Die "Heimatregion" im Blick

Den Vortrag des deutschen Sparkassen-Präsidenten Georg Fahrenschon (links, erste Reihe) verfolgten zahlreiche Verwaltungsräte der Vereinigten Sparkasse Neustadt sowie Hunderte Kunden. Bild: Kreuzer

Zum 180. Geburtstag der Sparkasse gab Vorstandschef Josef Pflaum eine Gesangseinlage. Der Werbespruch "Wenn's um Geld geht, Sparkasse", erklang im geschmeidigen Bass. Auch ohne Tipps zur Geldvermehrung fiel der Vortrag von Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, kurzweilig aus. Er sieht sich nicht als "oberster Anlageberater".

Die Arbeit für die "Heimatregion", die Sparkasse als "Impulsgeber für die regionale Wirtschaft" und die strukturelle Verwurzelung beim Mittelstand zogen sich wie der berühmte rote Faden durch das Referat am Freitagabend in der Stadthalle. Zusammen mit den genossenschaftlichen Banken bringen es die Sparkassen in Deutschland auf einen Anteil von 95 Prozent bei der Handwerker-Finanzierung, rechnete Fahrenschon vor. Sie zahlen 2,8 Milliarden Euro Steuern im Jahr und spenden zudem 500 Millionen Euro für das Allgemeinwohl. "Die Sparkassen sind das Gegenteil von Geschäftsbanken", sagte der ehemalige bayerische Finanzminister, der um Vertrauen zu den Sparkassen warb. "Der Kapitalmarkt zeigt in der Krise nur die kalte Schulter."

Ein starker, exportorientierter Mittelstand brauche daheim eine stabile Bankenstruktur, um auf den Weltmärkten erfolgreich zu sein. Nach Überzeugung Fahrenschons "reicht die derzeitige Sparquote von 9,5 Prozent nicht aus: Wir brauchen 14 Prozent, um für das Alter anzusparen". Die Niedrigstzinsen seien hier das völlig falsche Signal, dass sich Sparen nämlich nicht mehr lohne. "Viele Menschen nehmen das Sparen nicht mehr ernst." Fahrenschon wertete das "viele, viele billige Geld" der EZB als Risiko. Die Unternehmen investierten nicht mehr; mit einer Quote von durchschnittlich 23 Prozent verfüge der Mittelstand über so viel Eigenkapital wie noch nie. "Wir müssen aufpassen, nicht von einer Investitionslücke in Deutschland in eine Innovationslücke zu kommen."

Fahrenschon kritisierte deutlich die enormen Kosten für die von der EZB diktierte "Regulatorik": "Dabei liegen die eigentlichen Risiken bei Hedgefonds und Investmentbanken, die kein Gesicht haben." Die Politik müsse mal Pause machen und bei der Banken-Regulierung differenzieren. Gleichwohl erkannte der Finanzminister a. D. hier durchaus positive Ansätze. "Insgesamt sind die Sparkassen mit ihrer regionalen Ausprägung der volkswirtschaftliche Stabilisator in Deutschland."
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