Extreme Töne und Bewegungen

Bassist Alexander Lang (von links) und Lead-Sänger Christian Kraus von "Gegengift" begeisterten ihre Fans mit hartem Deutschrock. Bild: bgm

Zum elften Mal hat die Feuerwehr das "Firehouse" veranstaltet. Zum elften Mal traf sich die Heavy-Metal-Szene in der Kreisstadt - ein Ausflug in die Subkulturen einer Musikrichtung.

"Man sieht ihnen an, dass ihnen das Singen Spaß macht", sagt Alina aus Weiden zum Auftritt von "Gegengift". Das ist ihre absolute Lieblingsband. "Wenn es klappt, gehe ich auf alle Konzerte." Ins "Firehouse" ist Alina mit den beiden Freundinnen Elena und Tatjana gekommen. Natürlich hat sie ihr schwarzes "Gegengift"-Fan-T-Shirt angezogen.

Während Susi, die Lead-Gitarristin, Christian Kraus, der Hauptsänger, Bassist Alex und Schlagzeuger Manni im Feuerwehrhaus abrocken, haben sich die drei jungen Weidnerinnen kurz nach draußen begeben, um ihren Ohren etwas Erholung zu gönnen. Auch durch die neuen Rolltore ist die Musik noch gut zu hören.

Auf der Tanzfläche im Inneren toben sich die ersten Headbanger aus. Martin Jupe aus Altenstadt und Johanna schlagen Kopf und Haare minutenlang im Rhythmus der Musik auf und ab - ohne dass ihnen schwindelig wird. Wie das geht? "Ich geh so tief wie möglich in die Knie. Dann ist das Gewicht soweit nach unten verlagert, dass man nicht umkippen kann", erklärt Martin. "Das ist das ultimative Training für das Genick", ergänzt Matze Hägler.

Anfänger müssen am nächsten Tag mit deutlichen Nackenbeschwerden rechnen. "Nach einiger Zeit lässt es aber nach", weiß Johanna. Eigentlich seien sie gar nicht unbedingt Deutschrock-Fans. "Wir sind Pagan", so Matze. "Pagan ist starker Metal mit mittelalterlichen Klängen. Im Songtext werden Folklore-Geschichten erzählt." Man müsse sich das so vorstellen, als ob ein Barde auf einer mittelalterlichen Burg einen Helden-Epos zum Besten gebe. Dudelsackeinlagen oder Harfenklänge vervollständigen das Musikerlebnis.

Eigene Songs

"Narrow the mind" spielen "Metalcore". "Wir haben nur eigene Songs", betont Luki, der Lead-Gitarrist der fünfköpfigen Band. Sie sprechen von sich als "Corer", nicht als "Metaler". "Das ist aber noch ein relativ neuer Begriff", verrät Luki. Auch optisch unterscheiden sich die Corer von den Vertretern der anderen Metal-Richtungen.

"Lange Haare sind eher untypisch", so Luki, der sich selbst erst vor kurzem von seiner Mähne getrennt hat. Ihm geht es eher um die Musik. Die Kultur dazu sei ihm nicht so wichtig, und auch in Kleidungsfragen sei die Band "relativ offen". Wichtig ist ihm aber, dass sie nur englisch singen. Dafür sind "Eisi" und Julius zuständig. Der 19-jährige "Eisi" ist für die "clear vocals" verantwortlich, also den normalen Gesang. Julius dagegen "growlt" und "screamt".

"Growlen ist guturaler Gesang", erklärt "Eisi" und gibt gleich eine Kostprobe. Es geht darum möglichst tiefe Töne aus den Stimmorganen hervorzuwürgen. Beim "Screamen" geht es in möglichst extreme Höhen. Den Fans gefällt es. "Das Publikum hat gemosht", freut sich Luki. Mit dem Ausdruck meint er, dass die Zuhörer dabei waren, dass sie mit- und abgegangen sind.

Auch die drei anderen Bands "Theory of Mind", "Excage" und "Dubiosis" haben ihre ganz speziellen Stilrichtungen. Für alle Fans ist etwas dabei. Und das sind keineswegs nur Jugendliche. Auf 16 bis 50 Jahre schätzt Nico Bauer aus Wurz das Publikum, dem man den Spaß an der Musik aus den leuchtenden Augen ablesen kann.

Friedlich trotz harter Töne

"Für so ein Konzert würde ich alles sausen lassen", stellt Nico klar. "Das Publikum ist super. Wir Metal-Fans sind alle friedlich", so der Wurzer. "Wie eine Familie", bestätigt auch Marcel Lang. Drinnen growlt derweil der Sänger von "Dubiosis".
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