"Diffuses Grummeln"

Annette Karl: "Ich halte es da mit Ludwig Stiegler, der gesagt hat: Stützen oder stürzen."

Annette Karl ist die Stimmenkönigin der SPD. Die Neustädter Landtagsabgeordnete holte mit 86,3 Prozent erneut das beste Ergebnis der vier stellvertretenden Landesvorsitzenden. Für die 55-Jährige aber kein Grund, nach höheren Weihen zu rufen.

Der SPD-Landesparteitag vom Samstag in Hirschaid hallt nach. Die Schlappe für den Vorsitzenden Florian Pronold (42), der nur 63.3 Prozent der Stimmen erhielt, macht die Situation für die Genossen im Freistaat nicht leichter. Den Erfolg des Herausforderers Walter Adam (71), der aus dem Stand 31,7 Prozent holte, versucht Annette Karl am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung zu erklären.

Wie sehr hat Sie das Ergebnis für Walter Adam überrascht?

Karl: Es gab ein diffuses Grummeln in letzter Zeit, da war so etwas zu erwarten. Ich war nicht überrascht.

Aber es lag ja kaum allein am Gegenkandidaten Adam ...

Karl: Nein. Das ist ein ehrenwerter Mann, keine Frage. Aber er wollte das Amt des Landesvorsitzenden ja gar nicht. Ich halte es da mit Ludwig Stiegler, der gesagt hat: Stützen oder stürzen. Das ist eine vernünftige Maxime. Aber die Delegierten brauchten offenbar ein Ventil.

Kannten Sie Walter Adam vorher?

Karl: Nur als Sänger. Aber er hat natürlich ausgesprochen, was viele denken.

Nämlich seinen Ärger darüber, dass Florian Pronold eine Koalition mit der CSU nicht völlig ausgeschlossen hat.

Karl: Sagen wir mal so: Er hat sich das Thema aufdrücken lassen. Das kommt zur Unzeit und lenkt nur von unseren Aufgaben ab.

Also trifft Pronold keine Schuld am schwierigen Zustand der bayerischen SPD?

Karl: Er hat das Amt vor sechs Jahren übernommen, als keiner es wollte. Er ist ein fleißiger und standhafter Politiker. Florian Pronold steht für den Spagat zwischen Berlin und München. Der Preis der Großen Koalition ist hoch.

Was können Sie dafür tun, dass die Stimmung in der SPD wieder besser wird?

Karl: Ich werde dem Landesvorstand vorschlagen, wieder Regionalkonferenzen zu veranstalten. Wir müssen der Basis eine Aussprache anbieten. Wir haben vielleicht zu wenig geredet untereinander.

Nach ihren Top-Ergebnissen bei den letzten beiden Landesparteitagen könnten Sie auch Ansprüche auf eine Spitzenkandidatur anmelden.

Karl: Es ist bestimmt nicht der richtige Zeitpunkt für eine solche Diskussion.
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