Harald Bäumler führt 50 Interessierten die Finessen der Jann-Orgel vor
Hubschrauber in St. Georg

Das Cockpit von Organist Harald Bäumler (vorne) umfasst drei Manuale und 35 Register. In der Jann-Orgel der Pfarrkirche St. Georg steckt eine komplexe Computeranlage, die die Zuhörer immer wieder in Staunen versetzte. Bild: spz
Hätte Organist und Kirchenchorleiter Harald Bäumler alles erzählt, was er über die Jann-Orgel weiß, dann hätte die Vorführung in der Stadtpfarrkirche wahrscheinlich einige Stunden gedauert. Doch auch so waren die 60 Minuten für rund 50 Zuhörer überaus informativ.

Kaum einem Kirchenbesucher ist wirklich bewusst, welch musikalisches Juwel ihn während der Gottesdienste begleitet. Das ist zum Gutteil Harald Bäumler zu verdanken, der vor Jahren vehement dafür gekämpft hatte, dass die Vorgängerorgel komplett abgebaut und alte Teile im neuen Instrument verbaut werden konnten.

So entstand 2007 eine der besten Kirchenorgeln im ganzen Landkreis, für die sich inzwischen namhafte Organisten aus ganz Deutschland begeistern, wie Bäumler erklärte. Der Orgeltisch besteht aus drei Klaviaturen. Das Klangspektrum reicht von 20 000 bis 24 Hertz und Klangmixturen von Trompete, Oboe, Klarinette, Harfe, Krummhorn mit Schalmei, Pauke und E-Gitarre bis hin zu einem kompletten Schlagwerk. Und so unglaublich es auch klingen mag: Sogar Geräusche wie Martinshorn und der Flatterton eines Hubschraubers sind möglich.

Je tiefer die Töne, desto länger sind die Pfeifen. Die alten wurden aus Zinn und Blei gegossen, die neuen sind aus Fichtenholz. Und alle 2135 Pfeifen funktionieren nach dem Blockflötenprinzip. Die tiefste misst 4,80 Meter. Bäumler vergleicht den Spieltisch mit einem Flugzeug-Cockpit. 30 000 verschiedene Speichermöglichkeiten stecken in der Computeranlage. Ein Hightech-Instrument, das aber trotz allem den Organisten nicht ersetzt, bisher zumindest Ein elektronisches Abenteuer sei es gewesen, das beim Neubau integrierte Zimbelspiel um ein zusätzliches Glockenspiel mit eigenen Tönen zu erweitern.

Beides miteinander zu vereinen sei nicht einfach gewesen. Doch mit Hilfe des Orgelbauers Thomas Jann konnte Anfang des Jahres das Glockenspiel eingebaut werden, das durch einen digitalen Sound-Expander hervorgebracht werde. Dies hat die Spende eines Neustädter Ehepaares, dem die Kirchenmusik sehr am Herzen liegt, möglich gemacht. Das vielfältige Tonspektrum demonstrierte Bäumler bei einem stark beklatschten Schlusskonzert.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2014 (8406)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.