Behinderte Kinder keine Außenseiter
Gemeinsame Schule

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, stellvertretender Landrat Albert Nickl, Schulrätin Christine Söllner, Kunigunde Schwägerl, Konrektorin des Sonderpädagogischen Förderzentrums Weiden, und Schulpsychologe Dieter Bauer (von links) stellen die Unabhängige Beratungsstelle für Inklusion vor. Bild: caf

Behinderte Kinder sollen nicht länger als Außenseiter behandelt werden, sondern gemeinsam mit anderen an Regelschulen unterrichtet werden. Inklusion lautet das Stichwort.

Um das erfolgreich in die Tat umzusetzen, haben die Stadt Weiden und der Landkreis Neustadt die Unabhängige Beratungsstelle für Inklusion ins Leben gerufen. "Das Ambiente der Schlosskapelle unterstreicht das Besondere unseres Termins heute", verkündete stellvertretender Landrat Albert Nickl bei der Vorstellung der Beratungsstelle im Landratsamt. "Oberste Prämisse bei unserer Arbeit ist, dass alle Kinder Teil unserer Gesellschaft sind - egal, ob sie besondere Förderung brauchen oder nicht."

Bayerischer Weg

Inklusive Schulsysteme sind seit der UN-Behindertenrechtskonvention weltweit anerkannt. 2011 trat in Bayern ein dazugehöriges Gesetz in Kraft. "Der bayerische Weg der Inklusion" wird dieses Konzept häufig genannt. "Im Freistaat gab es aber auch schon vorher Kooperationsklassen", erklärte Schulrätin Christine Söllner. Hier werden Schüler mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam unterrichtet. Schulen, die diese Unterrichtsform anbieten, können das "Profil Inklusion" erhalten.

In Weiden sind das die Hans-Sauer-Grundschule und die Max-Reger-Mittelschule sowie im Landkreis die Mittelschule Grafenwöhr. "Behinderte müssen als selbstverständlicher Teil des Ganzen angesehen werden", meint Söllner. Und dafür sei es notwendig, dass alle Zugang zu Regelschulen hätten.

Unterstützt werden Schüler mit besonderem Förderbedarf von sogenannten Schulbegleitern. Auch Barrierefreiheit ist ein wichtiger Aspekt. Alternativ gibt es Partnerklassen an unterschiedlichen Schulen, die regelmäßig an gemeinsamen Projekten teilnehmen. "Den Königsweg zu finden, ist nicht immer einfach", gab Oberbürgermeister Kurt Seggewiß zu. "Dafür benötigen wir fachkundiges Personal."

Hier greift die Beratungsstelle Inklusion an. Die vielen Möglichkeiten, die behinderte Kinder in Bayern hätten, seien für die Eltern Segen und Fluch zugleich, beschrieb Schulpsychologe Dieter Bauer die Situation. Und zwar deshalb, weil diese vor der Herausforderung stünden, die richtige Entscheidung zu treffen. In solchen Fällen könnten sich Eltern und Angehörige Rat bei der Beratungsstelle einholen. Auch Schulleiter nutzten dieses Angebot häufig. "Wir versuchen jedem Kind und seinen Bedürfnissen gerecht zu werden", versichert Bauer.

FOS/BOS Paradebeispiel

Als bemerkenswertes Beispiel in der Region nannte Seggewiß die neue FOS/BOS in Weiden. "Hierbei handelt es sich um die Inklusionsschule in Bayern", erzählte er. Anfragen von Schülern aus dem ganzen Bundesgebiet seien eingegangen. Aber auch der Wille der anderen Schulen sei durchaus spürbar, sagte Bauer.

Die Unabhängige Beratungsstelle hat ihre Tätigkeit bereits aufgenommen und steht ratsuchenden Eltern und Schulen zur Seite.
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