Hans Schreyegg berichtet im Kreistag von seiner mühsamen Arbeit - Vertrag um fünf Jahre ...
Archivpflege oft noch ein Stiefkind

Draußen Blitz, Donner und heftiger Regen, in der Stadthalle Harmonie und Einigkeit: Ausnahmslos einstimmige Beschlüsse fasste der Kreistag am Montag in seiner dritten Sitzung. Nur Kreis-Archivpfleger Hans Schreyegg sparte nicht mit Kritik.

Der Kreistag verlängerte Schreyeggs Vertrag ebenso wie den von Kreisheimatpfleger Peter Bantelmann für weitere fünf Jahre. Letzterer ist für Bauangelegenheiten, Bau- und Bodendenkmäler im Landkreis-Osten zuständig. Beide leisteten ausgezeichnete ehrenamtliche Arbeit, bescheinigte ihnen stellvertretender Landrat Albert Nickl, der erstmals für den erkrankten Andreas Meier die Sitzung leitete. Bantelmann und Schreyegg erhalten eine monatliche Aufwandsentschädigung von 150 Euro.

Rechtsanspruch einklagbar

Schreyegg erläuterte den Kreisräten, was ein Archivpfleger so macht. Ohne Archiv wüssten wir nichts über das Leben unserer Vorfahren und nichts über die Entwicklung des politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen Lebens in unseren Gemeinden. Aufgaben und Ziele eines Archivs: vorhandene Unterlagen katalogisieren, konservatorisch erhalten und dauerhaft sichern, Archivgut erschließen und für die Öffentlichkeit und Verwaltung nutzbar machen sowie die Öffentlichkeit über das historische Erbe informieren.

Laut Schreyegg ist die Pflichtaufgabe "Gemeindearchiv" sehr konkret und rechtlich abgedeckt. Das Archivgesetz räume nicht nur Behörden und öffentlichen Stellen ein Benutzungsrecht ein, sondern auch Privatpersonen. Der Rechtsanspruch sei sogar vor Gericht einklagbar.

Im Landkreis haben nach Angaben des Neustädters von 46 Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nur 11 ein Archiv. 10 legen derzeit eines an, 25 haben kein Archiv. Nicht alle Kommunen seien bereit oder in der Lage, dafür ordnungsgemäße Räume zur Verfügung zu stellen. Die personelle Situation sei nicht optimal gelöst bis gar nicht vorhanden.

Schreyeggs Vorschlag: Die Aufgabe Archiv sollte in interkommunaler Zusammenarbeit angegangen werden. Über Gemeindegrenzen hinweg ließen sich sowohl die aufwendige Verwaltungsaufgabe "Aussonderung" als auch die Aufgabe "Archiv-Führung" effektiver und wirtschaftlicher erledigen. Ordnungsgemäße Aussonderungen brächten enormen Raumgewinn, sparten damit Raumkosten und ergäben einen übersichtlicheren Bestand mit geringerem Erfassungsaufwand.

Klaus Bergmann, Sprecher der Grünen, wollte angesichts der Vielzahl der Kommunen ohne Archiv anhand konkreter Beispiele wissen, was ihnen verloren gehe. Außerdem interessierten ihn die Auswirkungen der neuen Medien auf die Archivarbeit.

Eine Gemeinde im westlichen Landkreis baute eine neue Brücke, antwortete Schreyegg. Hätte sie ein Archiv gehabt, hätte sie gewusst, dass das Projekt die Nachbarkommune hätte bezahlen müssen. Die digitale Erfassung der Daten mache zum Beispiel die Familienforschung schwierig. Viele Daten gingen für Archive verloren.

Flüchtlings-Bericht

Abschließend forderte Bergmann von der Verwaltung einen Bericht über die Flüchtlingssituation im Landkreis. Dies sicherte stellvertretender Landrat Nickl für die nächste Kreisausschusssitzung zu. Der Landkreis müsse acht Prozent der in der Oberpfalz ankommenden Flüchtlinge aufnehmen. Der Speinsharter ist überzeugt, dass die Gesellschaft diese große Herausforderung schultern werde.
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