Der Haken mit den Ösen

Diese Hand gehört Sportlehrer Gernot Köcher. Sie zeigt, wie verrostet die Ösen im Hallenboden schon sind. Warum das so ist, kann jedoch niemand zweifelsfrei sagen.

Der Kreistag ist sich einig, das Gymnasium gründlich zu sanieren. Etwas umstritten ist dagegen, womit es losgehen soll. Die SPD unterstützt den Antrag der DJK-Basketballer, die Tribünen in der Dreifachturnhalle noch vor dem großen Umbau auszuwechseln. Das Landratsamt will dies prüfen. Doch zunächst müssen andere grünes Licht geben.

Der Fahrplan für das Neun-Millionen-Euro-Projekt sieht so aus: Noch in diesem Monat will der Kreis bei der Regierung der Oberpfalz die schulaufsichtliche Genehmigung beantragen. Erst wenn die erteilt ist, kann er sich um Fördergelder bemühen. Das würde er gern schon im Oktober machen. Wenn alles zügig läuft, könnte es im Frühjahr 2016 losgehen. In vier bis fünf Jahren soll das Gymnasium dann ein völlig neues Gesicht zeigen.

Doch bislang sieht man der Abiturientenschmiede ihre 40 Jahre schon an. Vor allem der Turnhalle, mit der nicht nur die DJK-Korbjäger nicht besonders glücklich sind. Gernot Köcher, Fachbetreuer für den Sportunterricht, hält sich mit Schuldzuweisungen zurück, glaubt aber an einen Konstruktionsfehler aus dem Jahr 1975. "Der Architekt hätte damals erkennen müssen, dass Steckbuchsen statt Versenk-Recks besser gewesen wären."

Daher ist seit Jahren am Gymnasium Geräteturnen am Reck oder am Barren unmöglich. Der Grund: Die Verankerungen für die Geräte sind rostig und feucht, die Sicherheit der Turner nicht gewährleistet. Weshalb ist umstritten. Köcher vermutet die Ursache im felsigem Untergrund, auf dem die Halle steht. Dort staue sich Wasser, das von unten zum Hallenboden aufsteige und sich in den Verankerungslöchern sammle. "Wenn dazu die feuchte Hallenluft von oben kommt, kondensiert das."

Zugeklebte Stolperfallen

Köchers Kollege Willi Merkl, der auch Abteilungsleiter bei den DJK-Basketballern ist, beschreibt ein weiteres Problem. "Wenn der Hallenboden geputzt wird, dringt Wasser durch die Ösen in den Deckeln der Verankerungen ein." Im Lauf der Zeit hätten sich die Deckel dann angehoben. Die kleben Merkl und seine Kollegen nun regelmäßig mit Klebeband zu, damit keine Stolperfallen entstehen. "Das ist so, seit der neue Hallenboden verlegt ist." Köcher sieht das genauso. "Die Firma, die das vor sieben Jahren gemacht hat, war kein Glücksgriff." Er gibt aber zu, dass sich damals auch die Sportlehrer dafür ausgesprochen hatten, diesem Betrieb den Auftrag zu geben. "Das hatte alles gut geklungen. Die haben den Boden hineingegossen und hinterher die Hülsen für die Geräte rausgeschnitten. Doch das ist jetzt die Schwachstelle." Denn diese Ränder würden beschädigt und dadurch zu Hindernissen.

Schulleiter Dr. Anton Hochberger gefällt es nicht, dass dieses Problem im Zuge der Sanierung ausgerechnet jetzt wieder hochkocht, da die Einschreibung für das neue Schuljahr läuft. Köcher versichert allerdings: "Ich kenne viele Hallen in Weiden, die in schlechterem Zustand sind." Das sieht auch der Sachaufwandsträger so: "Die kleinen Dellen im Bodenbelag haben keine Auswirkungen auf die Nutzbarkeit des Hallenbodens", heißt es aus dem Landratsamt.

Anders als für die Sportlehrer sind für die Behörde die Bodenhülsen nicht Ursache der Dellen. "Das steht bei Fachleuten nicht in der Diskussion." Allerdings weiß auch das Amt nicht, woran es sonst liegen könnte. Der Kreis hat bereits einen Rechtsstreit mit der Firma, die den Boden verlegt hat, hinter sich. Der habe kein Ergebnis gebracht und sei daher eingestellt worden. Die Kreisbehörde vermutet Schichtenwasser vom Hang, das in die undichten alten Hülsen läuft. Doch auch wenn hier unterschiedliche Ansichten herrschen, verlieren weder Merkl noch Köcher ein böses Wort über das Lobkowitzerschloss. "Wir haben vom Landratsamt stets bekommen, was wir beantragt haben."

Lobby unter dem Korb

Nun hätte Merkl als DJK-Vertreter gern neue Tribünen. Nur zwei von vier sind in der Dreifachturnhalle herausziehbar, die anderen klemmen. Zudem leidet der Hallenboden unter den Tribünen. Die sind zum Teil gut belegt, wenn die DJK in der Basketball-Bayernliga Heimspiele hat. Dass sie marode sind, wissen Kreisräte aus guter Quelle. Der Enkel von Marianne Rauh (CSU) ist selbst aktiver Spieler, und der Sohn von Annette Karl (SPD) hat viele Kumpels unter den Basketballern.

Allerdings stellen Lehrer und Landratsamt klar, dass diese Tribünen für den Schulsport nicht notwendig sind. Abgesehen davon, dass die Basketballer regelmäßig 150 Zuschauer anlocken, wären Tribünen aber für Konzerte oder andere Großveranstaltungen in der Dreifachhalle von Vorteil. Neue Sitzplätze würden rund 160.000 Euro kosten. "Derzeit werden die Finanzierungsmöglichkeiten geklärt", zeigt sich das Landratsamt aufgeschlossen. Es will auch den Wunsch prüfen, die Tribünen vor der Schulsanierung anzugehen. Klar sei aber auch, dass dies eigentlich erst am Ende geschehen müsste. Denn die Turnhalle gilt laut Bauamt als "voll funktionsfähig".
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