Ehrentitel: Simon Wittmann jetzt Altlandrat
"Schiff Landkreis" sicher gesteuert

Andreas Meier (rechts) verlieh seinem Vorgänger Simon Wittmann die Ernennungsurkunde zum Altlandrat. Der Chef im Lobkowitzerschloss würdigte die großen Verdienste des Tännesbergers in seiner 18-jährigen Amtszeit. Er sei für den Landkreis ein Glücksfall gewesen. Die Lobkowitzer Schlossmusik umrahmte die Feierstunde festlich. Bild: Steinbacher

Ein dreiviertel Jahr nach dem Ausscheiden aus dem Amt ist Simon Wittmann jetzt Altlandrat. Auf einstimmigem Beschluss des Kreistages verlieh Nachfolger Andreas Meier am Dienstag dem 67-jährigen Tännesberger den Ehrentitel, der das Lebenswerk würdigen soll.

Für die Bürger kompetent und hilfsbereit sein; gesetzliche Entscheidungsspielräume nutzen; sinnvoll und nachhaltig wirtschaften; unkomplizierte Wege gehen; alles tun, um von den Bürgern verstanden zu werden; Ja sagen zu Lobkowitz und Internet, zu Tradition und Fortschritt - diese Prämissen aus dem offiziellen Leitbild "Ein Landkreis ist auf Draht" seien das Fundament, auf dem Simon Wittmann nicht nur sein eigenes Handeln als Chef des Landkreises ausgerichtet hatte, sagte Andreas Meier in der Stadthalle vor 110 geladenen Gästen.

"Es waren vielmehr die Leitsätze und Arbeitsgrundlagen einer ganzen Verwaltung im täglichen Spannungsfeld zwischen Bürgeranliegen und Gesetzestexten, zwischen Verwaltungsalltag und kreativem Verwaltungshandeln, zwischen Bürokratie und Bürgerfreundlichkeit".

Moderner Dienstleister

18 Jahre lang habe der Tännesberger das "Schiff Landkreis" mit sicherer Hand am Steuerrad, immer hart am "frischen Wind", für den er nebenbei auch noch selbst gesorgt habe, zielsicher und geradlinig auf Kurs gehalten. Besonders den schonenden und effizienten Umgang mit Natur und Umwelt und mit den natürlichen Ressourcen habe sich Wittmann von Anfang an auf die Fahnen geschrieben. "Umweltschutz wurde zur Führungsaufgabe." Er habe das Landratsamt zu einer modernen Dienstleistungsbehörde gemacht.

Verantwortung auch gegenüber den Mitmenschen und ganz besonders gegenüber den nächsten Generationen, nicht schon heute das verbrauchen, was morgen erst erwirtschaftet werden müsse, dieses Ziel bezog der Laudator beispielhaft auf viele von Wittmanns Tätigkeitsbereiche. So stehe Neustadt finanziell gut da. Von dem niedrigen Schuldenstand und der Kreisumlage könnten andere nur träumen.

Dem Jubilar sei es immer wichtig gewesen, den Nachfolgern noch die nötigen finanziellen Mittel weiterzugeben, damit auch die nächste Generation von Kreispolitikern die Chance habe, ihre eigenen Ziele und Ideen zu verwirklichen, in die Gegenwart und ganz besonders in die Zukunft zu investieren und nicht nur die Lasten von gestern abzutragen.

High-Tech und Zoigl

"Dort leben und arbeiten, wo andere Urlaub machen" - mit diesem Slogan hast du eine Werbeoffensive für deinen Landkreis ins Leben gerufen, die den Menschen vor allem die Schönheiten und die Besonderheiten unserer Region näherbringen wollte", würdigte Meier. "Wir sind der Teil der Oberpfalz, wo das sprichwörtliche "Vulkanfeuer" unserer erdgeschichtlichen Entstehungszeit auch heute noch lodert und brennt, sei es in den High-Tech-Schmelzwannen von Pilkington in Weiherhammer, sei es unter den holzbefeuerten Sudkesseln unserer traditionellen Kommunbrauhäuser oder sei es im Vulkanmuseum in Parkstein."

Meier erinnerte an Global-Player wie Witron und BHS, an gemütliche Gasthäuser, in die man nach einer Wanderung durchs Waldnaabtaal oder einer ausgedehnten Radtour auf dem Bocklweg gerne einkehre, an eine Region von Naturpark und Direktvermarktung, von Geologie und Kultur, Musik und Kunst, von Ehrenamt und schlichtweg voller kreativer Energie und Lebensqualität.

Ein großes Anliegen seien stets die guten und freundschaftlichen Kontakte zu den europäischen Nachbarn gewesen. Meier erwähnte die Weiterentwicklung des bayerisch-böhmischen Grenzraums und die deutsch-französische Freundschaft. Ohne Wittmann würde es den Partnerschaftsvertrag zwischen dem Centre Regional Resistance et Liberte in Thouars und dem Förderverein für die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg nicht geben.

Wolfgang Dandorfer, selbst Alt-OB, riet Wittmann, mit dem Titel so umzugehen, wie er gemeint sei. Er beschreibe keine Person, die senil oder besserwisserisch sei, sondern jemanden, der weise und sehr ausgeglichen sei und viel Erfahrung habe. Seinen alten Freund bezeichnete er als "intelligentesten Koalitionsschmied". Schon in JU-Zeiten habe es keinen Landesvorsitzenden gegeben, der nicht auf die Stimmen der Oberpfalz angewiesen gewesen sei.

Mensch im Mittelpunkt

Wittmann gestand in Anwesenheit vieler Weggefährten, dass ihm der Titel Altlandrat schon etwas Probleme bereitet habe. Aber das Beispiel Old Shatterhand zeige, dass dieses "alt" schon für etwas Ehrfürchtiges, Besonderes stehe. Er dankte für die Auszeichnung, vor allem das einstimmige Votum im Kreistag habe ihn gefreut.

Antoine de Saint-Exupérys "Kleiner Prinz" sei so etwas wie die Richtschnur seines Handelns gewesen: "Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast." Im Mittelpunkt seiner Arbeit sei stets der Mensch gestanden. Gesetze müssten den Leuten dienen, sagte der Pensionist.
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