Erfrischende Zahlen

So sieht der Grund aus, warum es vor allem fränkische Wochenendausflügler in die Region zieht. Archivbild: Popp

Der Zoigl bleibt der beliebteste Treibstoff für gute Urlauberzahlen. Windischeschenbach ist mit 10 062 Übernachtungen zwischen Januar und Mai Spitzenreiter im Landkreis. Im Vorjahreszeitraum waren sogar noch einige Gäste mehr da.

Die Zahlen beziehen sich auf die gewerblichen Übernachtungsbetriebe. Das sind Hotels und Pensionen mit mehr als zehn Betten. "In Windischeschenbach wären es mit Sicherheit noch ein paar Leute mehr gewesen, wenn der Gasthof ,Zum Waldnaabtal' nicht wegen Sanierung eine Zeitlang geschlossen gewesen wäre", sagt Reinhold Zapf, der Cheftouristiker des Landkreises.

Dennoch liegt die Stadt in den ersten fünf Monaten des Jahres von allen 38 Kommunen an der Spitze. Dahinter folgen Tännesberg mit 9908 Übernachtungen (plus 25 Prozent), Georgenberg (plus 3,2 Prozent) und Vohenstrauß. Danach kommen die Städte Grafenwöhr und Eschenbach mit je rund 6000 Übernachtungen. Einen Gutteil davon stellen amerikanische Gäste.

Insgesamt verzeichnet der Landkreis mit 83 106 Übernachtungen einen Zuwachs von 11,5 Prozent. Noch besser sieht es bei den Gästeankünften aus, also der reinen Anzahl der Menschen, die zwischen Eslarn und Kirchenthumbach eine Übernachtung buchen. Das waren zuletzt 64 198 Personen - 15,7 Prozent mehr als zwischen Januar und Mai 2014.

"Das Wetter spielt uns zurzeit in die Karten, auch die Pfingstferien fielen dieses Jahr gut", ist Zapf recht optimistisch, in den kommenden Monaten weitere Tagestouristen und Wochenendurlauber in die Region zu locken.

Dabei sind vor allem Franken aus dem Umkreis von 100 Kilometern im Visier. Die springen gut auf Werbeaktionen des Tourismusverbands Oberpfälzer Wald an. "Dabei hilft uns die Metropolregion Nürnberg sehr", sagt Zapf. Aktionen bei Festen wie "Erlanger Frühling" oder dem "Baiersdorfer Krenmarkt" schlagen sich vor allem in Zoiglverkostern nieder. Weiter weg wird es schwierig. Schon den Raum Ansbach zieht es nicht mehr so sehr in die Nordoberpfalz.

Renovieren lohnt sich

Was sich sofort bemerkbar macht, sind ordentliche Unterkünfte. Moosbach legte in diesem Jahr um 31,3 Prozent auf 3342 Übernachtungen in Hotels und Pensionen zu. Dazu kommen weitere Gäste in Privatquartieren. "Viele Betriebe haben saniert. Das zahlt sich sehr schnell aus", sagt Bürgermeister Hermann Ach, der zugleich Wirtschaftsförderer am Landratsamt ist. Auch wer auf Online-Buchung setze, habe die Nase vorn. Dabei helfe das Buchungssystem "Thomas" des Oberpfälzer Waldes, ist Zapf überzeugt. "Das ist gut für kleine Betriebe, weil dahinter die großen Urlaubsportale stecken."

Neben Wandern auf Premium- Strecken wie Goldsteig und Nurtschweg schert der Radtourismus auf die Überholspur aus. So bot erstmals ein darauf spezialisierter Reiseveranstalter aus Tschechien eine Tour mit Übernachtung in Windischeschenbach an. Nächstes Jahr soll sie gleich wieder ins Programm. Da trifft es sich gut, dass das Radwegenetz des Kreises inzwischen enorm dicht ausgeschildert ist. "Außerdem ist ein Radwege-Managementplan in Arbeit, der die Anregungen der Kommunen enthält", erklärt Ach.

Interessant: "Wir haben einen eigenen E-Bike-Flyer aufgelegt. Der ging nur sehr zäh weg. Dann haben wir einen gemeinsamen Rad- und E-Bike-Prospekt gemacht, und die Sache lief", berichtet Zapf. Will heißen, dass sich junge Leute mit dem Image des E-Bikes wohl noch etwas schwer tun. Allerdings sind die Velos mit Motor schwer im Kommen. Akkus halten inzwischen bis zu 120 Kilometer. Immer mehr Ausflügler kommen mit ihren eigenen E-Rädern. Leihbikes sind dagegen etwas weniger gefragt.

Überall Ladestationen

Das weiß auch Landrat Andreas Meier: "Wir wollen in jeder Gemeinde eine E-Bike-Tankstelle. Die können wir über Leader-Mittel der EU einheitlich gestalten." Solche Maßnahmen ziehen auf Dauer vielleicht mehr als ein klangvoller Name. So brechen zum Beispiel dem Biathlon-Mekka Ruhpolding die Gäste etwas weg. Vielleicht, weil sich der Kurort zu sehr auf seinem Ruf ausgeruht hat.

Prädikate wie "staatlich anerkannter Erholungsort" seien auch oft überschätzt, meinen die Landkreis-Touristiker. Dieses Gütesiegel des Wirtschaftsministeriums wollte auch Windischeschenbach mal. Dazu brauchte es eine durchschnittliche Verweildauer von 4,3 Tagen. "Das schafft niemand mehr", sagt Landrat Meier, der zu jener Zeit noch Bürgermeister der Stadt war. Mit 2,5 Tagen im Schnitt liegt Windischeschenbach indes auch nicht schlecht. Das spüren die Zoiglwirte als erste.
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