Bitte ein Bett

Ali aus Mazedonien (links) kommt einmal im Monat aus Moosbach zu Andreas Konopka ins Landratsamt. Dort bekommt er Lebensmittel- und Bekleidungsgutscheine für seine achtköpfige Familie. Bild: Huber

Hinter vielen Flüchtlingen liegt ein abenteuerliches und in vielen Fällen elendes Leben. Das verschafft Beamten abenteuerliche und manchmal elend lange Tage.

Die Zahl der Kollegen am Landratsamt, die Johanna Meier den Job neiden, dürfte zurzeit überschaubar sein. Die Leiterin des Sozialamts ist viele Vormittage unterwegs. Am Dienstag war sie in Eschenbach, Pressath und Störnstein. Überall schaut sie sich Wohnungen und Häuser an, die als Asylbewerberunterkünfte in Frage kommen könnten.

"Von fünf ist vielleicht eine geeignet", sagt die umtriebige Sachgebietsleiterin. Zu wenig, um die vielen Flüchtlinge aufzunehmen, die sich gestern noch in Tagesthemen-Berichten über Syrien oder Afghanistan auf den Weg machten und morgen als dringliche Akten auf Johanna Meiers Schreibtisch landen. Dort bekommen sie ein Quartier in einer Gemeinde zwischen Eschenbach und Eslarn zugewiesen. Davon hat Meier nach wie vor zu wenig. "Suchen, suchen, suchen", beschreibt sie daher ihre Arbeit. Mit dem Kreisbaumeister und anderen Fachleuten nimmt sie jede Woche neue Objekte unter die Lupe. Wie sieht es mit einer Kochstelle aus? Reicht der Brandschutz? Aufgaben, die Meier auch nach dem Abendessen nicht aus dem Kopf verschwinden. Obwohl landkreisweit immer wieder Bürger Immobilien anbieten - es reicht nicht.

Die Behördenleiterin muss immer montags um 10 Uhr zur Bezirksregierung nach Regensburg melden, wie viele freie Betten sie gefunden hat. "Früher war dann oft noch ein Tag dazwischen, aber heute werden noch am gleichen Tag die Asylbewerber zugewiesen", erzählt sie von ihrem Wochenanfang.

Bevor die Neuzugänge im Landkreis ankommen, sind Fragen zu klären. Wie viele sind es? Woher stammen sie? Wie viele müssen sich eine Küche teilen? Welchen Anspruch haben Einzelne und Familien auf Geld für Nahverkehr, Essen und Kleidung? Gibt es einen Betreuer vor Ort?

"Grundsätzlich versuchen wir die Leute lieber dort unterzubringen, wo sie zu Fuß zum Einkaufen gehen können", erklärt Meier. Außerdem können wir nicht Volksgruppen oder Nationalitäten zusammenbringen, die irgendwo miteinander Krieg führen."

Helfer gesucht

Stand 30. September waren dem Landkreis 306 Asylbewerber zugewiesen. Sie verteilen sich auf Leuchtenberg, Luhe, Moosbach, Neustadt/WN, Pressath, Waldthurn, Windischeschenbach, Floß, Weiherhammer, Pleystein und Eslarn. Dazu kommen zwei Gemeinschaftsunterkünfte in Waldau, wo rund 30 Menschen leben und Altenstadt mit etwa 20.

"Weiden tut sich da etwas leichter. Ich kann nicht 200 Leute auf einmal zentral irgendwo einquartieren", seufzt Meier. So eine Zahl an Fremden würde manches Dorf mit gerade mal 1800 Einwohnern irritieren. Bisher ist es dem Sozialamt gelungen, die Fremden so dezentral unterzubringen, dass viele Bürger ihre neuen Nachbarn tagelang gar nicht bemerkt haben. Zudem helfen den Beamten ehrenamtliche Betreuer aus den Gemeinden. Sie zeigen den Fremden, wo der Bus hält oder helfen beim Einkauf. "Stellen Sie sich vor, Sie sprechen kein Wort Deutsch. Wie wollen Sie im Geschäft unterscheiden, was ist Mehl, was ist Zucker?", erklärt Meier. Da ist es gut, wenn ein Einheimischer Rat weiß. Solche guten Geister hätte die Sozialamtschefin gern mehr für ihre Asylbewerber. Sie würde sich freuen, wenn sich unter Telefon 09602/79-2400 ehrenamtliche Helfer für Weiherhammer, Pleystein oder Eslarn melden würden.

Neben Johanna Meiers Bürotür wartet Ali, ein Mazedonier. Er hat eine Frau und sechs Kinder, lebt seit acht Monaten in Moosbach. Ob und wann sein Asylantrag durchgeht, ist völlig offen. "Ich hab politisch was gemacht", sagt er in sehr ordentlichem Deutsch, das er in der Schule gelernt hat. "Aber ich bin unschuldig, in Zirndorf liegen dafür die Unterlagen." Näheres verrät Ali nicht.

Drei Zahltage

Er will zu Meiers Kollegen Andreas Konpoka. Der übergibt den Asylbewerbern jeden Monat Gutscheine, die sie in Geschäften für Kleidung, Lebensmittel oder Bus- und Zugfahrkarten einlösen können. Jeweils drei Tage am Monatsende sind dafür am Landratsamt reserviert. "Ein vierter ist angedacht", sagt Konopka. Weil immer mehr Menschen aus jenen Krisengebieten kommen, die die Tagesschau allabendlich in die Wohnzimmer meldet. Etwa 35 Fälle betreut Konopka pro Auszahlungstag.

Wie viel die Ausländer bekommen, hängt von ihrem Familienstand ab und orientiert sich an Hartz-IV-Sätzen, aus denen Kosten wie Miete und Strom herausgerechnet sind. So sind es bei einer Einzelperson pro Monat 32,98 Euro für Kleidung ein Vierteljahr im Voraus, 139,35 im Monat für Nahrung und 156,87 Euro Taschengeld für Fahrten und ähnliches. Ein Elternpaar mit drei Kindern zwischen einem und sechs Jahren erhält 164,86 Euro für Kleidung, 543,96 Euro für Nahrung und 561,63 Euro Taschengeld.

"Damit kommen die Leute gut zurecht", versichert Konopka. Ist Ali damit zufrieden? "Ja." Und mit der Situation in Moosbach? "Dort ist es gut, in ganz Deutschland ist es gut", sagt der Mazedonier. Nach ihm ist ein Mann aus Aserbeidschan bei Konopka an der Reihe.
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