Bunte Kindheit ohne Internet

So kannte man sie bisher noch nicht: Die Raith-Schwestern Susi und Tanja (von links) und der Blaimer (rechts) überraschten in der Stadthalle mit einem abwechslungsreichen Programm und Weltmusik erster Sahne, fernab der von ihnen gewohnten Wirtshausmusik. Bild: prh

Völlig neue Wege, weg von der originellen bayerischen Wirtshausmusik gehen "D' Raith-Schwestern" und ihr unverzichtbarer Anhang, "da Blaimer", in ihrem neuen Programm "I mog's bunt". Das bezog sich nicht nur aufs Bühnenoutfit.

Von Beginn an hat Tanja Raith die Zuhörer voll im Griff. Bereits mit dem mystisch angehauchten "Heit Nacht" voller geheimnisvoller Andeutungen, Gelächter und lebenslustigen Jodlern gehört das Publikum "der Katz". Während der Stücke erzählt die stimmgewaltige Bayerwaldlerin Anekdoten aus der Kindheit der beiden Schwestern, die in einem Nest nahe Roding aufgewachsen sind.

Dabei kommuniziert sie ständig mit dem gemütlichen Motorradfahrer Rudi (61 Jahre), dem brav aussehenden Felix (22) und Stefan (31), den sich viele Mütter als Schwiegersohn wünschen könnten, in der ersten Reihe. Von den Herren erwartet sie ehrliche Antworten auf ihre ehrlichen Fragen, denn eines ist klar: Verbiegen lassen sich die Raith-Schwestern nicht. Manchmal übertreibt sie es fast ein wenig die "Schmaatzerei" mit dem Publikum, aber sie hat viel zu sagen.

Haarige Typen

Der Oberpfälzer Dialekt ist ebenso authentisch wie das Bekenntnis zur Jugendzeit in Roding. Tanja erzählt vom ersten gebrauchten Plattenschrankerl, dem Resi-Schmelz-Küberl, den vier Tage alten Semmeln mit ranzig gelber Butter, oder den wilden Jahren als Motorradbraut und richtigen Kerlen, denen die Haare an Stellen wuchsen, wo es keiner glaubt.

Aber die absolute Stärke der Akteure liegt auf der musikalischen Seite. Schon nach den ersten Tönen zeigen die Schwestern Tanja und Susi, wo stimmlich der Hammer hängt. Sie mixen die verschiedensten Stile nach Belieben, die Arrangements sind abwechslungsreich und mitreißend. Gefühlvolle Rockballaden ("Aloa is im Himmel ned schee") wechseln mit Reggae-, Swing- oder Latinnummern. Die gefühlvollen Stücke erinnern stellenweise ein wenig an die Stile der "Seer" oder an Hubert von Goisern, besonders wenn Tanja die "Ziach" in die Hand nimmt. Das berüchtigte Oberpfälzer "Wou" passt zum Reggae vom "Gsunden Menschenverstand" wie die Faust aufs Auge. Inhaltlich beschäftigen sich die Musiker mit Alterserscheinungen ("Mir juckt da Fuaß") oder dem beruflichen Stress ("Wo willst denn hi - mit deim oamselinga Lem"). Die Texte sind garniert mit einer großen Portion feiner Ironie. Das Publikum ist am Freitagabend in der vollen Stadthalle freudig überrascht.

Nach jedem Stück ernten die Akteure großen Applaus. Unterstützt werden die Raiths und der hervorragende Gitarrist Andi Blaimer erstmals vom Bassisten Marco Klement aus Roding und dem Weidener Schlagzeuger Matthias Baumann. Das gefühlvolle "Du und i" als Zugabe setzt den Schlusspunkt unter ein hinreißendes Programm.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.