Goldjungs mit Biss

Philipp Köhler und Christian Scheiber (von links) nehmen die Goldmedaille der Zahntechnik entgegen. Der Internationale Wettbewerb um den Okklusalen Kompass ist weltbekannt. Bild: hfz

Kaputte Zähne, ein Gräuel für die meisten. Für zwei Zahntechnikermeister die reinste Spielwiese. In ihrer Freizeit stellen sie aufwendige Prothesen und Provisorien her. Bei internationalen Wettbewerben sahnen die Oberpfälzer damit richtig ab.

Locker 150 bis 200 Stunden hätte er an der Totalprothese gearbeitet, erzählt der Neustädter Philipp Köhler. Und das alles neben der Arbeitszeit. Aufgabe war, einem komplett zahnlosen Gebiss eine Vollprothese zu verpassen. Mit dem Weidener Christian Scheiber reichte er seine Arbeit bei einem Wettbewerb des Schweizer Dentalherstellers Candulor ein - beide gewannen. Sie setzten sich gegen 43 Bewerber aus 14 Ländern wie Japan, China und Australien durch. Der 37-jährige Weidener landete auf dem ersten Platz, der 38-jährige Neustädter auf dem zweiten.

"Das gab es noch nie"

Auf der IDS in Köln, der größten internationalen Messe für Dentaltechnik weltweit, nahmen sie die Preise entgegen. Scheiber war sogar schon letztes Jahr Erstplatzierter. Dass einer bei diesem Wettbewerb seinen Titel verteidigen konnte, hat es noch nicht gegeben. Ihre Gewinnerserie geht weiter. Bei einem anderen internationalen Wettbewerb des Dentalverlages teamwork media landete erneut Schreiber auf dem ersten und Köhler auf dem zweiten Rang. Die Preise gelten als "Goldmedaille der Zahntechnik".

200 Stunden Hobby-Arbeit

Scheiber erhielt für beide Wettbewerbe zusammen 4500 Euro, Köhler 3000 Euro. "Der Aufwand hat sich in diesem Fall gelohnt. Das kann aber auch nach hinten losgehen." Dann sind zwei Monate Fräsen, Modellieren und Polieren nach Feierabend, am Wochenende, in jeder freien Minute umsonst.

Zwei aus der Nordoberpfalz setzen sich in den berühmtesten Wettbewerben der Dentaltechnik gegen alle Konkurrenten durch. Die Gewinner sind zu Recht stolz, dass sie die Medaillen in die Region bringen konnten. Bei der Frage nach den Arbeitgebern wiegeln sie ab. "Das ist ein rein privates Hobby", sagt Köhler. Er arbeitet in einem Dentallabor in Schwaig bei Nürnberg, Scheiber in Nabburg. Doch die Heimatverbundenen wohnen in ihren Geburtsorten.

Dass die Preise an sie gingen sei vielleicht kein Zufall, vermuten die Gewinner. Die Zahntechnik in Deutschland habe einen sehr guten Ruf. Auch die Betriebe in der Region bildeten sehr gut aus. Die beiden Überflieger machten ihre Ausbildung im selben Betrieb in Weiden.

Sportlicher Ehrgeiz

Warum nehmen die beiden Oberpfälzer den ganzen Aufwand auf sich? "Das ist rein sportlicher Ehrgeiz", erklärt der Neustädter Köhler. "So kann ich das Beste aus mir herausholen", ergänzt Schreiber. "Wenn es nachts um elfe ist und der Einsendeschluss immer näher rückt, denkt man sich nur: Warum habe ich das gemacht?" Aber die beiden Dentaltechniker stacheln sich gegenseitig immer wieder an. "Wenn der eine mitmacht, will der andere auch."
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