Frauen ziehen die Köpfe ein

Nach 28 Jahren als Bezirksvorsitzende des Katholischen Frauenbunds hörte die 75-jährige Gertraud Kuhn (Dritte von rechts) auf. Ihr dankten geistlicher Beirat Josef Häring, Diözesanreferentin Gisela Niklas-Eiband, Marga Spickenreuther, Diözesanvorsitze Karin Schlecht und Hildegard Platzer (von links). Bild: arw

Jetzt blicken alle auf den 16. April. Wenn der 1500 Mitglieder starke Bezirksverband Neustadt des Katholischen Frauenbundes dann keine Vorsitzende findet, muss er eventuell mit Tirschenreuth oder Vohenstrauß fusionieren.

Seit Mittwochabend ist der Dachverband der zehn Zweigvereine Neustadt, Parkstein, Windischeschenbach, Neuhaus, Störnstein, Wurz, Floß, Flossenbürg, Wildenau und Wildenreuth führungslos (wir berichteten). Obwohl längst bekannt war, dass die Neustädterin Gertraud Kuhn nach 28 Jahren ihr Amt zur Verfügung stellt und auch Stellvertreterin Marga Spickenreuther und Schriftführerin Hildegard Platzer traten nicht mehr antreten, war bei der Versammlung in Störnstein niemand bereit, die Verantwortung zu übernehmen.

Der Diözesanvorsitzenden Karin Schlecht war die Enttäuschung deutlich anzumerken. Sie hatte zuvor engagiert für eine Kandidatur geworben: Es muss nicht sein, es gibt nur zwei Bezirksversammlungen im Jahr, und die Herbstversammlung wird sowieso von Diözesanverband gestaltet. "Eine Ortsvorsitzende hat mehr Arbeit, um alles zu organisieren."

Dennoch winkten alle Frauen ab. Auch der Hinweis, dass heutzutage vieles auf elektronischem Wege erledigt werden könne, fruchtete nicht. Für manche war gerade das der erste Grund, Nein zu sagen. "In den anderen 27 Bezirksverbänden klappte die Neuwahl reibungslos, warum hier nicht", fragte schlecht.

Selbst der Versuch, zuerst eine Schriftführerin und stellvertretende Vorsitzende zu finden, scheiterte. Mehrmals wurde die Vorsitzende aus Neuhaus, Irmgard Schönberger, angesprochen. "Ich red narrisch gern, ich hab aber noch ein kleines Kind zu Hause, in vier Jahren stelle ich mich gerne da vorne hin," erklärte sie. Alle Delegierten waren sich jedoch einig, alles zu unternehmen, dass der Bezirksverband unabhängig weiterbestehen kann.

Wehmütig fiel Kuhns Abschied aus. Sie betonte, dass sie alles immer gerne getan habe. Sie möchte die schöne Zeit und viele Freundschaften nicht missen. Kuhn dankte Stadtpfarrer Josef Häring, ihrer Stellvertreterin Spickenreuther und Schriftführerin Platzer mit einer kleinen Aufmerksamkeit. Die Ortsverbände verabschiedeten sich mit dem Lied, "Willst du glücklich sein, für andere da zu sein". Die Ortsvorsitzenden überreichten ihrer scheidenden Chefin einen extrem schweren Präsentkorb. Sie habe ihre Aufgabe hervorragend gemeistert. Zurecht trage sie die goldenen Ehrennadel und das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Vor den Wahlen ging die Bildungsreferentin Gisela Niklas-Eiband auf das Jahresthema: "Lebzeiten" ein. Es greift den Zusammenhang von Leben, Lebensqualität und Zeit auf. Man sollte selbst die Gestalterin von Leben und Zeit sein. Beschleunigung und Zeitnot seien in Gesellschaft, Wirtschaft und Familie spürbar.
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