Helga Markl hat Julian Zieglers Schullaufbahn von Beginn an begleitet
Die Frau an seiner Seite

Helga Markl wird immer Julians beste Schulfreundin bleiben, auch wenn die beiden 35 Jahre Altersunterschied trennen. Bild: Götz
Ohne Helga Markl hätte Julian Ziegler kein Abitur. Die 54-jährige Neustädterin hat den Buben von der ersten Klasse an durch die Schullaufbahn gelotst. Der Job nennt sich Schulbegleiterin. Helga Markl war Banknachbarin, Puffer, Übersetzerin, Erklärerin, Trösterin und Freundin im Klassenzimmer.

"Ich musste seinem Alltag Struktur geben", erklärt die Erzieherin, die für das Haus St. Elisabeth in Windischeschenbach arbeitet. Bezahlt wurde sie vom Jugendamt. "Wenn die Klassenlehrerin gesagt hat ,Hefte raus', musste ich Julian persönlich ansprechen, weil er sonst nicht gewusst hätte, dass er auch gemeint war."

In der Grundschule war Markl immer dabei. "Die anderen haben in der Pause Fangen gespielt, und ich war mit ihr in der Schulküche gesessen", sagt Julian. In dieser Zeit musste ihn die Schulbegleiterin auch beschützen. "Als Asperger-Kind wäre er ein leichtes Mobbing-Opfer geworden", weiß Mutter Sabine Ziegler. Sie ist als Schulpsychologin im Landkreis Tirschenreuth vom Fach.

Als Autist läuft Julian leicht Gefahr, in Fettnäpfchen zu treten. Das Asperger-Syndrom hindert ihn, in irgendeiner Form berechnend zu sein. Also sagt er alles so gnadenlos ehrlich, wie er es sich denkt. Das nutzen Kinder bisweilen schamlos aus.

Ab der Mittelstufe kam Markl seltener mit ins Klassenzimmer und kurz vor dem Abitur kaum mehr. Prüfungen und Hausaufgaben musste der Junge allein stemmen. Markl war der Draht zu den Lehrern und regelte, dass Julian Einzel- statt Gruppenarbeiten, Texte statt Bilder brauchte. Struktur heißt zudem, dass sie ihm erklären musste, wie er sich in der Mensa anstellen sollte, um das zu bekommen, was er gerne essen würde.
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