar sei, helfe wenig. Ein Praktikum sei zudem die beste Möglichkeit, einen guten Eindruck bei einem potenziellen Arbeitgeber zu hinterlassen. "Bei einem Vorstellungsgespräch hat man nur 15 Minuten Zeit", gab der Personalchef zu bedenken. Sei man da etwas aufgeregt, könne es leicht schief gehen.

Helmut Matejka, Schulleiter des Augustinus-Gymnasiums, ging auf die Übertrittsmöglichkeiten an ein Gymnasium ein. "Überflieger", die einen Schnitt von 1,5 oder besser aufweisen und eine zweite Fremdsprache beherrschen, könnten direkt in die elfte Regelklasse wechseln. Allen Realschulabsolventen mit einem Schnitt von mindestens 3,0 steht die 10. Regelklasse des Gymnasiums offen. Mit einem pädagogischen Gutachten in der Tasche ist der Besuch der Einführungsklasse möglich. Diese gibt es im Landkreis Neustadt und in Weiden (Augustinus Gymnasium). Sie entspricht der zehnten Jahrgangsstufe und beinhaltet Spanisch als zweite Fremdsprache.

Stefanie Ziegler, ehemalige Schülerin der Lobkowitz-Realschule, hatte nach ihrer mittleren Reife den Weg an die Fachoberschule gewählt und war damit überaus zufrieden. "Es war schon ein Sprung, aber auf jeden Fall machbar", meinte Ziegler.

Auch nach einer Ausbildung gäbe es noch viele Möglichkeiten zu studieren, erklärte Stangl. Die Berufsberaterin gab allerdings zu bedenken, dass der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten mit akademischem Abschluss in München 25 Prozent betrage, in Weiden hingegen nur 5 Prozent. "Wenn ich studiere, muss ich damit rechnen, dass ich vielleicht nicht in der Region arbeiten kann."
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