Gegen Vorurteile anriechen

Die Schüler der sechsten Klasse von der Lobkowitz-Realschule rochen sich durch Gewürze aus aller Herren Länder und lernten so die Vielfalt der Welt an einem praktischen Beispiel kennen. Bild: esc

Riechen, schmecken, hören, sehen, fühlen gegen Rassismus und Intoleranz? Das geht. Wie, das zeigt eine Ausstellung, die Lehrkräfte der Lobkowitz-Realschule in Neustadt zusammengestellt haben.

(esc) "Enjoy difference - start tolerance" heißt die Schau, die federführend Englisch- und Erdkundelehrer Alexander Frey für die Schüler aufbereitet hat. "Es geht darum, die Jugendlichen früh für das Thema Rassismus zu sensibilisieren", erklärt er. "Und zwar mit allen Sinnen."

Und das ist in der Schau ein Leichtes: riechen, schmecken, fühlen, sehen und hören können die Buben und Mädchen hier durch alle Stationen - zwölf an der Zahl. Nach Vorbild des Uefa-Werbespots gegen Rassismus hat Frey einen Film zusammengestellt, in dem sich Lehrer und Schüler der Realschule gegen Rassismus stark machen.

Haned kommt aus Somalia

In einem Interview erfahren die Zuhörer etwas über Haned aus Somalia, der aus seiner Heimat nach Deutschland geflohen ist. Er erzählt von der Flucht, dem bisherigen Weg hier in der Region und über die Vorurteile, mit denen er zu kämpfen hat. Haned besuchte bis zum vergangenen Schuljahr die Lobkowitz-Realschule. Im Herbst beginnt er eine Ausbildung.

Martin Luther Kings berühmte Rede "I have a dream", die Herkunftsländer von Bundesliga-Profis, Kleidung aus aller Welt oder auch internationales Essen nehmen in der Ausstellung ebenfalls einen Raum ein. Zu allen Stationen können die Kinder auf einem Laufzettel Fragen beantworten und damit an einer schulinternen Verlosung teilnehmen. Zu gewinnen gibt es einen Gutschein für ein Essen für zwei Personen in einem Lokal der Wahl. "Ich würde zum Italiener oder Griechen gehen", sind sich Daniela, Sarah und Marika einig. Pizza oder Salat stehen ganz oben auf der Liste.

Am besten gefiel ihnen die Station zum internationalen Essen: Gewürze gibt es hier zu beschnuppern. Sie alle zu erschnuppern ist gar nicht so einfach. "Außer der Muskatnuss und dem bunten Pfeffer haben wir alles erkannt", sind die drei Mädchen stolz. Und auch Arthur, Luisa, Laura und Milena bestätigen das. Von der Rede des amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King sind die Schüler besonders beeindruckt.

Mit der Ausstellung will sich die Schule um den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" bewerben. Jede Klasse besucht mit ihrer Lehrkraft die Schau und setzt sich mit dem Thema auseinander. Am Freitag sehen sich die Schüler das Theater "Elly und Ingo" an. Das Stück stellt den Lebensweg von Elly Maldaque, die während der Weimarer Zeit Lehrerin in Regensburg war, dem des rechtsradikalen Ingo gegenüber.

Auch für andere Schulen

Weil sich die Schüler von der Ausstellung begeistert zeigen, wird sie bis nach den Faschingsferien zu sehen sein. "Eventuell wollen wir die Schau auch für andere Schulen anbieten", sagt Frey. Die könnten dann zu einer Exkursion nach Neustadt kommen.
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