Beach Boys in Jerusalem

Ein Michael-Jackson-Song verlangt Bewegung. Musiklehrer Roland Assion legte sich dazu vor seiner Big Band zum Hit "Beat it" ins Zeug. Bild: bgm

Sich schnell in ein Luxushotel unter der kalifornischen Sonne einmieten, im verregneten London feiern und dann noch den "King of Pop" erleben - beim Sommerkonzert hob das Gymnasium Neustadt zu einer musikalischen Weltreise ab.

Rund 600 Zuhörer ließen sich von Pilot Felix Kellner und Stewardess Laura Lukas durchs Programm führen. Verheißungsvoll begann der über dreistündige Trip mit dem getragenen Walzer Nr. 2 von Schostakowitsch, den das Orchester unter Leitung von Musiklehrer Wolfgang Gleixner zum Besten gab. Im Laufe des Abends standen 190 Akteure auf der Bühne der Stadthalle, ein Drittel aller Schüler des musischen Gymnasiums.

"Die Bandbreite an dieser Schule ist einfach so groß", sagte Musiklehrer Andreas Kraus, der mit seiner Klezmerband für einige der Höhepunkte des Sommerkonzertes sorgte. Das bestätigte auch sein pensionierter Kollege Karl-Heinz Malzer: "Einfach eine Vielfalt, das hat wesentlich mehr Farbe, was man da machen kann."

Instrumentale Vielfalt

Als die Sänger des Unterstufenchors auf die Bühne kamen, wurde der Sommer sichtbar. Rund 50 Schüler in bunten Kleidern oder farbenfrohen Hemden schmetterten das melancholisch-hoffnungsvolle "When I close my eyes then I can see", um dann schwungvoll "I get around" von den Beach Boys anzustimmen.

"Im Moment steuern wir einen eher östlichen Kurs an, direkt nach Israel", leitete Pilot Kellner zum Auftritt der Klezmerband über. Wilder Percussionwirbel, die dudelsackähnlichen Töne einer mittelalterlichen Sackpfeife, durchsetzt von hohen Flötentönen, ließen ein drohendes Unwetter erkennen. Mit "Sturmnacht" von "Schandmaul" als Intro bereiteten die Klezmer-Musiker um Andreas Kraus eine laute, wilde Gemengelage vor, die sich in einer melodischen Gesangseinlage von Hannah Bräuer auflöste.

Das rhythmisch-eingängige "Was sollen wir trinken sieben Tage lang" der niederländischen Gruppe Bots erreichte durch den perfekt aufgebauten Kontrast zwischen "Sturmnacht" und der sanften Stimme Bräuers eine ganz eigene Dramatik.

Der Oberstufenchor samt einigen Achtklässlern - die Mädchen in feinen Abendkleidern, die Jungs in schwarzen Anzügen - interpretierte beim Zwischenstopp in England stimmgewaltig "It's raining men".

Ab nach Kalifornien

"Jetzt aber raus aus dem verregneten London und rein ins sonnige Kalifornien", gab Moderator Kellner die Flugrichtung an, und Stewardess Laura Lukas frohlockte: "Wir haben für Sie ein Luxushotel gebucht." Für "Hotel California" in der langgezogenen MTV-unplugged-Version spielten sich die Gitarristen ganz langsam ein, tasteten sich an die Akkorde heran. Ein Klappern, eher ein Knistern, es klang ein bisschen wie das Zirpen von Grillen, kam von einem Shaker-Egg. Percussions setzten ein, später kamen Conga und Bongo dazu und steigerten die Atmosphäre ins Geheimnisvolle, bis Hannah Bräuer mit ihrer klarer Stimme einsetzte: "On a dark desert highway, cool wind in my hair ..."

Kaum waren die letzten Töne verklungen, klatschten, johlten und pfiffen die Zuhörer vor Begeisterung. Das Saxofon-Ensemble um Markus König nahm die Zuhörer nach Südafrika, zum "House oft he rising sun", mit. Das Finale gehörte der Big Band. Beim Dirigieren von "Beat it" zeigte Musiklehrer Roland Assion sportliche Höchstleistungen. Und obwohl die Uhrzeiger schon auf 23 Uhr standen, klatschten 600 begeisterte Eltern und Freunde des Gymnasiums beim Schlussapplaus frenetisch im Takt.
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