Gymnasium Neustadt will zurück zum G9 - Beim Pilotprojekt dabei
Mehr Zeit, mehr Ruhe

Ab September bietet das Gymnasium Neustadt ein Konzept an, das in neun statt in acht Jahren zum Abitur führt. Schulleiter Anton Hochberger verspricht sich viel davon. Bild: Hartl

Studiendirektor Dr. Anton Hochberger geht zufrieden ins Wochenende. Er hat sich im Kultusministerium mit Erfolg um ein Pilotprojekt bemüht, das ihm am Gymnasium mehr Schüler und neue pädagogische Möglichkeiten bescheren könnte.

Neustadt ist eines von sieben Oberpfälzer Gymnasien, die im September die "Mittelstufe plus" einführen. Dies entspricht einem G-9-Zug. Denn der Stoff zwischen der achten und zehnten Klasse wird von drei auf vier Jahre gestreckt. Dazu gibt es eine zusätzliche Klasse, eben die "9 plus". Das Ministerium will nach zwei Jahren Bilanz ziehen und das Projekt dann eventuell auf alle bayerischen Gymnasien ausdehnen.

Glückwunsch, Herr Dr. Hochberger, Ihre Bewerbung war erfolgreich. Sind Sie von dem Konzept so überzeugt?

Hochberger: Ich stehe sehr dahinter. Die Schulart Gymnasium ist ständig in der Diskussion, die "Mittelstufe plus" ist eine Möglichkeit Ruhe reinzubringen.

Inwiefern?

Hochberger: Wie in allen ländlichen Regionen überlegen Eltern bei uns oft hin und her, ob sie ihren Kindern das Gymnasium zutrauen sollen, obwohl die Kinder oft sehr gute Noten haben. Die sind durch die ständige G 8/G 9-Diskussion verunsichert und entscheiden sich daher oft für die Realschule. Die "Mittelstufe plus" könnte das ändern, weil mehr Lernzeit zur Verfügung steht.

In München haben sich keine Gymnasien dafür beworben, weil sie zusätzliche Raumnot fürchten. Wie bekommen Sie das hin, wenn jetzt die Sanierung Ihrer Schule ansteht?

Hochberger: Das sollte kein Problem sein, wir haben genügend Räume. Nach der Sanierung wäre es erst recht ideal. Wir hätten dann Zusatzräume wie eine Bibliothek, einen Ruheraum und überhaupt viel Platz zur individuellen Förderung.

Bekommen Sie auch mehr Lehrer?

Hochberger: Zunächst müssen wir jemanden für vier Lehrerwochenstunden freistellen, der die "Mittelstufe plus" plant. Ich denke aber schon, dass dies durch Personalzuweisung kompensiert wird.

Was schätzen Sie: Wie viele Kinder wollen die neue "Mittelstufe plus" angehen, wie viele bleiben beim bisherigen G 8?

Hochberger: Es gibt keine Zahlen, von Eltern höre ich aber sehr positive Stimmen. Ich gehe mal zwischen der achten und zehnten Jahrgangsstufe von jeweils einer Plus-Klasse aus.

Was macht Sie so sicher, dass die "Mittelstufe plus" besser funktioniert als das bisherige Flexi-Jahr, bei dem der Stoff der achten Klasse auf zwei Jahre verteilt wird. Das gilt als Flop.

Hochberger: Ich würde es nicht als Flop bezeichnen. Das sehe ich an einem unserer Schüler, der ein Flexi-Jahr absolviert. Der Vorteil der "Mittelstufe plus" ist, dass dies im Klassenverband geschieht.
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