Für Flüchtlinge auf die Straße

300 bis 400 Menschen gingen in Neustadt für Flüchtlinge auf die Straße. Der Demonstrationszug verlief friedlich. Bild: Schönberger
 
Die Band "Absoluth" aus Nürnberg rappte bei der Abschlusskundgebung vor der Asylbewerberunterkunft in der Freyung.

300 bis 400 Menschen folgten dem Aufruf zu einer Demonstration für Flüchtlinge. Auch viele Asylbewerber schlossen sich an. Veranstalter und Teilnehmer zeigen sich besorgt von den deutschlandweiten Angriffen auf Ausländer und die rassistischen Hetzen im Internet.

Ein unübliches Bild zur Ferienzeit. Aus allen Richtungen strömen Leute auf den Felixberg zum Gymnasium. Das Weidener Bündnis "Voices for Refugee" hatte dazu aufgerufen zu signalisieren, dass Ausländer in Deutschland willkommen sind. Trotz der kurzfristigen Ankündigung und des heißen Wetters kommen viele Menschen. Die Polizei geht von 300 Teilnehmern aus, die Veranstalter von 400.

"Hier zeigt sich, dass es nicht nur Rassisten gibt, sondern auch Leute, die solidarisch mit Flüchtlingen sind", stellt die Initiatorin und ehemalige Weidener SPD-Stadträtin Elena Hierold fest. Die Nachrichten in letzter Zeit würden ein anderes Bild vermuten lassen. 30 rassistisch motivierte Angriffe auf Asylbewerber in Deutschland habe sie allein in den vergangenen Tagen gezählt.Besorgt zeigt sie sich über die vielen rassistischen Kommentaren im Internet, auch nach dem mutmaßlichen Brandanschlag in Neustadt. Kommentare wie "Ab nach Flossenbürg" sei nur einer der zahlreichen menschenverachtenden Einträge in Nordoberpfälzer Internetforen gegen Asylbewerber. Die horrende Anzahl von Angriffen auf Flüchtlinge beweise, dass der Hetze im Netz auch Taten folgen, stellt Hierold fest.

Hetzjagd im Netz

Der Vorsitzende der Jusos Neustadt, Sebastian Dippolt, widerspricht Bürgermeister Rupert Troppmann, der nach dem Brand in den Medien festgestellt habe, dass es keine rechte Szene in Neustadt gebe. Zwar gebe es wenige glatzköpfige Nazis, die auf dem Marktplatz herumhingen. Doch der Juso-Vorsitzende zählt eine Reihe von Personen aus Neustadt und Umgebung auf, die etwa massiv in einem Internet-Sender gegen Asylbewerber hetzen.

Als sich der Zug Richtung Zacharias-Frank-Straße in Bewegung setzt, sieht man, dass sich Menschen aller Altersgruppen angeschlossen haben. Eine Anwohnerin steht auf der Straße und klatscht zur Musik des Lautsprecherwagens, der die Demo begleitet. Zwei Stadtbewohner beobachten den Zug und stellen fest, dass nicht viele Neustädter mitlaufen. Dafür haben andere eine lange Anreise in Kauf genommen. Bis aus Burglengenfeld und Lappersdorf kommen zum Beispiel etliche Jusos.


Auch die SPD-Landtagsabgeordnete und Neustädter Stadträtin Annette Karl ist dabei. Mit zehn Leuten ist die Evangelische Jugend vertreten. Die kirchliche Jugendorganisation wolle sich verstärkt für Flüchtlinge engagieren und kooperiere mit dem AK Asyl, erzählt die Püchersreutherin Cornelia Treml vom Dekanatsbezirk Weiden. "Ich finde es schrecklich, wenn Mütter aus Kriegsländern in Deutschland als Sozialschmarotzer bezeichnet werden, wenn sie mit ihren Kindern hierher kommen, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen", antwortet eine 58-Jährige Weidenerin auf die Frage, warum sie hier sei. "Es gibt keine Syrer oder Serben oder so. Das sind Menschen. Jeder hat ein Recht darauf, normal zu leben." Sie meint, dass man mittlerweile Angst haben müsse, wenn man sich positiv zu Flüchtlingen äußere.
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