Friede am Wühltisch

Viele Manteler führte der Familienausflug am Samstagnachmittag in die Mehrzweckhalle zum Basar für gebrauchte Kinderkleidung. Statt Masse zu kaufen, achteten Eltern und Nachwuchs vor allem auf Markenqualität. Bild: Popp

Gleich in einem halben Dutzend Orten im Landkreis stürmten Eltern am Wochenende Turnhallen. Dort verkauften Mütter gebrauchte Kinderkleidung und Spielsachen. Diese Schnäppchenjagd trieb Einzelhändler jahrelang auf die Palme. Heute haben sich viele damit abgefunden.

Wer als Kaufmann an der Ecke Textilien, Kinderwagen oder Spielzeug unters Volk bringen will, hat im Landkreis kaum Konkurrenz in der eigenen Stadt. Dafür setzen ihm Onlineriesen und Discounter zu. "Als ob das nicht reicht", ärgerten sich manche Ladeninhaber über die Mehrzweckhallen-Basare. Meist werden sie von Eltern-Kind-Gruppen organisiert.

"Seit das vor etwa zehn Jahren aufgekommen ist, merke ich das sehr", sagt die Vohenstraußer Fachhändlerin Maria Lang. Sie muss zehn Mitarbeiter, Heizung und Werbung bezahlen, während bei den Basaren Ehrenamtliche alles organisieren, über die Zeitung für ihre Veranstaltung trommeln und Hundertschaften von Besuchern mit Kaffee und Kuchen verwöhnen.

Discounter drücken

Doch Maria Lang verteufelt die Eltern-Kind-Gruppen keineswegs. "Was bei uns in der Region fehlt, ist einfach die Masse der Leute, der Käufer." Daher hat sie sich mit einem Onlineshop ganz neue Schichten erschlossen. Etwa beim Geschäft mit Schulranzen der Marke McNeill. "Die gibt es in Norddeutschland nicht." Zudem sind im weiten Umkreis inhabergeführte Geschäfte für Kindermode dünn gesät. Zum Glück für Lang, deren Kunden bis aus Neumarkt anreisen, weil sie die Fachberatung in Vohenstrauß schätzen. "Trotzdem könnte ich nicht davon leben, wenn mir das Haus nicht gehören würde." Das Geschäft mit Klamotten für die Kleinen sei beinhart, weil Billigketten mit drei Buchstaben einfach zu viel Ware auf den Markt schwemmten. "Was man so hört, laufen Basare deswegen auch nicht mehr so."

Julia Walberer, die in Schwarzenbach einen Second-Hand-Markt organisiert, bestätigt das. "Es werden jedes Jahr weniger Anbieter und weniger Besucher." Abgesehen davon, dass die Schnäppchenjagd in etlichen Gemeinden oft am gleichen Tag über die Bühne geht, böten viele Eltern ganzjährig über Facebook-Gruppen ausgemusterte Dreiräder oder T-Shirts an.

Mit Geschäftsleuten hat Walberer kein Problem. "Wir verkaufen Sachen aus dem Holzspielhaus Wallner in Weiden. Die Waren aus der Vorsaison kosten bei uns 50 Prozent weniger." Auch Christian Fehr vom gleichnamigen Sporthaus hält die Basare für "befruchtend" und spendet manchen Organisatoren etwas. Er weiß, dass es nicht billig ist, Söhne oder Töchter im Wachstum laufend neu einzukleiden. "Es ist mir doch lieber, eine Familie mit drei Kindern kauft ihre Skianzüge auf dem Basar, als wenn sie gar nicht Ski fahren würde." Denn für einen Helm kämen die Schnäppchenjäger dann zu ihm ins Fachgeschäft. Ähnliches hat Maria Lang beobachtet. "Bei Hartware wie Autositzen oder Kinderwagen sind die Leute durch Medienberichte sensibilisiert. Das kaufen viele nicht gebraucht."

Klaus Neumeier, Geschäftsführer bei Wöhrl in Weiden, hat mit den Turnhallen-Flohmärkten ebenfalls seinen Frieden geschlossen. "Ich bin Vater von zwei Kindern und weiß, dass die Leute aufs Geld schauen müssen." Er hat selbst schon auf Basaren beobachtet, dass Qualitätsware sich verkauft und Ramsch liegen bleibt. "Strumpfhosen, Wäsche, Mützen, das will man nicht unbedingt aus zweiter oder dritter Hand." Neumeier hat ferner registriert, dass Marken auf dem Wühltisch nicht immer günstiger seien als im Modehaus. Bei allen anderen Produkten sollten sich die Käufer grundsätzliche Gedenken machen - Stichwort Kinderarbeit. "Überlegen Sie sich gut, wo die Ware herkommen könnte."

Preis- und markenbewusst

Andrea Woldrich, die in Vohenstrauß einen der größten Kinderkleidungsmärkte in der Region mitorganisiert, kennt solche Geiz-ist-geil-Auswüchse. "Ich hab schon Mütter gesehen, die haben zum Kind gesagt, sie kaufen nicht das T-Shirt für Dreifuffzig, sie suchen nur Ein-Euro-Ware."

Doch das Gegenteil ist genauso wahr, berichtet Petra Franke. Sie hat die Schlacht um die besten Stücke am Samstag in Mantel hinter sich gebracht. Als Veranstalterin ist ihr aufgefallen, dass "diesmal irgendwie alles ordentlicher war". "Die Leute wollten mehr Marken."
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