Feldbetten statt Felgaufschwung

Nach den Herbstferien ist die Turnhalle der Lobkowitz-Realschule in Neustadt gesperrt. Sie wird Übergangsquartier für Asylbewerber. Bild: Hartl

Halle her, und zwar dalli. So harsch formuliert es die Bezirksregierung zwar nicht, aber ihr Notfallplan verlangt von den Landkreisen bis 3. November zusätzliche "winterfeste Einrichtungen" für Asylbewerber. Das Landratsamt bietet die Turnhalle der Lobkowitz-Realschule an. Die Betroffenen können damit ganz gut leben.

Schon Anfang November sollen etwa 100 Flüchtlinge auf dem Felixberg Quartier beziehen. Sie sollen bis kurz vor Weihnachten bleiben, erklärt Landratsamts-Sprecherin Claudia Prößl.

Rektor Johannes Koller erfuhr am Mittwoch von den Plänen. "Dieses Opfer müssen wir bringen, aber es ist bei weitem nicht so groß, wie das der Menschen, die in die Halle einziehen werden", zeigt er Verständnis. Den Schulbetrieb werde dies nicht großartig beeinträchtigen. Die Halle ist nicht direkt an das Schulhaus angebaut, sondern steht etwa 30 Meter entfernt. "Der Sportunterricht läuft normal weiter", versichert Koller. Schon bisher turnen wesentlich mehr Realschüler in der großen Dreifachhalle des Gymnasiums als in der eigenen. Künftig eben noch einige mehr.

Auch sonst wird Koller die Halle bis Weihnachten nicht groß vermissen. Im Gegenteil: Er ist stolz auf die Hilfsbereitschaft der 700 Kinder. "Viele haben schon gefragt, was sie für die Asylbewerbern tun können." Zudem hat die Schule in nächster Zeit keine Großveranstaltungen vorgesehen.

Weniger Fußballtraining

Wesentlich stärker müssen Vereine improvisieren. ASV Neustadt, Volkshochschule, SV Wurz, DJK Letzau, Neustädter Faschingsverein, SV-Team Prieschenk /Judo - sie alle trainieren in der Realschule. Allen voran die DJK Neustadt mit vier Abteilungen.

Von einem Hilferuf wie in Weiden (Seite 25) sind sie meilenweit entfernt. Wolfgang Schwarz, Chef der DJK Neustadt, denkt, dass sein Verein die Übungseinheiten "eher mit umschichten statt mit kürzen" hinbekommt. Mit weniger Training werden wohl die einzelnen Fußballteams auskommen müssen. Die Badmintonspieler werden wahrscheinlich ins Gymnasium ausweichen. Dort liegt schon der Schwerpunkt der Skisparte. Noch offen ist, was mit der Leichtathletik-Schul-AG geschieht.

Schwarz akzeptiert, dass die Sportler von heute auf morgen draußen bleiben müssen. Die Entscheidung komme zwar überraschend, das Landratsamt habe aber schnell informiert. Ähnlich sieht es Dieter Schubert von der DJK Letzau. "Die Leute müssen ja irgendwo untergebracht werden." Gut möglich, dass die Letzauer Kicker deshalb mit Trainingsrückstand ins neue Jahr gehen. Ein Ausweichquartier haben sie nicht.

Der Faschingsverein ist noch auf der Suche. Trainerin Jeanette Vogl sagt, dass einige Garden nun im DJK-Heim und in der Stadthalle üben werden. "Und wir hoffen noch auf die Grundschulhalle." Auch für Vogl gilt: "Wir helfen gern."

Wesentlich stärker sind die Beamten der Kreisbehörde gefordert. Claudia Prößl spricht von einem "Wahnsinnszeitplan" und einer "Riesenherausforderung". Die Landkreise müssen einen Dreistufenplan der Regierung erfüllen und zu den bisherigen Asyl-Quartieren bis 3. November eben noch Stätten wie die Realschulhalle nach Regensburg melden. Stufe zwei sieht vor, dass die Asylbewerber aus den Hallen nach etwa sechs Wochen für einige Monate in Container umziehen und danach - Stufe drei - in Wohnungen.

Lieber in Wohnungen

"Wir versuchen die Stufe zwei zu überspringen", sagt Prößl. "Es ist weniger Aufwand, die Leute dezentral unterzubringen." Zunächst aber gelte es, noch viele offene Fragen zu klären. Die wichtigste: Wie sicher ist, dass die Flüchtlinge tatsächlich Anfang November kommen? Der Kreis richtet vorsorglich einmal 100 Feldbetten in der Realschulhalle her.

Bei all den Krisenherden auf der Welt wird das kaum reichen. Daher treffen sich Vertreter aller Oberpfälzer Kreisverwaltungen und der Regierung am Donnerstag zu einem "Asylgipfel".
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