Entgegen der Klischees

Veronika Reith (rechts) ist gerade dabei, ein Schemel zu bauen. Den Beruf Schreinerin findet die 16-Jährige interessant und vielfältig. Bilder: Schönberger (2)

Wer mit den Schülern aus der Region spricht, merkt recht schnell, dass die meisten keine starren Rollenverständnisse haben. Sie sind flexibel und offen gegenüber atypischen Berufen. Dazu trägt auch der Girls'-und-Boys'-Day bei.

Am Donnerstag beteiligten sich in der Region zig Firmen und Einrichtungen an der Aktion. Das Ziel ist klar: Die als charakteristisch geltenden Männer- oder Frauenjobs sollen dem jeweils anderem Geschlecht nähergebracht werden. Mädchen versuchten sich beispielsweise bei Volante Verkleidungssysteme in Windischeschenbach einen Vormittag als Schreinerin. Veronika Reith (16), die das Stiftland-Gymnasium besucht, urteilt: "Der Beruf ist sehr vielfältig."

Mehr Frauen in Technikjobs

Der Girls' Day hat nicht selten einen nachhaltigen Effekt. Laut der Agentur für Arbeit Weiden geben viele Unternehmen an, dass sich nach dem Aktionstag Teilnehmerinnen um ein Praktikum oder eine Ausbildung beworben haben. Dass immer mehr Frauen den Weg in technische Berufe finden, belegen die Zahlen. Der Anteil der Mechatronikerinnen und Automatisierungstechnikerinnen 2013 gegenüber dem Vorjahr ist um fast zwölf Prozent gestiegen. Auch die Anzahl der Studentinnen wächst. Der Zuwachs zwischen den Wintersemestern 2008/2009 und 2013/2014 beträgt gut 28 Prozent. Die Frauen entscheiden sich dabei immer häufer für die sogenannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Der Anteil der Studentinnen in den Fächern Ingenieurswissenschaften, Maschinenbau/Verfahrenstechnik, Bauingenieurwesen und Elektrotechnik liegt laut Agentur aktuell bei 23 Prozent.

Im Rollstuhl durch Schule

Bei den Jungs ist kein so deutlicher Trend auszumachen. Mehr als die Hälfte der männlichen Auszubildenden entscheidet sich für einen von 20 jungentypischen Ausbildungsberufen - kein einziger aus dem sozialen, erzieherischen oder pflegerischen Bereich ist darunter.

Werbung für den sozialen Bereich betrieb am Donnerstag das Staatliche Berufsschulzentrum in Neustadt. 46 Jungs beteiligten sich an den Workshops. Sie sausten im Rollstuhl durch den Gang und umkurvten Pylonen oder versuchten mit Arbeitshandschuhen Kärtchen umzudrehen. Das Verständnis für behinderte oder ältere Menschen sollte dadurch geschärft werden. Meriton Berbatovci (13) von der Mittelschule Altenstadt gefiel's. Er könne sich nach diesem Tag vorstellen, in einem sozialen Beruf zu arbeiten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mittelschule (11034)April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.