Camesina-Quartett verbeugt sich mit enormer Spielfreude vor dem Neustädter Komponisten
Gleißner trifft Großmeister

Die Blumen hatten sich die vier Streicher des Camesina-Quartetts beim Schlussapplaus redlich verdient. Bild: hbl
Eine große Frage bewegte viele Musikfreunde bereits im Vorfeld des von den Kulturfreunden Lobkowitz initiierten Konzertes im Alten Schloss: Wie kann ein Streichquartett von Franz Gleißner neben Werken von Mozart und Haydn bestehen? Die Antwort sei vorweggenommen: sehr gut, sogar absolut hervorragend.

Großen Anteil am überzeugenden Auftritt des großen Neustädters vor rund 70 Zuhöreren hatte das Camesina-Quartett mit Johannes Gebauer und Katja Grüttner (Violine) sowie Irina Alexandrowa (Viola) und Martin Burghardt (Violoncello). Sie musizieren ohne moderne Technik auf historischen Originalinstrumenten.

Mit großem Forschungsaufwand versuchen sie, sich der historischen Aufführungspraxis anzunähern. So erzeugen die vier auf den darmsaitenbespannten Instrumenten einen ganz eigenen Klang. Darauf muss sich der Zuhörer erst einstellen. Das aber wird schon bald mit einer neuen Klangwelt belohnt, die hervorragend zum Ambiente passte.

Genau aufeinander abgestimmt und in perfekter Harmonie kamen so die wundervollen Themen und Figuren im Jagdquartett KV 458 von Mozart zur Geltung. Die interne Harmonie im Ensemble offenbarte sich in vielfachen Blickkontakten, während sich die Streicher musikalisch die Bälle zuspielten. Um beim Fußball zu bleiben: Es gab keinen Fehlpass, jede Chance wurde verwertet.

Besonders dem letzten Satz von Haydns Streichquartett Es-Dur kam die hohe Präzision des Zusammenspiels zugute. Das ist auch nötig, um den einkomponierten Witz dieses sogenannten Scherzquartetts überhaupt rüberzubringen. Spontan konnten viele Zuhörer ein Lachen nicht unterdrücken - ein gelungener Abschluss.

Und dann war da noch Franz Gleißner mit dem Streichquartett B-Dur op. 13. Karl-Heinz Malzer aus Altenstadt hat es zusammen mit zwei weiteren Quartetten gleicher Opus-Zahl aus der Vergessenheit geholt und auf Basis der alten Quellen erstellt.Ein größeres Kompliment hätte Johannes Gebauer Gleißner kaum machen können, als er die Zugabe ankündigte: "Wir spielen noch einmal das Adagio, weil es so schön ist." ES wäre schön, wenn auch die anderen Streichquartette Gleißners ihren Weg in die Konzertsäle fänden.
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