Hehler entgeht dem Gefängnis

Glimpflich weggekommen: Nach einer Serie gewerbsmäßig begangener Hehlereien muss ein 51-Jähriger nicht in Haft. Der Mann hatte über eineinhalb Jahre hinweg gestohlene Elektronikgeräte aus einem Versandhaus verhökert.

In erster Instanz war der Angeklagte zu drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Nun bekam er zwei Jahre mit Bewährung.

Im Fall des 51-Jährigen aus dem westlichen Landkreis war Ungewöhnliches passiert: Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Ersturteil einer Amberger Strafkammer aufgehoben und eine erneute Verhandlung angeordnet. Sechs Tage sollten sie dauern, zwei wurden daraus.

Als der Kammervorsitzende Dr. Stefan Täschner das nach längerer Beratung gefallene Urteil verkündete, listete er auf: "Das Vorgehen war zwar gewerbs-, aber nicht bandenmäßig." Täschner rechnete dem 51-Jährigen das Geständnis positiv an, sprach aber andererseits auch von "krimineller Energie", die der Mann bei seinen illegalen Geschäften im Bekannten- und Kollegenkreis entwickelt habe.

TV-Geräte und Laptops

Der Hintergrund: In einem Wernberg-Köblitzer Versandhaus waren auf sehr geschickte Weise über lange Zeit hinweg Fernsehgeräte, Laptops und Kameras entwendet worden. Ein Kommissionierer hatte sie verpackt und an Leute geschickt, die über die Sendungen informiert worden waren. Danach traten Hehler auf den Plan und sorgten für großen Absatz bei erfreuten Kunden, die teilweise nur ein Drittel des Verkaufspreises zahlten. In 39 Fällen war das bei dem 51-Jährigen so.

Interessant am Rande: Das Versandhaus hat, wie die Kammer von Anwalt Dr. Georg Karl erfuhr, zwischenzeitlich einen Mahnbescheid über 135 000 Euro erwirkt.

Nach dem Geständnis des Angeklagten konnte das Gericht auf nahezu alle Zeugen verzichten. Nur der damals im Versandhaus beschäftigte Haupttäter wurde gehört. Von ihm erfuhren die Richter, wie quasi fast schon auf Bestellung in dem Unternehmen gestohlen wurde. Mit den erzielten Erlösen (abzüglich des Gewinns für die Hehler) finanzierte der heute 33-Jährige aus Weiden seine Drogensucht.

23 Fernsehgeräte, 18 Laptops, eine Digitalkamera und einen PC hatte der 51-Jährige laut Unterlagen verhökert. In ihrem Plädoyer sagte Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht: "Es war gewerbsmäßige Hehlerei."

Sie unterstrich, dass der Beschuldigte nicht vorbestraft sei und verlangte zwei Jahre mit Bewährung und 9000 Euro Geldbuße. "Kein gewerbsmäßiges Vorgehen", hielt Verteidiger Georg Karl dagegen, forderte 16 Monate mit Bewährung und bat, von einer Geldauflage abzusehen.

Bußgeld für Kinderklinik

Die Kammer hielt sich weitgehend an den Antrag der Anklagevertreterin: Zwei Jahre mit Bewährung, parallel dazu 5000 Euro Buße zugunsten der Regensburger Kinderkrebsklinik. "Sie haben letztlich die Augen verschlossen, denn was Sie verkauften, war unter Schnäppchenpreisen", schrieb Richter Täschner dem 51-Jährigen ins Stammbuch.

Womit angedeutet war: Der Hehler wusste sehr wohl, woher seine Ware stammte. Der Mann zog erleichtert von dannen. Denn ein Haftaufenthalt hätte ihm die persönliche Existenz ruiniert.
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