Gräber abzugeben

Seit Jahrzehnten teilen sich Stadt und katholische Kirche die Verwaltung des Friedhofs. Pfarrer Josef Häring würde dem Rathaus am liebsten seinen Anteil verpachten. Allerdings sind sich beide Seiten noch nicht über den Preis einig.

Der Gottesacker umfasst rund 12 000 Quadratmeter. Zwei Drittel davon liegen im Zuständigkeitsbereich der Kirche, den Rest betreut die Stadt. Doch nun ist eine neue Situation eingetreten. Hans Simmerl, der sich 21 Jahre lang ehrenamtlich und unermüdlich für die Pfarrei St. Georg um den Friedhof gekümmert hat, hört auf. Zum 31. Dezember hat er gekündigt. "Ich bin fast achtzig", begründet er den Schritt.

Zuvor hatte er nahezu täglich die Kapelle aufgesperrt, mit Bürgern Grabstellen ausgesucht, Formalitäten wie Grabnutzungszeiten erledigt oder Sterbefälle aufgenommen. Bei all dem half Simmerl, dass er ein Ass am Computer ist. Bis eine Nachfolgeregelung gefunden ist, will der Senior weiterhin einspringen. Doch irgendwann soll mal Schluss sein.

"Lieber Seelsorger sein"

"Wir verhandeln, es ist alles in der Schwebe", sagt Bürgermeister Rupert Troppmann. Er hat nach Aussage von Stadtpfarrer Josef Häring einen Vertrag vorgelegt. Die Diözese Regensburg wiederum habe einen eigenen Entwurf eingebracht, wie die Stadt 8000 Quadratmeter von ihr pachten könne. Das lässt darauf schließen, dass die finanziellen Vorstellungen sehr unterschiedlich sind.

Der Anstoß dazu war von Häring gekommen. "Ganz früher hatten Pfarrer mehr Zeit, sich um so etwas zu kümmern. Ich will aber lieber Seelsorger sein", sagt er. Eine Sozialstation mit 110 Patienten sei ihm wichtiger als die Organisation von Schneeräumpflicht oder die Verwaltung von Grabgebühren. Zumal in seiner Gemeinde kein Ersatz für einen wie Simmerl in Sicht sei. "Da sehe ich schwarz."

Bürgermeister Troppmann wartet erstmal ab. Einen Zeitrahmen haben sich beide Seiten nicht gesetzt. "Im Laufe des Jahres" soll alles neu geregelt sein. Neben der Kirchenstiftung spricht aber auch die Rechtsabteilung der Diözese ein Wörtchen mit. Dort will Häring nächste Woche nachhaken.

Die Doppel-Zuständigkeit für den Friedhof reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Damals hat die Stadt das Areal angelegt. Erst 1925 wurde Neustadt eine eigene Pfarrei. Vorher war der Altenstädter Pfarrer zuständig. In jenem Jahr ging die Zuständigkeit auf die katholische Kirchenstiftung über. Als der Friedhof in den 60er oder 70er Jahren aus den Nähten platzte, kam es zur Erweiterung - auf städtischem Grund.

Ob ein Toter im kirchlichen oder im städtischen Teil beerdigt wird, dürfte für die Angehörigen jedoch keine Rolle spielen: Die Gebühren sind gleich.
Weitere Beiträge zu den Themen: Januar 2015 (7957)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.