Herr Kollege, du Lügner

Abgesehen davon, wer recht hat: Es ist schon schwierig, bei einem Streit den richtigen Ton zu treffen. Am Ende einer fast einschläfernd harmonischen Stadtratssitzung am Dienstagabend gerieten sich der "Herr Steiner" von den Freien Wählern und der "Herr Arnold" von der CSU in die Haare. Zwischendurch konnten sie es nicht lassen und kehrten zum vertrauten Du zurück.

Stiche via Zeitung

Auslöser waren gegenseitige Vorwürfe via NT im Juli und August: In Presseerklärungen waren Worte wie "Lügner" (Steiner über Arnold) oder "feige und ahnungslos" (Arnold über Steiner) gefallen. Angefangen hatte alles, als Arnold am Rande einer CSU-Sitzung den Freien Wählern aufgelistet hatte, bei Sitzungen zum Stadtentwicklungskonzept ISEK mit Abwesenheit zu glänzen.

Das sahen die Freien Wähler anders und schickten den Ausdruck "Lügner" als Retourkutsche los. Arnold forderte am Dienstagabend vom "Kollegen Herrn Steiner", dieses Wort öffentlich zurückzunehmen, nachdem er das offensichtlich nichtöffentlich verweigert hatte. Doch der Freie Wähler hielt dem CSU-Sprecher stattdessen eigene drastische Ausdrücke vor.

Arnolds Geschütze: Erstens habe habe er dokumentiert, dass sich bei sechs wichtigen Workshops und Sitzungen kein Stadtrat der Freien Wähler habe blicken lassen, deshalb sei der "Lügner" eine Unverschämtheit; zweitens sei die Zeitung nicht das Forum, Stadtratskollegen zu kritisieren, sondern die Fraktionsführerrunde.

Steiners Gegenoffensive: Erstens sei nirgendwo belegt, dass die Freien Wähler sechsmal gefehlt hätten; zweitens habe er sich selbst als Lehrer in Ganztagsklassen entschuldigt; drittens habe Arnold selber die Zeitung als Forum gewählt.

Troppmann vermittelt

Peter Reiser leistete seinem Fraktionschef Schützenhilfe, indem er einen neuen Zünder scharf stellte: die Auseinandersetzung um den richtigen Standort für den Defibrillator. In diesem Zusammenhang habe Arnold selbst das Wort "Lügner" in den Wort genommen. "Mich wundert schon, dass du dich über andere aufregst, aber selber nicht besser bist."

Dieser Nebenkriegsschauplatz ließ Bürgermeister Rupert Troppmann als Friedensstifter dazwischenfahren. Im Stile eines Klassensprechers packte er die Herren Steiner, Reiser und Arnold beim Du: "Ich will hier im Stadtrat keine politischen Generalabrechnungen. Das sollen die Parteien machen. Können wir uns darauf einigen, dass der Gerhard den Lügner zurücknimmt und der Joe übertrieben hat?"

Sie konnten. Die Hoffnung, dass die Sache damit aus der Welt ist, seufzte Zacharias Rebl (Freie Wähler) in die Runde: "In Zukunft mou a mal a Rouh werd'n."
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