Herbergssuche auf Altbayerisch

Unter den Heiligenfiguren las Günter Alois Stadler Weihnachtsgeschichten und -gedichte in Mundart vor. Im rechten Teil des Altarraums musizierte die Gruppe "Andrersaits". Bilder: gag

Still und andächtig die Stimmung. Weihnachtlich, festlich die Beleuchtung und die Stadtpfarrkirche war auf Einladung einer Bank bis auf ganz wenige Plätze voll besetzt.

Zum Altbayerischen Adventssingen begrüßte der Altenstädter Geschäftsstellenleiter der Volksbank Nordoberpfalz, Felix Weiser, die Gäste. "Denn es war für sie kein Platz in der Herberge" lautete das Motto, dem sich ein großer Kreis aus Musikern, Sängern, Instrumentalisten und einem Vorleser gewidmet hatten. Das Motto bezog sich auch auf die Situation vieler Flüchtlinge.

Mit dem "Langenwanger Jodler" stimmten die Neustädter Turmbläser die Darbietungen an. Der AOK-Chor setzte das Lied aus dem Pustertal "Ach wann kommen jene Stunden" entgegen. Stadler las zwischen den Musikstücken Texte wie die von Toni Aichhorn über das "erste Kerzerl" und die "stade Zeit". "Lauter weiße kloine Sterndl" stammt aus der Feder von Kathi Greinsberger (Fischbachauer Sängerinnen).

Berührend war die Mundarterzählung "Wenn dem Wirt seine Frau geöffnet hätte" mit überraschendem Ende. Josef, schon etwas älter, die junge Frau hochschwanger. Erst dachte man es sei die Geschichte von Maria und Josef. Der Wirt vom "Störrischen Esel" war verreist, die Wirtsfrau nahm die beiden auf, weil es Nacht und kalt war, gab ihnen zu essen und zu trinken. Die Schwangere entband, die beiden ließen sich bei der Volkszählung eintragen und gingen weiter, mit Glückwünschen und einer Brotzeit. Doch sie hatten eine Tochter entbunden und stammten nicht aus Nazareth.

Ebenfalls nachdenklich stimmte die Geschichte "Er sagte nur geht Ihr voran" von Walter Müller. "Gäihts awal zou, ich kumm scho nou" - war ein Plädoyer dafür, Dinge nicht aufzuschieben bis es zu spät sei. "Wär i bloß glei mitganga", lautet das Fazit. Festlich klangen dazwischen die Stücke von "Andrersaits" mit vier Hackbrettern, einem Kontrabass und zwei Gitarren. Sanft zupfte Martina Engelhard ihre Harfe zum "Bauernmenuett" oder "Salzburger Tänzchen".

"Is finsta drausst" behauptete der AOK Chor und besang "Ein schöne Ros im heiligen Land". Schwierige Melodien meisterten der Irta Zwoagsang (Astrid Kriechenbauer und Bertram Erhardt als Gesangsduett) mit Irene Lang am Akkordeon.

Im letzten Teil, nach dem von Stadler vorgetragenen Text "Herbergsouchn", spielten und sangen Barbara und Peter Fröhlich (Maria und Josef) sowie Harald Bäumler, Christoph Herbrecher und Monika Steger als drei Wirte, die das mittellose Paar abweisen, mit dem Singspiel "Wer klopfet an" die vergebliche Herbergssuche.

Bankdirektor Gerhard Ludwig dankte vor allem Stadtpfarrer Häring, der die Kirche zum vierten Mal für dieses Konzert zur Verfügung gestellt hatte. "Wir wurden hier getraut, unser Kinder hier getauft". Sein Dank galt auch Organisator Bertram Erhardt, Geschäftsstellenleiter der Volksbank Neustadt und männlicher Part im "Irta Zwoagsang". Er habe für die Ausgewogenheit von Oberpfälzer und Alpenländischen Texten und Liedern gesorgt. Die Bürgerstiftung der Volksbank Nordoberpfalz darf sich über die Spenden freuen, die das Publikum in die Körbchen an der Kirchentüre legte.
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