"Die Leute sind am Boden"

Wenn die Dorfhelfer kommen, herrscht Not (von links): Referent Klaus Hirn, Kreisbäuerin Christa Kick, Geschäftsführer Hans Winter, Vorsitzender Alois Weig sowie Einsatzleiter Wolfgang Härtl und Eva Selig. Bild: blu

Ein Bauer verstaucht sich das Bein, die Kühe wollen aber gemolken werden. Eine Mutter bekommt Zwillinge und hat kaum Zeit mehr für ihr drittes Kind, das mitten in der Pubertät steckt. In solchen Fällen schwärmen die Dorf- und Betriebshelfer aus.

Sie unterstützen Familien in der Stadt und auf dem Land, wenn durch Schwangerschaft, Unfälle, aber auch Todesfälle nichts mehr geht. 49 Betrieben und Familien wurde so 2014 geholfen, resümiert die Jahresversammlung für die Ausschussmitglieder Katholischen Dorfhelferinnen und Betriebshelferstation (KDBH). 4000 Stunden arbeiteten sie bei den hilfsbedürftigen Privatpersonen.

Nur noch eine Kraft

Generell kommen Krankenkassen für die Leistungen auf, doch mit fast 20 000 Euro für nicht förderbare Einsätze musste der Ländliche Dienst einspringen. Und sich noch dazu mit komplizierten Abrechnungssätzen der Krankenkassen herumschlagen. Aber der Geschäftsführer im Neustädter Maschinenring und Einsatzleiter Wolfgang Härtl ist bei der Versammlung in Neustadt zufrieden mit dem Stand der Dinge. "Die ganze Institution besteht, weil wir helfen wollen." Ein Problem sei aber, dass im laufenden Jahr nur noch eine festangestellte Dorfhelferin für die gesamte Nordoberpfalz zur Verfügung stehen wird. Doch auch hier ist Härtl positiv gestimmt. Je bekannter die Maßnahme werde, desto mehr Förderung werde es geben, um weiterhin flächendeckend zu arbeiten. "Dorf- und Betriebshelfer stehen nicht nur für landwirtschaftliche Betriebe zur Verfügung, sondern auch für hilfsbedürftige Familien in der Stadt.

Das muss bekannter werden", betont der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, Hans Winter. Er und Vorsitzender Alois Weig sehen einen hohen Bedarf. Deshalb sind sie "heilfroh", dass sie nun endlich Unterstützung von der Diözese Regensburg bekommen. Der KDBH kann nun auf das Beratungsangebot für bäuerliche Familien zugreifen. Das sei dringend nötig, denn wenn Dorfhelfer gebraucht werden, sind die Familien oft in schwierigen Notlagen. "Die Leute sind am Boden", erzählt Winter.

Beratung am Telefon

Klaus Hirn, der Geschäftsführer der Katholischen Landvolk-Bewegung, hielt hierzu einen Vortrag und bestätigte die Erfahrungen. "Kaum ein Berufsstand hat sich so sehr verändert wie der des Landwirts. Obwohl Multifunktionalität - Stichwort mehrere Standbeine, Naturschutz, Kultur - von ihm eingefordert wird, wird er oft mehr und mehr an den Rand gedrängt und infrage gestellt."

Bäuerliche Familien seien mit vielen Problemen konfrontiert wie betriebswirtschaftlichen Schwierigkeiten, Sorgen innerhalb der Familie oder Alkohol- und Medikamentenmissbrauch. Eine telefonische Beratung und auch eine Hilfsperson vor Ort sollen sich dieser Ängste nun annehmen. Auch hofft der Verband, wieder Ehrenamtliche zu finden, die Dorfhelfer begleiten. "Denn es braucht mehr Leute, die den Familien nicht nur zur Hand gehen, sondern sich auch mit ihnen zusammensetzen und zuhören", sagt Winter.
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