Einheitsbrei schmeckt nicht

Über die Auswirkungen des neuen Pflegeberufegesetzes diskutierten Altenpflegeschüler des zweiten Ausbildungsjahres unter anderem mit Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht (Achter von links) und Schulleiterin Iris Engelbrecht-Schärl (hinten, rechts). Bild: spz

Es ist eine Binsenweisheit: Je länger wir leben, desto pflegebedürftiger werden wir. Um den erhöhten Bedarf an qualifizierten Pflegern zu decken, soll die Berufsausbildung reformiert werden. Darüber diskutierten 29 Altenpflegeschüler mit Gästen aus Politik und Verwaltung.

Noch in diesem Jahr soll das neue Pflegeberufegesetz das bisherige Alten- und Krankenpflegegesetz ablösen. Künftig sollen Kranken-, Kinderkranken- und Altenpfleger eine gemeinsame dreijährige Ausbildung durchlaufen. Bei einem zweistündigen Meinungsaustausch teilten Schulleiterin Iris Engelbrecht-Schärl und ihre Schüler Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht und dem Sozialdezernenten der Stadt Weiden, Hermann Hubmann, ihre Ängste und Hoffnungen mit.

Sie befürchten durch die einheitliche Ausbildung eine Abwertung des Altenpflegeberufes. Und das, obwohl in der Gesellschaft die Wertschätzung des Altenpflegers gegenüber der Kranken- und Kinderkrankenpflege sowieso schon niedrigerer angesehen werde. Der Ausspruch "Das bisschen Pflegen und Hintern abputzen, kann ich doch auch" sei immer noch weit verbreitet.

Die Schüler sind skeptisch, dass der Bestandsschutz des Altenpflegers nicht mehr gewährleistet sein könnte. Rupprecht meinte allerdings, dass die einheitliche Ausbildung der drei Berufsgruppen auch Vorteile mit sich bringe und eher eine Aufwertung des Altenpflegers sei. Zudem stehe jedem noch die Möglichkeit offen, in die Bereiche Kranken- oder Kinderkrankenpflege zu wechseln.

Mehr Vollzeitstellen

Fakt sei aber auch, dass nach der generalistisch ausgerichteten noch zusätzlich eine fachgebundene Ausbildung folgen müsse. Die Diskussionsteilnehmer beharrten jedoch vehement auf ihrem Standpunkt, dass die Altenpflege auch weiterhin eine eigenständige Fachausbildung bleiben müsse und untermauerten dies mit dem Vergleich der Berufsgruppen Bäcker und Konditor.

Eine gewichtige Rolle spiele in der Altenpflege auch, dass im Vergleich zur kurzzeitigen Pflege im Krankenhaus eine emotionale Bindung zwischen Altenpfleger und Heimbewohnern aufgebaut werde. Und immer wieder sei zu wenig Zeit. Rupprecht war überrascht, dass die Auszubildenden nicht die oft angeprangerte schlechte Bezahlung ansprachen. Dies offenbarte sich jedoch im Wunsch, die vielen Teilzeit- und Geringfügig-Beschäftigten-Stellen in mehr Vollzeitstellen umzuwandeln.
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