"Hausfluss" vereint alle Länder optisch und akustisch
In Europa klingeln

Markus Richter (links) und Josef Weber stellten den neuen Standpunkt "Europa" vor. Das alte Klingelschild eines Mehrfamilienhauses ist mit den Namen aller Staaten auf dem Kontinent Europa versehen. Auf Tastendruck spielt die jeweilige Nationalhymne. Bild: bgm
Papst Franziskus hat in seiner jüngsten Enzyklika die Welt als ein Haus bezeichnet. "Wir waren schon wieder einen Schritt weiter", sagte Markus Richter vom Kunst- und Kulturverein "Hausfluss" bei der Präsentation des neuesten Projekts "Europa" in der Standpunktereihe.

"Wie kann man hier an dieser Schießstätte ganz Europa zusammenbringen? Ohne dabei zu politisch, zu wirtschaftlich, zu kritisch zu werden?", umriss Richter die ursprüngliche Fragestellung. Er und Josef Weber stießen schließlich auf eine alte Klingelplatte eines Mehrfamilienhauses mit mehr als 50 Parteien.

Jedes Klingelschild soll für ein europäisches Land stehen. "Die Idee bei der ganzen Geschichte war, sich Europa als ein Haus vorzustellen", erklärte Richter. Jede Wohnung stehe für einen europäischen Staat. "Im Laufe der Zeit werden sich die Klingelschilder verändern, so dass ein ganz buntes Klingelschild entsteht", prognostizierte der in Wien lebende Künstler. Einige Leerstellen sind noch für weitere Namen frei. "Vielleicht wird mal einer ausziehen oder zwei heiraten", nannte Josef Weber mögliche Zukunftsszenarien.

"Es ist alles zu verflochten. Man kann nicht sagen, ich schotte mich ab", beschrieb Weber den pädagogischen Gedanken des Standpunkts. "Wenn ich mich nicht auskenne, dann klingele ich und dann hilft mir jemand in seine Wohnung rein." Die Tasten funktionieren indes tatsächlich. Drückt man darauf, ertönt die Nationalhymne des jeweiligen Landes. Und auch das lässt sich jederzeit verändern.

"Das kann so programmiert werden, dass alle möglichen Texte abgespielt werden können", betonte Richter. Vielleicht könne man mal die Beiträge der Teilnehmer des Eurovision-Song-Contests einstellen.

Welches Land sich hinter welchem Klingelschild versteckt, ist überdies gar nicht so leicht zu erkennen. Bei den Bezeichnungen setzten die Künstler auf die Landessprache. So steht zum Beispiel Eire für Irland und Hrvatska für Kroatien. Noch komplexer: Soll man für den Kosovo die serbische Bezeichnung mit kyrillischen Buchstaben oder die albanische Variante wählen? "Da muss man eigentlich schon wieder politisch einen Standpunkt einnehmen", gab Weber zu bedenken.

Bis in zwei, drei Wochen wird das Klingelschild am Schuppen neben der Alten Schießstätte montiert. Auch an diesem Platz kann es immer wieder aktualisiert und bespielt werden.
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